Albert Le Coq Export (5,2 %) seit 1897 aus Tartu in Estland:

Wenn das nicht edel aussieht. Nicht nur, dass die Dose mit in Sachen Farben, Anordnung und Gestaltung eine gute Figur macht, sogar der obere Teil, dort, wo der Verschluss liegt, ist mit Silberpapier verpackt und veredelt. Alle Achtung. Enormer Aufwand.
Ordentliche Schaumbildung. Die Mitte sieht sehr cremig und feinporig aus. Auch der Stand ist beachtlich. Ebenso das Volumen, das sehr ausgeprägt ist. Die Farbe hingegen wirkt etwas kraftlos, ist sehr hell – da könnte man sich bei einem Export mehr Tiefe vorstellen. Angenehm malziger, milder, zurückhaltender und dennoch inhaltsreicher Geruch, frei von Störeinflüssen, sehr rein und anschmiegsam.
Gerstiger, malziger, getreidiger Antrank. Das solide aufgebaut, vielleicht etwas konservativ, dafür geradlinig, unkompliziert, traditionell, wenn auch etwas grob. Das Malz hat nicht den optimalen Reifegrad, wirkt etwas spelzig, unelastisch. Andererseits hat es Esprit, einen herzhaften und kantigen Ausdruck. Die Kohlensäure ist extrem zurückhaltend, hätte ruhig etwas mehr Spritzigkeit mit ins Spiel bringen können. Das Wasser macht sich gut. Neben dem Malzton ist nicht mehr viel zu entdecken. Der Hopfen liegt etwas zu sehr auf der faulen Haut, hat kaum Einfluss, was beim Export prinzipiell kein Problem ist, frönt dieser Typus doch dem Malz, trotzdem schaffen es die Guten auch vom Hopfen ein bisschen abzuzwacken und damit das Aroma anzureichern. Hier gelingt das nicht. Beim Albert Le Coq ist Malz angesagt, danach Malz und dann Malz. Frisch. Jung. Vielleicht mit etwas zu wenig Erfahrung. Aber doch sympathisch und auch rein im Aufbau. Das kann man trinken. Daran kann man sicher erfreuen. Ein guter, kühler Schluck, erfrischend, entspannend und schaut man die Dose an, dann kriegt man richtig Fernweh … das wäre doch was, jetzt an einem estischen Strand sitzen, den Sonnenuntergang beobachten und dabei eine kühle Dose dieses Bieres in Bereitschaft haben.

Fazit: Ein Bier für den Sonnenuntergang
Wertung: + + + + [t 07/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: k.A.
Zutaten: k.A.
PS: Vielen Dank an Jürgen O. Tarmo Tael für die Organisation dieses Bieres.