Autenrieder Dunkles Weizen (5,3 %) seit 1650 aus Ichenhausen in Bayern:
Interessantes Farbmix zwischen Bernstein und Braun. Der Schaum ist zwar sehr feinporig, lässt jedoch in Volumen und Stand etwas Kritik an sich heran. Ja. Und dann der Duft. Der ist wirklich ungewöhnlich. Sehr schwer zu beschreiben. Es hat auf jeden Fall etwas bieruntypisches an sich. Ist mir bisher noch nicht untergekommen. Irgendwie scharf, harzig, wachsig, putzmittelähnlich. Aber auch kellerartiges kommt raus. Komische Sache.
Auch der Geschmack wird dieser sonderbaren Note mitbestimmt. Hier wirkt das aber deutlich angenehmer und harmonischer. Eine leichte Herbe, waldbodenerdig, irgendwie feucht und gemütlich, dazu viel Malz, eine Spur süßer Karamel und ein wenig Röstmalz geben dem Aroma seine Stützpfeiler. Die Hefe kommt spät aber ordentlich. Vor allem im Abgang ist diese am Werke und bestimmt die Geschicke. Eine sehr interessante, fast schon geheimnisvolle Aura umgibt das Aroma. Auf den ersten Blick bzw. Schluck wirkt es im Vergleich zur Summe fast etwas unscheinbar. Erst bei der zweiten und intensiveren Rezession entfaltet sich der ganze Geschmack auf eine sehr behutsame und milde Weise, aber doch auch sehr selbstbewußt, ausgereift und eigen. Vor allem die Schattierungen des Aromas sind sehr feingliedrig und sicher auch nicht leicht zu entblättern. Man muss sich Zeit nehmen und sich mit diesem Bier beschäftigen, um die Feinheiten erfassen zu können. Hat man die Muße dazu, so wird man entdecken, dass in diesem Weizen nicht nur eine Menge Potential sondern auch viel brauhandwerkliches Herzblut, eine lange Tradition und familiäre Hingabe steckt. Wie überhaupt die Autenrieder Biere ausnahmslos ein außergewöhnliches Niveau erreichen. Durch die Bank wird man von überdurchschnittlichen Gebräuen verwöhnt. Angefangen von weichem, samtigen Wasser über eine Kohlensäurephilosophie, die in ihrer Bekömmlichkeit und Grazilität mehr als Trinkerfreundlich bezeichnet werden kann, über Zutaten, die nicht nur hochwertig und wohlausgesucht sondern auch handwerklich perfekt zueinander geführt erscheinen. Es wird eine Harmonie erreicht, die Bewunderung und Zuneigung auslöst. Gleichzeitig birgt jedes Bier einen eigenen Charakter und so viel Ausdruckskraft und Kernigkeit, dass die Abgrenzung zu anderen Gebräuen als vollendet bezeichnet werden kann. Kurzum. Die Autenrieder verstehen es Bier zu brauen. Vielleicht mehr, als die meisten anderen. In jedem Bier steckt eine Seele und so viel Geschmack und Aroma und Ausdruck, dass das Herz springt. Wie auch bei diesem Dunklen, das zwar im Geruch einen klaren Nachteil hat und auch im Geschmack etwas eigen und gewöhnungsbedürftig erscheint, jedoch so viel Facetten aufweist, dass der Trinker spätestens nach dem zweiten Schluck seinen Frieden geschlossen hat und ab da nur noch dem köstlichen Nass frönt. Ein Geschenk der Götter, das Bier.
„Gebraut mit dunklem Braumal, feinem aromatischen bayerischen Doldenhopfen, Wasser und feinster Kellerhefe aus eigener Reinzucht. Gereift in Original Flaschengärung wird unser vollmundiges dunkles Hefe-Weizenbier in klassischer Tradition nach den Autenrieder Qualitätsregeln hergestellt.

Die Brauerei

Sei 1650 brauen wir als private Landbrauerei in Verantwortung für Mensch und Natur. Unsere besondere Brauphilosophie garantiert Biere in höchster Qualität. Wir wirtschaften ökologisch in geschlossenen Kreisläufen, mit eigener Landwirtschaft und eigener Mälzerei. Als eine der wenigen Brauereien Deutschlands ausgezeichnet mit dem „Preis der Besten“ in Gold. Schlossbrauerei Autenried, Familie Feuchtmayr, 89335 Ichenhausen, Tel. 08223/96840.“
Fazit: Flaschengärung mit feiner Hefe
Wertung: + + + + + (t 09/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Zutaten: Brauwasser, Weizen- und dunkles Gerstenmalz, Aromahopfen und Hefe
Im Internet unter: www.autenrieder.de
PS: Tausend Dank an Johann S. von der Aurenrieder Brauerei, der uns die köstlichen Autenrieder Biere zugesendet hat.