Adlerbräu Tulln Hell (? %) 2-Liter-Flasche seit 2004 aus
Tulln in Österreich:
Tulln, eine der ältesten Städte Österreich, schon die
Römer siedelten dort an der Donau, gefällt durch einen schönen
Altstadtkern, vor allem die alte Kirche aus dem 11. Jahrhundert ist
ein landesweit berühmtes Bauwerk. Am Marktplatz etwas versteckt
die Adlerbräu, die in gemütlichem, obschon etwas angestaubten
Ambiente ihr Bier selbst braut, ausschenkt und auch einen Straßenverkauf
betreibt.
Das Helle überzeugt beim Einschenken durch einen sehr filigranen
und straffen Schaum. Die Struktur ist fein, das Volumen beachtlich,
der Stand außergewöhnlich gut. Das goldene Sonnengelb hat
eine leichte Hefetrübung. Der Geruch ist süß und vanilleartig,
Honig ist zu finden. Sehr milder Duft. Vor allem die Vanille ist sehr
prägnant, wirkt gleichzeitig sehr bekömmlich und natürlich.
Der Geruch schwelgt in Süße. Dabei wirkt er aber nicht aufdringlich
oder überbetont. Sehr schlank eigentlich.
Der Antrank ausgeprägt. Hier treten die Süßstoffe sofort
mit Vehemenz an. Vanille, Honig, Zuckerspuren. Im Anschluss taucht ein
herber Hopfenton auf, welcher die Anfängliche Süße in
eine andere Richtung zu schieben versucht, was auch gelingt, aber leider
ist schon im Finish in der Aromatik ein Bruch in der Intensität
zu spüren, der Geschmack macht Platz zugunsten einer sehr bekömmlichen,
reinen, klaren, aber auch neutralen Note. Im Nachgeschmack schimmert
kurz noch Mal die Vanille durch. Die Kohlensäure ist für meinen
Geschmack eine Spur zu aktiv, die Entfaltung des Aromas leidet etwas
darunter. „Von höchster Frische – hausgebraut“
Das nimmt man den Machern sofort ab. Der Schluck zeigt beeindruckend,
welchen Charakter ein Hausbrauereibier haben muss: ehrlich, unverbogen,
natürlich, frisch. All das hat das Helle aus Tulln. In Sachen Vollmundigkeit
und Nachdruck gibt es intensivere Gebräue. Immerhin wäre die
Süffigkeit äußerst hoch, das Wasser ist ein feines,
und das gutmütige Finish lässt vor allem Frauenherzen höher
schlagen und kommt Harmoniebedürftigen sehr zupass, aber die Kohlensäure
macht hier einen Strich durch die Rechnung, nun, zumindest schränkt
diese den Faktor ein. Schade. Etwas behutsamer, der Abtrunk wäre
wirklich rasant. Den Einfluss der beigemengten Hefe spürt man am
Rande. Recht hoher Bitterfaktor, der sich aber auf Dauer nicht festsetzen
kann. Eine dezente, entfernte Säure hängt kaum an. Vanilleimpressionen,
eine Bananenfruchtigkeit, reif, aber im Hintergrund, sowie eine Honigspur
charakterisieren dieses Bier am stärksten. Hefe und Hopfen treten
auf, aber auch etwas auf der Stelle. Der Geschmackskörper ist gutmütig
und schlank. Etwas mehr Tiefe und Herzhaftigkeit könnte man sich
vorstellen. Vor allem das Finish enttäuscht etwas aufgrund seiner
Neutralität und Gutmütigkeit; immerhin gibt es keinerlei Fangstellen
oder Störaromen. Die Ausstrahlung ist in jeden Fall hausbrauereitypisch.
Die Zutaten wirken natürlich, das Wasser gibt sich angenehm weich.
Die Basis für eine außergewöhnliche Süffigkeit
wäre gegeben. Aber die Kohlensäure nimmt dieser Möglichkeit
einiges durch ihre doch sehr aktive Einstellung. Nach dem Antrank, im
Übergang vom Mittelteil zum Finish, taucht für kurze Zeit
eine hefig-nussige Nuance auf. Ein authentisches, bodenständiges,
bürgerliches Bier. Das Aroma stellt keinen vor unlösbare Aufgaben,
wirkt aber auch nicht uninspiriert. Der Abtrunk, nun, hier könnte
man sicher noch eine Schippe drauflegen. Ansonsten aber ein gut schmeckendes
und gut trinkbares Helles.
Fazit: Österreichs Bier Nr. 200 !
Wertung: + + + + - [t
01/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
k.A.
Zutaten: k.A.
Im Internet unter:
www.adlerbraeu.at