Apostel-Bräu Dinkel naturtrüb (4,8 %) seit ? aus Hauzenberg in Bayern:

„Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot.“! Dinkel!! Ist also rein. Nur so am Rande. Für die Reinheitsgebotsjünger. – Sehr feiner Schaum. Das sieht richtig gut aus. Unheimlich cremig und feinporig. Fabulöser Stand und üppiges Volumen. Das glanzfeine und harzige Honiggelb ist anschmiegsam. Der Geruch verblüffend. Eine Weißweinimpression drängt sich gleich vor. - - - Bleibt. - - - Lässt sich nicht abschütteln. - - - Nichts zu machen: Weißwein. Weiße Trauben. Leichte Holzigkeit. Und, welch Glück, doch noch ein anderer, verblüffende klarer, Eindruck: Sekt. Sekt! Die Spur Kork kann fast vernachlässigt werden.
Sektartiger und Weißweingefärbter Antrank. Eindeutig. Klar. Kräftig. Aber durchaus mit spelziger Unterstützung. Etwas Weiziges ist dabei. Keine Frage. Man könnte es als Weizen definieren. Aber es dann doch Dinkelmalz. Kork. Weißwein. Sekt. – Bleiben ohnehin und dominieren in verblüffend-beeindruckender Form. Nicht optimal aber die Vollmundigkeit. Die wirkt etwas kurzatmig und fast dünn. Der Eindruck insgesamt ist zwar der eines sehr klaren und reinen Bieres. Das weiche Wasser und die feine Kohlensäure beherrschen ihr Handwerk sehr gut. Aber mehr Tiefe und Mastigkeit wären durchaus angebracht. Tja. Und da wären wir eigentlich schon. Das Weißweinartige, dieses Sektnote und die Korkimpression … die sind so vordergründig, erbarmungslos und präsent, dass alles andere untergeht. Sicher. Das ist DIE eigene Note und man kann dieses Gebräu als absolut UNVERWECHSELBAR definieren. Aber der klassische Biergeschmack bleibt etwas auf der Strecke. Man hat eher den Eindruck ein Belgisches denn ein Bayerisch zu trinken. Auf jeden Fall ist es sehr schrullig und amüsant. Dabei bewahrt es sich Qualität und Würde. (Etwas leicht Kohleartiges, leicht Verbranntes, Röstartiges taucht noch auf.) Die Hefe dringt phasenweise recht stark und kräftig durch, vor allem in der Mitte und im Finish. Ein dezente Buttrigkeit ist spürbar.
„Der Dinkel ist das beste Getreide, er ist warm und fett und er ist milder wie andere Getreidearten und er bereitet dem, der ihn isst, rechtes Fleisch und rechtes Blut und Freude im Gemüt des Menschen. Und wie auch immer die Menschen ihn essen, sei es in Brot, sei es in anderen Spiesen er ist gut un mild… (Hildegard von Bingen)
Erstmals in der Braugeschichte braut das Haus Apostelbräu aus diesem wertvollen Dinkelkorn das 1. Original Dinkelbier natürlich nach dem Reinheitsgebot von 1516. Alte Tradition, bewährte Rezeptur, gewährleistet edle Güte. Dinkelbier tut gut und schmeckt gut.“

Zitat Ende.
Ein absolut ungewöhnliches Bier. Nicht nur, dass Dinkel, selten genug, eingebraut wurde, nein, auch der Geschmack ist der eines Bayerischen Gebräues eher ungewöhnlich. Das Apostel-Bräu Dinkel erinnert in seiner Exotik eher an die experimentellen Belgischen Biere, die mit viel Mut zur Tradition alte Wege wieder aufleben lassen, oder schon immer gehen, um der schleichenden Standartisierung des Biergeschmackes entgegen zu wirken. Oder auch nicht. Oft ist es einfach so, wie es immer schon war, und es erscheint visionär. Gut. - - Dieses Bier schmeckt ungemein anregend und spannend. Die Vollmundigkeit und Tiefe sind nicht perfekt. Die Struktur des Aromas aber sehr eigen und unverwechselbar. Leicht, schlank, exotisch dazu. Mit wirklich schrägen, irren, tollen Aromen. Das sollte man wirklich mal probiert haben, bevor man sich die finale Meinung bildet. Herrlich anders dieses Gebräu. Angenehm anders.

Fazit: Leicht, schlank, exotisch, unverwechselbar
Wertung: + + + + +* [t 04/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Dinkelmalz, Malz, Hopfen, Hefe