Auer Schloßbräu Peccator Bock (7,9 %) seit ? aus
Au in Bayern:
Feuriges Rot. Darauf ein schwarz kontinueriter Bock im ‚wilden
Sprung. Weiße Schrift. Klassisch. Teuflisch. Auf den Punkt kommend.
Rotschwarzes klares Glimmen von mystischer Tiefe. Den Schaum kann man
vernachlässigen: ein Bock und Schaum? Fast ein Widerspruch in sich.
Der Geruch hingegen ist auffällig. Tiefes, kräftiges Grollen.
Hartes, muskulöses Malz von unbarmherziger Ausstrahlung. Ein Bock.
Keine Sekunde des Zweifelns.
This is pot. Würde mein Freund Ed sagen. Hammerhartes Auftreten.
Ein Malz, das einem gnadenlos zeigt, wo der Hammer hängt. Holzig.
Harzig. Extrem ausgeprägt und knallhart. Eine Spur Lakritz. Viel
trockener Treber. Ein Hauch Röstiges. Tabak. Etwas Mokka. Etwas
Likörartiges, das an Tannennadeln oder auch Fichtenschnaps erinnert.
Wenn’s den denn gibt. Hinzu kommt noch etwas Leder und etwas Rohes,
das an frisches Fleisch denken lässt. Und über allem dieses
zähe, dicke, kaum fließende, dunkle Malz. Kaum fließend.
Schwer. Fest. Es zieht sich langsam. Ein Bock, der sicher nicht auf
Samtpfoten daher kommt. Eher ein Gebräu, das keinen Zweifel aufkommen
lässt, um was es geht. Das ist kein Ponyhof. Das ist harte, männliche
Realität. Da werden Kriterien wie Weichheit des Wassers, Rezenz,
Beschaffenheit der Kohlensäure, Körperhaftigkeit des Aromas
usw. nebensächlich. Hier wirken keine rationellen Gesichtspunkte.
Hier herrsch Aromaanarchie. Gleich beim ersten Schluck wird man in den
Geschmackskerker gestoßen und kommt nicht mehr raus. Eine faszinierende
Mischung aus instinktiver Ablehnung und verbotener Faszination gehen
bei jedem Schluck einher. Welcher Eindruck die langfristig die Oberhand
gewinnt, ist klar, denn jeder Schluck treibt den Trinker schneller ins
Zentrum des Verderbens. Dieser herbe, derbe Malzgeschmack, diese dominahafte
Malzintensität. Es ist ja gar nicht mal so, dass dieses Bier wirklich
gut schmeckt. Eigentlich ist dieser Doppelbock ein harter Knochen. Dennoch
ist diese Liga fesselnd. Man möchte mehr. Nach jedem Schluck schüttelt
man sich kurz, um dann sofort nach dem nächsten zu betteln. Uff.
Glücklicherweise habe ich nur diese eine kleine Flasche mit 0.33
Litern Inhalt. Sonst wäre der frühe Samstagabend schon jetzt
komplett gelaufen …
„Der „Peccator Doppelbock“ ist eine besondere
Bierspezialität, unnachahmlich würzig im Geschmack.“
Bescheidene Worte für diese Doppelbockdomina.
Fazit: Knie nieder
Wertung: + + + +* [t 09/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hallertauer Aromahopfen