Auerhahn Urhahn Helles Alt (4,9 %) seit 1585 aus Schlitz in
Hessen:
Schönes altes Städtchen übrigens. Genannt „Die
drei Burgenstadt“, nach den drei alten Wehrbauten, die Jahrhunderte
lang den Ort beschützten und heute noch in Teilen erhalten sind.
Auf dem Label ist es angedeutet. Das Bier als solches fließt sonor
ins Glas und entwickelt einen beachtlich gut formierten Schaum. Nicht
nur die Flasche samt Etikett sieht edel auch, nein, auch das Bier selbst
macht sich prima. Dazu trägt auch die golden leuchtende, klare,
hell- bis mittelgelbe Farbe bei. Der Geruch jedoch wirft spontan Fragen
auf. Eine Mischung aus recht süßen Elementen sowie einer
schlammig-bitteren Note, die einem Kellerbier oder Zoigl nicht weit
entfernt ist. Das Malz steht zentral, das ist klar, dennoch wirkt der
Duft nicht stimmig oder sonderlich typisch bzw. natürlich.
Der Geschmack kann den Eindruck zwar etwas gerade biegen, schafft es
dennoch nicht, voll zu überzeugen. Wie soll man dieses Aroma beschreiben?
Es ist auf jeden Fall ungewöhnlich. Nicht alltäglich. Das
Malz hat einen spröden bis unreifen, ansonsten dumpf-süßen,
fast aufdringlichen, sicher intensiven Charakter. Dennoch wirkt es irgendwie
schal, ja, unreif, wenig spontan und schwungvoll. Im Mundraum bleibt
ein gewisses belegtes Gefühl zurück, verlässt der Schluck
die Mundarena in Richtung Magenwanne. Zwar kräftig und vollmundig.
Aber gleichzeitig auch eine Spur unnahbar. Da kommt wenig Stimmung auf.
Das Bier scheint nach seiner wahren Bestimmung zu suchen, kann sich
nicht einigen, ihm fehlt der Rote Fade, die Entscheidung. Es fällt
mir schwer in Worte zu kleiden, was dieses Bier ausmacht, bzw. nicht
ausmacht, denn der Eindruck ist sehr ungewöhnlich. Einerseits hat
man das Gefühl, der Uhrhahn gibt sich redlich Mühe, dann wieder
wirkt er schwerfällig, unbeweglich, muffig. Woher das kommen kann?
Muss ich passen. Auf jeden Fall ist dies ein Bier das starr und behäbig
wirkt, wenig Spritzigkeit, Frische und Leichtigkeit entwickelt, dumpf
erscheint, im Geschmack belegt wird, dennoch (!) eine gewisse Klasse
nicht verbirgt. Aber welcher Kundenkreis hiermit angesprochen werden
soll, das bleibt mir dennoch schleierhaft. Wie auch die Bezeichnung:
Helles Alt.
Ein obergäriger Biertyp der Premium-Klasse. Mit frischer feinherber
und angenehmer Würze, nach alter Schlitzer Brautradition.“
Soweit die brauereiinterne Stellungnahme auf dem Äußeren.
Alles weitere bleibt der Eigeninterpretation überlassen. Und die
schwingt sich nicht gerade zu Jubelarien empor. Der Geschmack ist schwer
zu beschreiben und zugleich wenig fesselnd. Dumpf-malzig könnte
es treffen. Das Wasser ist zwar weich und die Kohlensäure fein,
dennoch hält sich die Süffigkeit bedeckt, das das Aroma einen
dumpfen Hall nicht unterkriegen kann. Es ist eigentlich derart gestaltet,
das man es fast verreißen könnte. Aber da wir heute einen
guten Tag haben, tun wir das nicht sondern suchen einfach nach dem Guten
in diesem Bier und bewerten es mit einer gerade noch erreichten 3. Eine
uneingeschränkte Empfehlung kann man aber nicht aussprechen. Wenn
das dort im Nordosten Hessens wirklich gut ankommt, dann haben die einen
eigenen Geschmack, die Schlitzer. Der Inhalt begegnet dem feinen Äußeren
nicht auf Augenhöhe.
Fazit: Schlitzer
Wertung: + + + [t 11/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
PS: Vielen Dank Karsten aus Emmerich für die Zusendung
dieses Bieres.