Anchor Old Foghorn Barleywine Style Ale (8,8 %) 0,355-Liter-Flasche
seit ? aus San Francisco/Kalifornien in den USA:
Verblüffend gut ausstaffierter Schaum. Absolut edler Body. Sahnige
Struktur. Feinste Poren. Für diese Stammwürzeklasse ist das
ein monumentales Volumen. Der Stand ist unnachgiebig. Der Schaum rutscht
höchstens Millimeter nach unten, und das in Zeitlupe. Dunkles Bernstein,
rot-braun-glühend, steht mystisch im Glas. Hopfengeruch. Aber nicht
der Hopfen, den wir Mitteleuropäer gewohnt sind, sondern Hopfen
britischer Prägung. Grapefruitartig. Limonenhaft-harzig. IPA-mäßig
ätherisch-bitter-ölig. Dazu etwas Kräuterartiges, das
an Muskat und Koriander erinnert und zugleich nussig-trocken ausläuft.
Wahnsinnig gelungen und ungemein intensiv. Das lockt und lässt
auf GESCHMACK hoffen.
Was ist hier den los? Haben die anglikanischen Länder die Bierführung
übernommen? Erneut ein Gebräu, das nicht allen, aber den meisten
und vor allem den richtig guten eine lange Nase zieht. Ein Aromafeuerwerkt
wird entfacht, das den Trinker erst einmal in den Sitz drückt.
Und glaubt man der Zutatenliste, so ist tatsächlich nur Wasser,
Hopfen und Malz drauf. Das Kräuterartige ist vehement und erinnert
ein wenig an Blumenwiese, Muskatnuss und Fichtennadel. Gleich danach
zieht die Grapefruit ihre Furche und wird noch getoppt von einer süß-sauren
Limettennote, die Rückgrat und Charakter hat. Das Malz ist süß,
schwerfälliger und zäher als der Hopfen. Dennoch packend,
anhaltend, breit im Schritt. Der Hopfen ist frischer, spritziger, schlanker.
Nicht weniger intensiv, dennoch schneller. Nussig-Harziges klemmt dazwischen,
befreit sich bald erfolgreich. Grasiges, Blumiges, Frisches entströmt
dem Hopfen, kaum zu bändigen, Medizinisch, Apothekenartig spritzig,
angenehm. Ein sehr anspruchsvolles Bier, das sich irgendwann zwischen
anregend, anspruchsvoll, anders und einmalig einpendelt. Der Trinker
staunt, ob der Intensität und der Raffinesse des Geschmacks. Das
ist mit nichts zu vergleichen, was wir aus der Fernsehwerbung kennen.
Dieses Ale elektrisiert, spannt die Sinne, entfacht ein Aromafeuerwerk.
Das ist große Bierbraukunst. Hier hat man bei jedem Schluck das
Gefühl, etwas Außergewöhnliches zu trinken. Der Geschmack
ist so nachhaltig und intensiv … man verliert die Übersicht.
Sicher ist die Vollmundigkeit bei dieser Stammwürze kaum zu überbieten.
Dennoch fühlt sich dieses Ale trotz aller Stärke schlank an.
Elegant und rasch umspült es den Gaumen, fackelt dort ein Stakkato
an und betäubt durch Aroma pur. Man fragt sich: wie soll man dieses
Bier trinken, ohne zu vergehen? Die Antwort kann nur lauten: Trinket,
ohne zu denken, gebet euch hin! Einfacher ausgedrückt steht dieses
Ale aus San Francisco für die Verführung, den Untergang, das
Vergehen. Jeder Schluck ist eine Warnung. Die nicht erhört wird.
Denn zu süß und verführerisch, zu weiblich schmeckt
diese Bier, las dass man sich feien könnte vor der verheerenden
Wirkung. Also geben wir uns hin und lassen wir die Worte. Das Anchor
Old Foghorn Baylreywine Style Ale hat uns längst in seinen Klauen.
Fazit: Feuerwerk der Sinne
Wertung: + + + + + - [t
07/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen