Appenzeller, Quöllfrisch, 4,8%, aus Appenzell in der Schweiz

Seit längerer Zeit befassen wir uns mit der Frage, was die Schweiz in Sachen helle Lagerbiere so alles trinkt. Um genauer zu sein; wir wollten wissen, wie all die Biere mit den jeweiligen klangvollen Markennamen schmecken, die in Schaffhausen, Basel oder in Lugano erhältlich sind. Kurz: Was lassen unsere helvetischen Nachbarn so alles durch ihre Kehlen fließen? Hier das Exemplar aus Appenzell. --- Nach dem Öffnen der traditionellen Bügelverschlussflasche treten eher neutrale Aromen hervor. Der Schaum ist Weltklasse – herrlich blendend weiß, cremig, feinporig und mit einem geradezu perfekten Stand bedeckt dieser das naturtrübe, mittelgelbe Bier aus der pittoresken Hauptstadt des gleichnamigen Ostschweizer Kantons Appenzell. Schnupper schnupper am Glas, aber wenig kommt. Spärliche, süße, flüchtige Noten von italienischem Stracciatella-Eis laden zum Genuß ein. Beim Antrunk offenbart sich ein extrem weiches Wasser mit sozusagen null Kohlensäure. Die Aromen im Mund sind extrem knapp bemessen. Da ist irgendwo die für das Appenzeller-Bier typische Gerstenmalznote. Irgendwo durch hat es Impressionen von gedörrten Apfel- und Birnenschnitzen, etwas süßer Apfelwein, ein kleinwenig Süßholz. Wäre die Angabe des Alkohols nicht auf der Flasche aufgeführt, so könnte man meinen, es sei ein Leichtbier. Einverstanden. Der Duft des Bieres mag durchaus zu überzeugen. Auch die Tatsache, dass inzwischen Appenzeller-Bier für Swissness steht und überall in der Schweiz erhältlich ist. Nichtsdestotrotz muss festgehalten werden, dass das heute getestete Appenzeller-Bier leider ein Schatten seiner selbst ist.

Fazit: Schaumschläger
Wertung: + + [i 06/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter: www.appenzellerbier.ch

Die getesteten Biere im Überblick:
Feldschlösschen, Original Lager hell, Rheinfelden/KantonAargau + -
Falken, Lagerbier hell, Schaffhausen/Kanton Schaffhausen + + + + +
Müller, Lager Hell, Baden/Kanton Aargau + + + + +
Eichhof, Lager Hell, Luzern/Kanton Luzern + + + -
Rugenbräu, Lager hell, Interlaken/Kanton Bern + + + + +
Calanda, Lager hell, Chur/Kanton Graubünden + + + -
Adler, Lager hell, Schwanden/Kanton Glarus + + + + -
Denner, Lager hell, Hochdorf/Kanton Luzern + + + + + -
Appenzellerbier, Lager hell, Appenzell/Kanton Appenzell + +
Sonnenbräu, Lager hell, Rebstein/Kanton St. Gallen
Egger, Lager hell, Worb/Kanton Bern
Schützengarten, Lager hell, St. Gallen/Kanton St. Gallen + + + + + -

PS: Wir bedanken uns nochmals bestens bei Herrn Hofmann, Geschäftsführer des Rio-Getränkemarktes in Wetzikon, der uns für diese Testserie mit seinem Wissen, mit seinen Ratschlägen und last but not least mit seiner beeindruckenden Biervielfalt im Angebot tatkräftig unterstützt und inspiriert hat.


Appenzeller Naturtrüb Quöllfrisch (4,8%) seit ? aus Appenzell in der Schweiz:


Die machen nicht nur den feinen Käse sondern brauen auch Bier. Ein herzhaftes, würziges, intensiv schmeckendes Bier. Heuartig-frisch im Charakter, sehr süffig und fast wild im Aroma, wenn auch die Kontrolle nicht verloren geht. Der Geschmack ist sehr natürlich und wirkt von Hand gemacht. Nichts, das ablenkt oder abweicht. Das ist Bier in reinster Form. Fein strukturiert und kernig in einem. Abwechslungsreich und urig. Ein wenig säuerlich in Ansätzen, aber selbst das stört nicht wirklich. Das Wasser ist sicher nicht das weicheste. Dafür ist die Kohlensäure spitze ein Form. Hinzu kommt, dass Malz, Hopfen und Hefe hervorragend harmonieren. Von jedem genau die richtige Portion. Man schmeckt jede Zutat für sich heraus, wobei weder die einzelnen Bestandteile sich zu sehr in den Vordergrund spielen noch zu lau auftreten. Gutes Mix. Urig und kernig. Nicht alltäglich im Aroma und ausdrucksstark im Geschmack. Muß zugeben: dieses Bier schmeckt mir hervorragend. Bleibt noch zu erwähnen, das der Schaum von prima Konsistenz ist, die Farbe an frischen Apfelmost erinnert und der Geruch würzig und frisch ist. „Ein Schluck Appenzeller Lebensqualität. Hergestellt mit den besten Malzsorten, Hopfen und Hefe. Gebraut nach Appenzeller Art mit reinem Wasswer aus dem Alpstein, frisch ab der Quelle. Geschaffen von der Natur, von unserem Braumeister nach überliertem Verfahren gehegt, im Felsenkeller gelagert und zum Schluss unfiltriert in die Flasche abgefüllt. So entsteht unrwüchsiges naturtrübes Appenzeller Bier.“ Toller Text. Allerdings stimmt die Zeichnung auf der Bügelverschlußflasche etwas nachdenklich. Komischer zeichenstil. Nicht sehr gemütlich und weich. Trotzdem großes Kompliment an die Brauerei Locher. Klassbier.

Fazit: Bier, Käse, Kitsch
Wertung: + + + + + - (t 04/03)
Im Internet unter: www.appenzellerbier.ch

PS: Ich habe mir einst bei meiner Tour de Swiss es nicht nehmen lassen, in Appenzell zu halten. Meine Güte, was ein Kitsch. An jeder Ecke Schmuck und Tand, unzählige Japaner und Käsebuden. Die Häuser sind dermaßen überladen mit grellbunten Malereien, dass es einem graust. Pro Pflasterstein mindestens zwei Touristen. Ich habe schnell das Weite gesucht, meinen Vorstellungen beraubt. Aber das Bier ist der Hit.