Baisinger Spezial (5,2 %) Baisinger Löwenbrauerei, seit 9 Generationen Brauhandwerk der Familie Teufel seit 1775 aus Rottenburg-Baisingen in Baden-Württemberg:

Also entweder brauen die alle zusammen, haben den gleichen Haus- und Hoflieferanten oder ich täusche mich darin, dass die Biere aus dieser Gegend alle recht ähnlich riechen. Auch hier eine leicht fruchtige, markante, malzige Note. Eher unauffällig. Eine Spur holzige Bittere. Ansonsten handfest malzig. Der Schaum gut, bricht aber keine Rekorde, ist aber auch weit davon entfernt zu enttäuschen – gute Haube. Die Farbe recht hell.
Verblüffend. An was liegt das? Bisher ähneln sich alle vier Sorten stark. Die Grundtendenz ist ordentlich malzig, sehr klar und rein, völlig Störfrei, dazu aber auch eine süß-blumige Färbung. Liegt das an dem Malz, das aus der Gegend kommt und von allen genutzt wird? Ist es der Hopfen?! Auf jeden Fall sehr interessant, wie stark sich die bisher getesteten Sorten ähneln. Und wenn jemand Regionenbezogen Merkmale vergibt, so wird er hier ein gefundenes Fressen finden. - - - Sehr weiches, klares, reines, gutmütiges Wasser. Die Kohlensäure enorm relaxed, könnte fast eine Spur mehr Drive an den Tag legen. Das Aroma malzig, kernig, untermalt von citrusfruchtigen Elementen. Alles sehr bekömmlich und mild, gut abgestimmt, harmonisch, dennoch klar abgewandt vom Durchschnitt oder Massengeschmack. Das Bier wirkt handgemacht, familiär. Alles zeugt von hoher Qualität. Die Zutaten, die Umsetzung, die Basis. Strammes Malz. Hohes, unbeugsames, geradliniges Geschmacksniveau. Kein Knick. Kein Nachgeben. Vielleicht nicht ganz perfekt in der Vollmundigkeit, verglichen mit den anderen aus der Region, dennoch enorm impulsiv und süffig. Und hier auch eine etwas schärferer, bitterer Ton im Kontrast zum Malz, der aber nicht anstrengt oder unpassend wirkt. Nein. Er macht seine Sache prima, um nicht sagen zu wollen: vorzüglich gut und gibt dem Ganzen einen sehr interessanten, maritim wirkenden Gegenpol. Maritim, weil ein Hauch Seetang vorhanden.
„Unter uns ... als die Brüder Teufel von ihren Eltern die Brauerei übernahmen, fragten sich viele Baisinger besorgt: „Was machen die jetzt mit unserem Spezial?“ Aber wie so oft in Baisingen – es passierte nichts! Seit den Gründertagen anno 1775 läßt sich dieser vollmundige Gerstensaft reines Gold blaß aussehen. Warum, zum Teufel, sollte man das auch ändern?“
Gute Worte. Gutes Bier. Feines Wasser. Vielleicht eine Spur mehr Vollmundigkeit, dann wäre es ein ganz großes. So ein enorm süffiges, sympathisches, unkompliziert-anspruchsvolles Spezial, das scheinbar seit jeher anerkannt war und bei der Bevölkerung der Region hohe Anerkennung genießt. Das wohl beste Zeichen.

Fazit: Gute Worte. Gutes Bier.
Wertung: + + + + + [02/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Bauwasser, Gerstenmalz, Hopfen
PS: Vielen Dank an den netten Herren, der mir trotz Mittagspause und gottverlassener Szenerie die Baisinger-Palette organisiert hat und mir zudem zwei sehr originelle Gläser hinterherspendete.