Artländer Pilsener (4,9 %) 0,33er-Flasche Artland Brauerei
Renze seit ? aus Nortrup/Suttrup in Niedersachsen:
Interessantes Maskottchen. Auf den ersten Blick eine Mischung aus Seeschlange,
Drache und Seepferdchen. Der Schaum hat eine herrliche jungfräulich-weiß-cremige
Ausstaffierung. Sehr edel und gelungen. Vor allem die Poren und der
Stand gefallen sehr. Das Gelb ist pilstypisch hell, deutet aber mit
einer dezenten dunklen Schattierung ein gewisses Malzpotential an. Der
Geruch ist herb. Richtig herb. Nordisch. Eine trockene Bittersandelholznote
ist dominant. Asketisch. Edel. Zurückhaltend. Zwar aussagekräftig
im Ganzen. Vordergründig jedoch niemals aufdringlich. Eine blumige
Süße sorgt für etwas Farbe.
Trockener, holziger, bitterhopfiger Antrank. Große Hopfenbühne.
Nordisch nobel. Der Hopfen genießt Narrenfreiheit, und weiß
seinen Freiraum zu nutzen. Leicht nussig. Eine frische grasige Nuance
passt sehr gut ins Bild. Im Finish kommt eine Impression auf, die entfernt
an Kräuter, Gras, Heuartiges, Heidekraut … denken lässt.
Trocken-pudrig, dazu leicht ölig. Der Bitterfaktor ist hoch. Die
Trockenheit wird durch eine geschmeidigere und schwach ölige Eigenart
entschärft. Wasser und Kohlensäure bilden eine rezente aber
weiche Basis, wobei die Kohlensäure nach meinem Empfinden sicher
eine Stufe dezenter auftreten könnte. Der Süffigkeitsfaktor
ist hoch angesiedelt. Die trocken-asketisch und edel-hopfige Ausrichtung
verlangt aber auch eine gewisse Konzentration. Das Aroma ist anspruchsvoll.
Seichtes Sportschaubier zum schnellen Abtrunk ist das keinesfalls. Hier
wird dem Genießer die Sache nicht ganz leicht gemacht, was nicht
negativ zu verstehen ist, vielmehr erzeugt das Spannung, Hintergrund,
Nachhaltigkeit. Ein Pils mit Bitter- und Frischegarantie. Die Spritzigkeit
ist hoch. Das Aroma strahlt eine elegante Schlankheit aus. Hier trumpft
nicht dumpfes Malz auf, sondern filigraner Hopfen bestimmt das Tempo.
Einzig ein etwas schwer definierbarer, auf jeden Fall recht bitterer
und schwach grüner Ton im Finish bricht mit der ansonsten ansehnlichen
Harmonie der Zutaten. Plötzlich wird’s im Abtrunk ruppiger.
Auch die vor allem hier recht bizzelig wirkende Kohlensäure trimmt
die Bekömmlichkeit nach unten. Aber schon der nächste Schluck
beschert einen feinen Antrank und anspruchsvollen Mittelteil. Ein im
Grundcharakter grasiges, trockenes Pils mit umfangreichem Hopfeneinfluss
und ausgeprägter Trockenheit. Die 5 ist auf jeden Fall drin.
Fazit: Munter bleiben!
Wertung: + + + + + [05/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot:
JA
Zutaten: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen
Im Internet unter:
www.artland-brauerei.de