Auer Hell (4,7 %) Schlossbrauerei seit 1590 aus Au in Bayern:

Spelzig-gerstiger Geruch. Durchaus hopfig und dort auch sehr frisch, grasig. Überhaupt liegt die Stärke des Duftes im Hopfen. Ungewöhnlich. Aber hat man sich erst einmal daran gewöhnt, schätzt man es (natürlich) sehr. Der Schaum ist ordentlich und gut und zeigt urbairische Tugenden. Die Farbe ist klar und eher hell.
Tja. Au in der Hallertau. Die Karte zeigt, dass Au beinahe im Zentrum dieses weltberühmten Hopfenanbaugebietes liegt. Selbstredend, dass der Hopfen auch im Hellen entsprechenden Freiraum genießt. Ein für diesen Typ ungewöhnlich hopfenaromatisches Auftreten charakterisiert diese Helle. Fein. Feinherb. Enorm ausgewogen und mild. Ein bekömmliches Bier, wie man es sanfter sich kaum vorstellen könnte. Weiches, samtiges, mildes Wasser. Sahnige, sanfte Kohlensäure. Was für eine Süffigkeit. Die Harmonie der Zutaten, dieses ungezwungen-kompakte des Körpers, scharf umrissen, mit weichen Übergängen, offen, frei, rein. Dabei ist das Aroma selbst gar nicht mal so umwerfend, eher zurückhaltend, ausgenommen der Hopfen, der über ein großes Potential verfügt, überraschend für ein Helles, wobei das Malz, die eigentliche Stimmgabel des Hellen eher im stillen Kämmerlein komponiert, ohne dabei unterzugehen. Sprich: ein von sehr rundem und weichem Hopfen dominiertes Helles mit zurückhaltenden aber gekonnten Malzeinlagen. Feinstes Hallertauer Lagerbier mit so viel Aromahopfen. Ein feinwürziger Klassiker der Kategorie Helles. Vielleicht gar nicht bewusst gesteuert oder gewollt. Aber was hier an sanften, milden, und bekömmlichen Hopfennoten in die Bierwagschale geworfen wird, das ist schon sehr nah am Optimum. Genial auch, dieser gelungene Balanceakt zwischen unaufdringlicher Individualität und markanter Aromatik sowie überdurchschnittlicher, fast atemberaubender Süffigkeit. Schließt man den Schluck im Mundraum kurz ein, das Gefühl ist grandios. Weich. Wohlig. Zutraulich. Und war im ersten Test in 2005 noch der Abgang zu bemängeln, so ist die 2007er Version, Gott weiß warum, in diesem Bereich deutlich geschliffener, runder, rasanter, ausdrucksstärker und stabiler. Gerade hier steigert sich dieses Helle nochmals. Was ist das für ein gutes Bier geworden! Diese raffinierte Zurückhaltung. Dieses elegante Understatement. Das ist Braukunst. Bewegende Braukunst. Ganz einfach.

Fazit: Riesenschritt
Wertung: + + + + + - [t 06/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen


Auer Hell (4,7 %) Schlossbrauerei Au seit 1590 aus Au in Bayern:

Edle Aufmachung des Etiketts. Silber auf weiß, fast wie ein Pils, nur durch das schwarz-rot des Wappens unterbrochen.
Malziger Geruch. Voll und natürlich. Allerdings vernimmt man auch eine Spur Hopfen. Dazu sehr frisch. Schließt man die Augen und atmet den Duft tief ein, meint man in der Brauerei zu stehen. Die Schaumbildung ist gut, obschon der Stand und auch das Volumen sicher besser sein könnten. Farblich ordnet sich dieses Helle etwa in der Mitte zwischen hell- und mittelgelb ein.
Aha. Ein Helles, dass sich nicht nur auf das Malz verlässt sondern auch dem Hopfen Spielraum einräumt. Dieser wirkt holzig und erinnert ein bisschen an Grappa. Das wirkt ungewöhnlich wie elegant. Das Malz wirkt allerdings im Vergleich etwas unterkühlt, wird entweder durch den markanten Hopfen etwas in den Hintergrund gedrängt oder hat nicht genügend Bandbreite, um sich zu behaupten. Wobei man nicht enttäuscht ist. Immerhin kommt dieses Bier aus dem Herzen der Hallertau, die für ihr Hopfenanbaugebiet weltweit bekannt ist. Da ist es klar, dass auch das Helle etwas mehr Aromahopfenanteile mit in die Wiege gelegt wird. Überzeugend ist auch das Wasser, das selten weich ist und jeden Schluck zu einem Labsal werden lässt. Die Kohlensäure hingegen könnte man sich eine Spur weicher vorstellen. Trotzdem harmonieren die Zutaten hier sehr gut, wirken mild und bekömmlich. Ein Helles also, dass weniger vom Malz als vom Hopfen lebt und sehr schlank wirkt. Negativ erwähnt muss der Abgang und die Vollmundigkeit werden. Der Abgang ist zwar sehr rein, transparent und störungsfrei, schafft es aber nicht lange genug und intensiv genug anzuhängen und wirkt leicht ausgedünnt. Die Vollmundigkeit ist insgesamt nicht auf Spitzenniveau und hat zum Schluss hin ihre schwächste Phase. Trotzdem ein sehr süffiges und interessantes Bier, das sich aufgrund seiner raffinierten Hopfennote hervorhebt.

Fazit: Hopfenhelles
Wertung: + + + + - (t 09/05)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gestenmalz, Hallertauer Aromahopfen
PS: Vielen Dank an Eckhardt K. aus Freising, der uns ein üppiges Paket hat zukommen lassen.