Ayinger Winter-Bock (6,7 %) seit ? aus Aying in Bayern:

Was man im Juni nicht so alles im Kühlschrank findet: einen Winterbock. Allerdings findet man sich bei dem bisherigen Frühsommerwinter ja fast schon eher an die kalte Jahreszeit erinnert. Drum passt’s. - - - Selten solch einen dunklen Schaum gesehen. Rotbraun mit rostbraunen Stellen am Rand. Enorm. Auch die Ausbildung. Das ist wuchtig und für einen Bock fast schon untypisch. Die Farbe des Bieres ist sehr dunkel, auf den ersten Blick fast schwarz, später, gegen Licht gehalten, entdeckt man ein entferntes Glimmen in Bordeaux. WAS für ein Geruch. Das ist derartig süß und üppig, man spürt den Aromapflock schon, der einem gleich im Hals steckt …
Boff. Bitter. Und süß zugleich. Man schmeckt diesem Bier auf jeden Fall den Bock an. Mit jedem Schluck. Daneben hat es aber auch etwas Trockenes, erdiges, Stoutähnliches, das nicht so richtig in den Rahmen passen will, zwar prinzipiell interessant, aber dennoch wie ein Fremdkörper wirkt. Nicht wirklich harmonisch, diese Kombination aus erbarmungslos malziger Süße und diesem bitter-trockenen Einfluss. Auch dieses nebenher Laufen, dieses sich nicht wirklich Verbinden, macht aus diesem Bock eine etwas zähe Angelegenheit. Ein Mixtur aus urbayerisch-süßem Bock und einer eher nordischen, englischen Einprägung, die in Richtung Stout geht. Ungewöhnlich, was grundsätzlich zu begrüßen ist, hier aber etwas aus dem Ruder läuft. Man vermisst die Wärme, das Wohlige, das Zurückgelehnte und Tiefe. Dazu hat’s im Abgang noch eine etwas hohle, eckige, metallische, unproduktive und harte Kante. Dabei gibt es durchaus etwas zu entdecken. Dieser mit Lakritz und trocken-erdigen Aromen, auch Waldbeerenfruchtiges blitzt auf, herb-bittere Einfluss. Leider wirkt das nur kurz. Danach nimmt dieses Harte und Ungeordnete das Kommando. Schade. Man hat das Gefühl, hier wäre eigentlich mehr herauszuholen gewesen. Das Ergebnis ist nicht das, was man hätte erreichen können. Vor allem der Abgang enttäuscht. Wirkt u.a. viel zu dünn und lau – für einen Bock.

Fazit: Winter. Sommer. Bock.
Wertung: + + + [t 06/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Im Internet unter: www.ayinger-bier.de