Almogaver La Moderna (4,5 %) 0,75-Liter-Flasche seit ? aus Barcelona in Spanien:


Imposante Flasche. 0,75 Liter wollen umschlossen werden. Schwer und dickwandig. Mit süßer Apfelmostnote fließt das Bier ins Glas. Im Grundcharakter süß, malzig, schwach fruchtig. Apfel und Orange sind ortbar, ein paar Weintrauben. Ein Schuss Hefe lugt hervor. Trockene, waldboden- bis pilzartige Nuancen sind vorhanden. Der Schaum ist recht schwach ausgeprägt. Die Farbe ist ein trübes Kupferrostrotorange. Schön anzuschauen.
Ungewöhnlicher Geschmack. Vor allem für ein Spanisches Bier. Etwas Schwefeliges ist dabei, schwach, aber spürbar. Säure Tabakimpressionen. Eine ausgeprägte Säure auch in der Hefe. Der Hopfen wiegt sich in ledrigen Bitternoten. Ein stark hausbrauereitypischer Hauch liegt über allem. Das Aroma ist knatschig, unverbogen, eigen. Stark treberhafte Einflüsse kommen vor. Apfeltreber, Most, viel Bitteres. Ingwernoten. Weintrauben am Rande. Die Hefe wirkt etwas latschig, feucht, nicht ganz rein. Etwas schwer definierbares, Würziges, Kräuterartiges steckt noch drin, mir fehlen die Worte, um es zu beschreiben … Intensiv das Aroma, etwas streng der Geschmack. Die Vollmundigkeit ist zwar nicht übermäßig hoch, aufgrund der ausgeprägten Aromaschichten ist aber einiges geboten. Langweilig wird es sicher nie. Das Zusammenspiel ist nicht perfekt. Die Zutaten wirken für sich definiert, die Harmonie ist jedoch ausbaufähig. Wie auch die Bekömmlichkeit des Aromas eher unterentwickelt ist. Ein eher raues, männliches, fast übertrieben würziges Gebräu – allerdings mit viel Charme trotz aller kleinen Fehler. In einer Deutschen Hausbrauerei würde dieses Gebräu sicher keine Jubelstürme auslösen. Setzt man es aber ins richtige Verhältnis, immerhin stammt diese Flasche aus Barcelona, so muss man den Jungs einfach Respekt zollen. Für die dortigen Verhältnisse ist es ein außerordentlich anspruchsvolles, ja, fast visionäres Bier. Die geben sich nicht mit 0815 zufrieden. Die wollen Geschmack kreieren, über den Tellerrand schauen, Aufsehen erregen. Das gelingt. Zwar läuft der Schluck nicht ganz ohne sperren am Gaumen vorbei. Aber aromatisch ist das interessant und anspruchsvoll. Feucht-fruchtige, hefig-säuerliche und waldbodenartige Einflüsse vermengen sich mit allerlei anderen nicht gerade alltäglichen Aromen zu einem wilden Geschmacksgemenge. Einerseits sicher etwas gewöhnungsbedürftig. Andererseits sehr mutig. Auch diese Grapefruit-Ingwer Mischung des Hopfens, die ein wenig an englische IPA’s erinnert. Aber man braucht schon etwas Erfahrung und Opferbereitschaft, um dieses Geschmacksdurcheinander ordnen zu können. Die Gefahr, dass ein neutraler Trinker keinen Zugang zu diesem Gebräu findet, ist definitiv vorhanden. Gerade die starke Säuerlichkeit und die etwas feucht-pilzige Hefe könnten zu Kritik verleiten. Aber, und das sage ich aus Überzeugung, den Mut, solch eine Bier zu brauen, der groß, gerade in diesen Breitengraden, in einer Gegend, in der hausbrauereitypisch schmeckende Biere überhaupt keine Reputation haben, der Kundenkreis meist nur Zugang zu schnöden Massenbieren hat. Unter diesen Umständen solch eine Bier zu brauchen … Respekt.

Fazit: Respekt
Wertung: + + + -* [t 07/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: k.A.
Inhaltsstoffe: k.A.
Im Internet unter: www.almogaver.cat