Auer Dunkel Urbayerisches Landbier (5,2 %) seit 1590 aus Au
in Bayern:
Urbayerisch. Was kann im Zusammenhang mit Bier schöner klingen?
Der Schaum ist vortrefflich gestaltet, helles beige, feine Poren, kompakte
Struktur, guter Stand, hohes Volumen. Die Farbe des Bieres ist klares,
leuchtendes Mittelbraun. Der Geruch ist sehr beerig; Waldbeeren, Heidelbeeren,
dazu trockenes Röstmalz, etwas leicht Erdiges, eine leichte, unbedeutende
Oxidiertheit, etwas Anis, eine Spur Lakritz.
Und dann das: Schinken! Schinken!! Und nochmals Schinken!!! Das ist
ein Rauchbier mit Wucht. Geräucherte Spuren, Knackwürste,
frische Kohle, abgebranntes Holz, eine Spur Torf. Dann aber auch etwas
Süße, Schweres, sehr Vollmundiges. Daneben nussige Elemente
und harzige Einflüsse. Das hätte man in der Form und Intensität
nicht erwartet. Das ist absolut abgefahren, schräg und eigen. Dieses
Fruchtige schwarzer Beeren. So klar und distinguiert. Das Malz wirkt
sehr aromatisch und würzig, in seiner erdigen Trockenheit in Phasen
sehr edel, dann wieder enorm knarzig und verblüffend rauchig. Wobei
das Schinkige mit der Zeit etwas in den Hintergrund tritt, wohl gewöhnt
man sich daran, jedenfalls kommen die fruchtigen Impressionen etwas
stärker heraus, auch die Süße wird stärker betont.
Trotzdem. Kein Nachteil. Von wegen. Der Geschmack wird so noch kompakter
und homogener, zeigt keine Schwächen, lebt von der individuell
geprägten, ungewöhnlichen Würze, überrascht, nimmt
ein, regt an. Eine Nuance Wacholderschnaps entdeckt man. Baumharz. Ein
Hauch Lakritz. Eine harzig-nussige, nur in Ansätzen bittre, feinnussige
Hopfigkeit, die im Finish in einer sehr dezente, zurückgelehnte
Herbe mündet und langsam aushaucht. Weit hinten dann noch eine
Spur scharfen Apfels (Apfelschnaps oder Most?). Alles sehr breit gefächert
und doch harmonisch und kompakt. Und bei all der (ungewöhnlichen)
Aromatik sehr leicht zu trinken, der Geschmack ist gutmütig, mild,
sehr sanft. Nicht zu vergessen: sehr weiches Wasser, cremige Kohlensäure,
richtig hoher Süffigkeitsgrad. Toll gemacht. Absolute Kauf- und
vor allem Trinkempfehlung. Kompliment nach Au. Das ist ein absolutes
Spitzenbier. Einzig ein leichtes, zwar fast unbedeutendes, dennoch merkbares
Schwanken im letzten Drittel, das Bier fängt sich gleich wieder,
dennoch, ein kleiner Makel haftet diesem kurzen Nachlassen an, verhindert
die 6. Ansonsten aber alles mehr als vorzüglich.
Fazit: Ein kurzes Nachlassen
Wertung: + + + + + -*
[t 07/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen