Arolser Alt Walsdecker Dunkel (5,5 %) Hofbrauhaus in Arolsen Privatbrauerei Brüne GmbH seit 1721 aus Bad Arolsen in Hessen:


Eines vorneweg. Bad Arolsen ist ja ein dermaßen abgefahrener schöner Ort. Ich habe mit offenem Mund gestaunt. Die Barockstadt wird Arolsen genannt. Nun weiß ich, warum. Traumhaft schön. Gepflegt und monumental. Und die Brauerei, die passt mit ihrem mittelalterlich-krummen Baukörper eigentlich gar nicht dazu. Enorm sehenswert.
Haferflockenartiger, gerstiger, korniger Geruch. Etwas Röstmalz. Ansonsten eher trocken. Allerdings weit hinten auch ein unterwürfig-metallischer Hauch. Der Schaum ist nicht strahlendweiß sondern hat eine Spur Beige in sich vereint. Der Stand ist mehr als gut. Die Konstitution prima. Das Alt Waldecker schimmert in dunkelstem, klarem Bernstein.
Uriger, trockener, röstiger, malziger Antrank. Sehr weiches und klares, langwelliges Wasser. Das Malz hat eine edle, röstige, klare Ausprägung. Der Hopfen bringt eine angenehme, milde Trockenheit ins Spiel. Die Zutaten harmonieren blind und gut zusammen. Der Ausdruck ist natürlich und herzhaft. Man hat hier das eindeutige und untrügbare Gefühl, Bier aus einer kleinen, feinen, familiär geführten Brauerei zu trinken. Das ist kein Massenprodukt. Das ist nichts, das per Margen gesteuert wird. Da wird noch mit Herz und Tradition gebraut. Rustikaler, herzhaft-würziger, uriger Biergenuss. Vollmundig. Leicht schwefelig im Aroma. Satte Sache. Sehr süffig. Bekömmlich und mild ausgelegt. Das macht riesig Spaß, dieses Bier zu trinken. Es hat diese gelungene Balance aus mildem, sanftem Ausdruck und individuellem und speziellem Anspruch. Man kann sich entweder der einen oder anderen Seite hingeben. Sei es einfach nur gemütlich genießen oder konzentriert die verschiedenen Geschmacksschichten zu analysieren. Gelungen. Punktum. Sehr gutes Bier. Abwechslungsreich. Anspruchsvoll. Zünftig süffig. Anregend. Gemütlich. Bürgerlich. Das kann man wirklich in vollen Zügen genießen.

Fazit: Analytische Milde
Wertung: + + + + + - [t 04/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen und Bierhefe
PS: Vielen Dank an den netten Herrn in der Brauerei, der uns die Arolser-Biere kostenlos überlassen hat – ohne zu wissen, wofür die Biere gedacht sind.