Altenburger Premium Pils (4,9 %) seit ? aus Altenburg in Thüringen:
Seltsames Etikett. Da steht ein nackter Mann, ab kurz über den Hüfen durch den Schriftzug verdeckt, lacht erleichtert-angespannnt-dümmlich heraus, im Hintergrund räkelt sich eine spärlich bekleidete Blondine mit einem frischen Glas Bier in der Hand. Als Überschrift steht geschrieben: „Los, gebt mein Kostüm wieder her!“ Also was? Hat er sich die Klamotten klauen lassen? Ist neben der Blonden noch jemand im Zimmer? Das ist schon sehr modern. Avantgardistisch. Oder blöd. Vor allem unlogisch bzw. schwer zu kapieren. Keinerlei Erklärung. Aber wahrscheinlich hat diese für ein Bierlabel absolut ungewöhnliche und unpassende Szene irgendeinen Bezug, den ich nicht kenne.
Bügelverschlussflasche. Endlich was Klassisches. Normales. Anspruchsvolles. Frischer, hopfiger, leichter und unbeschwerter Geruch. Der Schaum baut sich gut auf, ist feinporig, der Stand ist in Ordnung. Das blonde Gold-Gelb ist klar und rein, leuchtet heimelig im Licht.
Das ist herb. Keine Frage. Dieses Premium der Altenburger geht klar in Richtung Pils. Der Hopfen wirkt dominant, präsent, kräftig, aber auch kurz und nordisch, edel, asketisch. Dem Malz wird wenig Freiraum gewährt, das kommt nur am Rande vor. Was ich aber überhaupt nicht kapiere, und dass ist hier schon neben dem Etikett schon die zweite Sache, ist dieser üble metallische Nachgeschmack, der sich ab der Mitte vehement ausbreitet und den Geschmack dermaßen in den Keller zieht, dass es richtig dunkel wird. Und das bei einem Bügelverschluss. Das kann doch gar nicht sein! Echt hart. Echt übel. Das ist so kräftig und eindringlich, aufdringlich, man hat Probleme, dieses Premium zu Ende zu bringen. Man oh man. Das kann doch nicht war sein. Man kann es echt kaum trinken. Was für ein Schatten auf diesem Aroma. Verheerend. Man muss sich wirklich selbst überreden, um hier vorwärts zu kommen. Das macht keine Freude, keinen Spaß, bringt weder Glück noch Euphorie, höchstens einen dumpfen Rausch, wenn man genug Eier in der Hose hat. Seltsames Ding. Aufwendig gemacht. Eigen und üppig dekoriert. Doch innen ein halbes Desaster. Dabei ist es noch ewig haltbar und macht bis zu einem gewissen Punkt einen absolut frischen Eindruck. Hier hat sich entweder der Braumeister in den nackten Jüngling oder die überreife Blondine verguckt oder einen echt miesen Tag gehabt. Oder die können es nicht besser. Aber das kann man ob der Tragweite dieses Bierentwöhnungsmittels eigentlich nicht glauben. Hart. Belastet. Uninspiriert. Nachtretend. Unfair. Übel gelaunt. Da fehlt fast alles, was ein Bier braucht. Sorry. Altenburg. Das war NIX. Das steht echt auf der Kippe zu den Stolpersteinen.
Fazit: Muss ich bis zum Schluss?
Wertung: + - [05/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Altenburger Premium, Bier Pilsener Brauart, Altenburger Brauerei, Altenburg, Thüringen, alc.4,9%vol, 0,5l Bügelverschluß-Mehrwegflasche:
Der Bügelverschluß in seiner Renaissance. Die Altenburger Brauerei war wohl eine der ersten in der ehemaligen DDR, die diese Flasche mit dem Bügelverschluß nach der Wende wieder einführte. Vorher gab es einen nach langem Zögern in der ganzen DDR eingeführten Standard, die 0,5l "Euro"-Flasche. Selbst kleinere Brauereien, die noch in die knuffigen 0,33l-Flaschen oder Bügelverschlußflaschen abfüllten, mussten aus Gründen der Vereinheitlichung umstellen. Naja, das ist nun auch schon mehr als 15 Jahre Geschichte! Muß auch eine Menge gekostet haben damals, aber man konnte z.B. die Pfandflaschen von den aus dem Urlaub aus der CSSR oder Ungarn mitgebrachten Bieren auch in der DDR wieder abgeben und das Pfandgeld kassieren. Zu solchem länderübergreifenden Pfandsystem kommt es wohl heute (leider)nie wieder. Allein die 0,5l Mehrwegflasche hat in den meisten EU-Ländern sowie den ehemaligen COMECON (RGW) - Ländern die Zeiten überdauert...
Das Altenburger Premium ist ein "Bier Pilsener Brauart" - warum nennen die es nicht wie immer schon "Pilsener"? Es ist nämlich ein gar nicht so schlechtes Pilsener. Gutes kräftiges und gehaltvolles Malz und ein eher herber Hopfen vereinen sich mit dem passablen Brauwasser zu einem herb-spritzigen Pils-Bier, das sich ganz gut trinken läßt. Ich zitiere eine vorhergegangene Bewertung von 2001 : "Herb wie die Wende, würzig wie eine Thüringer Bratwurst und spritzig wie ein gutes Lied von Wolf Biermann" - und stimme dem heute noch immer genau so zu! Der Abgang ist eine Idee zu trocken und zu herb, das Malz liegt hier ganz klar hintenan, aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen in dem sonst oberklassigen Bier.
Fazit: Oberklassig.
Reinheitsgebot: Ja
Bewertung: + + + + + (D 12/04)
Altenburger "Premium", 4,9%, Altenburg/Thüringen, Pilsner: Ein gutes Pilsner. Herb wie die Wende, würzig wie eine Thüringer Bratwurst und spritzig wie ein gutes Lied von Wolf Biermann (was für ein schöner Name).
Prädikat: Gib ma'n Biermann
Wertung: + + + + - (pit 10/01)