Allgäuer Brauhaus St. Magnus Heller Bock Birra doppio malto
(7,0 %) 0,5er-Bügelverschluss-Flasche seit ? aus Kempten in Bayern:
"Birra doppio malto" Also wenn so etwas auf einer Flasche
steht, die aus dem bayerischen Kempten kommt, dann sorgt das sogleich
für eine gewisse Vorsicht. Auf jeden Fall für Aufmerksamkeit.
Brauen die Allgäuer ihren Bock denn für den italienischen
Markt? (Gibt es den dort überhaupt! – die schlanken, eleganten,
geschniegelten Italiener – und dann ein bayerisches Bockbier?)
Nun. Sicher keine schlechte Idee. Ich möchte meinen italienischen
Freundinnen und Freunden nicht zu nahe treten - aber in Sachen BOCKBIER
liegt hier der Anspruch scheinbar nicht allzu hoch. - - Wie auch immer.
Lassen wir die Flasche doch erst einmal atmen ... klanglich imposant,
ein sehr kurzes aber intensives Flupp mit gediegenem Zwischenzischen
führt den Inhalt an die Luft. Der Einschank ist ähnlich sonor.
Einglucksen und Schaumklang bieten Labsal fürs Ohr. Auch fürs
Auge. Denn die Schaumkrone benimmt sich außerordentlich stilvoll
und distinguiert, vor allem für ein Gebräu solch hoher Stammwürzekategorie
... feinste Poren sahniger Struktur stehen da, wie für die Ewigkeit
gemacht weine marmorne Skulptur Michelangelos. Das hellbraune Bernstein
lässt langsam die Kohlensäurebläschen erstarren und macht
dabei eine richtig gute, fast sinnliche Figur. Der Geruch ist in bisherigem
Sinne eher derb und kurz. Recht kantige Malzinterpretationen suchen
ihren Weg und wirken dabei ungelenk und steif. Komisch. Sehr unbefriedigend
Duftkomposition.
Auch geschmacklich reißt dieser Bock keine Wände ein. In
seiner Vollmundigkeit durchaus enttäuschend, strafft er sich im
Antrank kurz und entwickelt gewisse Malzqualitäten, um schon kurze
Zeit später mehr oder weniger den Boden unter den Füßen
zu verlieren und in eine viel zu saure, bittre Ecke zu driften, einzusacken.
- - Was ist das? Das Aroma ist ungewöhnlich (unbegreiflich) lau.
Es fehlt an Spannung, Aussage und Durchzugskraft. Der Geschmack wirkt
seltsam uninspiriert und wenig forsch. Zwar schimmert der Bock durchaus
durch, jeder Schluck wird letztendlich doch irgendwo und irgendwie von
den 7,0 Umdrehungen infiltriert ... aber wirklich gut, tief und natürlich
ist das nicht. Vor allem die Vollmundigkeit wirft Fragezeichen auf.
Wie kann ein Bock bayerischer Herkunft so leblos und dünnwandig
wirken? Wo ist der Schwung? Wo bleibt das Mitreißende, wo die
Kraft? Das Bier wirkt unerklärlich dünn und lau. Wenig engagiert.
Kaum präsent. Abgelenkt. - - Vielleicht könnte man die neutrale
Ausrichtung auch als positives Merkmal deuten. Im Sinne von unaufdringlich
und flüssig. Mit viel Phantasie. Aber wer sollte das? Muss ein
Bock nicht STARK schmecken? Muss nicht vor allem das Malz seine ganze
Potenz und Kraft auf die Bühne bringen? Nicht hier. Der "Allgäuer
Brauhaus St. Magnus Helle Bock Birra doppio malto" scheint irgendwie
zwischendurch produziert worden zu sein, ohne viel Aufwand und Herzblut.
Vielleicht wirklich für den italienischen Markt. Aber selbst dort
dürfte dieses Gebräu für wenig Aufsehen oder Respekt
sorgen. Dazu ist die Sache viel zu durchschaubar, zahm und unscheinbar.
"Original-Abfüllung Allgäuer Brauhaus Kempten" steht
in großen Lettern auf dem Label. - - Wie das klingt! - - Und wie
enttäuschend dieser Trank dann im Glase liegt und sich nur schwächlich
und unmotiviert dem Rachen emporhebt. - - Oh man. Was ist los mit Bayern?
"Allgäuer Brauhaus St. Magnus Heller Bock Birra doppio
malto. Gebraut nach einer Rezeptur von 1712 von einer der ältesten
Brauereien Bayerns. St. Magnus ist ein hopfenbetontes, helles Starkbier
von außergewöhnlichem Charakter, kräftig und süffig."
Wie so oft feine Wort. Das Ergebnis findet sich darin nicht wieder.
Ein für bayerische Verhältnisse enttäuschender Bock mit
viel zu wenig Leben, Lust und Laune. Einzig das Wasser und ein paar
bitter-herb-holzige Einflüsse mittig bis ins Finish hinein deuten
an, wozu dieses Bier prinzipiell in der Lage gewesen wäre. Aber
vielleicht ist das ja marketingtechnisch genau abgewogen auf den italienischen
Markt. Vielleicht haben die Experten mit diesem Gebräu versucht,
sich den italienischen Verhältnissen anzupassen und die Szene zu
erobern ... die Umsatzzahlen würden mich wirklich interessieren.
Ich wette, weder nördlich noch südlich der Alpen sorgt dieses
Bier für Aufsehen. Schade. Mitnehmen. Abhaken.
Fazit: Weder nördlich noch südlich der Alpen
Wertung: + + + [t 01/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfenextrakt, Hopfen