Altöttinger Fein-Herb (4,9 %) Privatbrauerei seit 1890 aus Altötting in Bayern:


Die gute alte Bügelverschlussflasche ... wie oft haben wir sie schon besungen? Das immer noch standesgemäßeste Verschlussobjekt eines jeden Bieres.
Oha. Das ist herb. Der Duft hat einen fast schon nordisch anmutenden Hopfenfaktor. Aber auch etwas Entspanntes, Blumiges, nicht zu Ernstes ist zu entdecken. Die Farbe glasklar und hellgelb. Der Schaum vollendet feinporig, bis auf die Fläche, die Kontakt zum Glas hat, hier wird es etwas grober, ansonsten aber ein cremiges Bild.
Auch im Antrank findet sich für ein süddeutsches Bier verblüffend viel Hopfiges. Recht trocken, etwas starr, aber mit guter Auflösung. Seine Stärken hat dieses Bier sicher im ersten Drittel, wo sich die Würze am meisten aufbäumt. Nach hinten hin wird die Breite schmäler, der Geschmack dünnt sich etwa aus. Fabelhaft das Wasser, das weich und samtig wirkt. Die Kohlensäure hinkt in der Qualität etwas hinterher, schafft es aber in der Kombination trotzdem Wohligkeit zu verbreiten. Das Aroma wird ferner noch von etwas Tannigem, Harzigem begleitet. Die Vollmundigkeit ist nicht pefekt. Die Tiefe, der Ausdruck, das könnte besser geformt sein. Vor allem fehlt es diesem Bier, das zwar über eine feine, fast edle Geschmackführung verfügt, an Wärme, Dynamik, Tiefe, Kooperationsbewusstsein. Es „fühlt“ sich zu hart an, wirkt phasenweise zu spröde. Wobei man jederzeit den Eindruck hat, ein gelungenes, gutes, handwerklich einwandfreies, hochqualitatives Bier zu trinken. Aber eben auch etwas steril die Sache. - - - Das meiste Potential hat eindeutig der Hopfen, der sich im klassischen Sinne hopfig präsentiert, grün, tannig und sehr frisch wirkt, eine angelehnte Blumigkeit verbreitet, trocken ist. Das Malz ist kaum zu erkennen. Ein etwas zwiespältiges Gefühl entsteht beim Genuss dieses Altöttinger Bieres. Zum einen hat man auf jeden Fall den Eindruck, es mit einem richtig guten Bier zu tun zu haben. Andererseits springt der Funke nicht über, wirkt es kühl und starr. Schade. Denn die Grundlagen sind mehr als gelungen. Trotzdem kann ich diesem Fein-Herben nicht mehr als eine 4,5 geben, und das auch nur mit viel Wohlwollen, denn auch die Reife und die Ausgewogenheit, die Milde könnten besser ausgestaltet sein.
„Für unser Fein-Herb verwenden wir nur ausgewählte Rohstoffe wie hochwertigen Hopfen und bestes Gerstenmalz. Die besondere Brauart macht das Fein-Herb zu einem wahrlich edlen Bier – denn Geschmack ist unsere Tradition. Wohl bekomm’s!“

Fazit: Aus dem Herzen
Wertung: + + + + [t 10/05]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
PS: Nein. Doch nur eine vier. Obwohl eindeutig mehr drin gewesen wäre. Aber irgendwie stockt die Sache. Das Ganter z.B. war eindeutig stärker.