Anchor Steam beer, The Anchor Brewing Co., San Francisco, Kalifornien, USA, Since 1896, 352ml Flasche:

Das ist mal eine Tradition. 110 Jahre und in den USA. Anchor soll schon gut sein, behaupten die Kalifornier. Da bin ich nach den sehr widersprüchlichen Ergebnissen meiner Vortester sehr vorsichtig. Und aufmerksam. Ich habe mir erst einmal ein paar Käsewürfel und ein ("französisches") Baguette dazu besorgt. Gibt es in Kalifornien - kanns'te glauben!
Die kleine gnubbelige Flasche sieht gut aus und liegt auch sicher und ruhig in der Hand. Der Kronenkorken geht abzudrehen, es zischt und ein helles kupferbraunes klares Bier läuft heraus. Einen Sympathiepunkt für die Flasche, richtig niedlich und irgendwie stylish!
Im Glas sieht man für einige zehn Sekunden einen Schaum, der wird aber bein Zusehen weniger, ist schon irre, nach einer guten Minute sieht das ganze aus wie ein englisches Ale, kein Schaum mehr da. Obwohl die Kohlensäure einige Bläschen an die Oberfläche treibt. Jetzt trinken? Das ist nicht ganz einfach nach einer sehr positiven Vorbewertung und einem glatten Verriß. Die Anchor-Brauerei ist eine kleine Brauerei in San Francisco, da hat sicher der Braumeister noch einen gehörigen Einfluß auf die Qualität des Bieres und nicht irgend ein Computer. Da kann es schon sein, dass auch mal eine Charge in die Hose geht.
Also Antrank - aha - Malz. Malz und Hopfen. Beides nicht aufdringlich, beides ist da und beides ist merklich gut. Das Wasser hat für ein ganz gutes Bier ein paar Härtegrade zu viel, dadurch kommt die ganz runde Stimmung bis zum Schluß nicht auf und der Abgang wirkt etwas kantig. Ansonsten gibt es weder Tadel noch zu großes Lob. Ein gutes Bier in dieser Weltgegend, das sich gegen Milliarden Flaschen und Dosen Bud und Miller durchsetzt! Und es kommt mit weit weniger Werbung aus. Ich find es ehrlicher als die ganzen großen mit den tollen Namen und den Einheitsgesichtern! Etwas Induvidualität kann den amerikanischen Biermarkt ja eigentlich nur interessanter machen.

Reinheitsgebot: ???
Fazit: Ehrlich und gut!
Wertung: + + + + (d 08/06)


Anchor „Steam Beer“ (4,9%) aus San Francisco, Kalifornien, USA

„Steam Beer“ – „Dampf Bier“ - komischer Name! Auf dem Etikett kann man nachlesen, dass dies ursprünglich die Bezeichnung für Biere der amerikanischen Westküste war, die unter primitiven Bedingungen hergestellt wurden und dabei auf natürliche Art und Weise immense Mengen natürlicher Kohlensäure entwickelt haben. Interessant Story! Das Anchor hast also den Namen beibehalten. Nach dem ersten Schluck wird klar, das die Bedingungen durchaus primitiv waren. Es tritt übelst nach, im Abgang krätscht es von hinten in die Beine, da kommt der ganz gemeine süßlich-bittere Nachgeschmack raus. Als ich klein war, hatten wir mal nen Bassett-Hund, der am laufenden Band unendlich ekelhaft süß-sauer gefurzt hat. Ich will dem Anchor Steam ja nichts gemeines unterstellen, aber es ist schon ein eigenartiger Zufall, dass diese 20-Jahre alte Erinnerung gerade jetzt wieder in mein Gedächtnis springt! Nein, ich hatte mich auf das Anchor Steam gefreut, aber leider zu Unrecht. Es hat anfanglich einen recht angenehmen Ansatz, aber es zählt der Rundum-Eindruck! Und wie wir alle wissen: von hinten reinkrätschen gibt rot!

Fazit: Rote Karte
Wertung: + (pm 05/05)