Barre Weizen naturtrüb hell (5,4 %) Privatbrauerei Ernst Barre seit 1842 aus Lübbecke in Nordrhein-Westfalen:


Sehr bananiger Geruch mit Gersteneinflüssen. Man denkt unwillkürlich an Bananenmüsli. Später schleicht sich noch etwas leicht Schwefelartiges ein neben sattmalzigen Komponenten, die eine dichte Süße verbreiten, und einem feinherben Hauch Hopfens sowie etwas Staubig-Hefiges, das man auch mit modrig adjektivisieren könnte. Der Schaum ist sehr gut in Schuss und entwickelt nach dem Einschank eine beachtliche Höhe. Der Stand hingegen ist nicht ganz auf gleichem Niveau. Die Farbe hat leuchtende Orangeschimmer, die das Mittelbraun aufhellen. Man sieht Gold, man sieht Bronze. Man sieht etwas sehr Schönes.
Viel Frucht. Enorm viel Frucht. Die Banane scheint alles erobern zu wollen. Das ist eine ganze hochreife Staude, die einem durch den Rachen will. Sehr dick. Sehr wild. Sehr aromatisch. Die Hefe versucht gegenzusteuern. Bremst ein mit einem sehr kernigen und knorrigen sowie trocken-mehligen Ton, der nicht nur sattelfest sondern vor allem enorm herzhaft ist. Kompliment. Aber auch der Hopfen meldet sich am Schalter und kippt die Sache ab der Mitte etwas zugunsten eines herben, trockenen, leicht lederartigen Tons. Fruchtige Nuancen vereinigen sich mit herzhaften Hefefacetten und treffen schließlich auf tabak- bis lederartige feinbittre Hopfenspuren. Alles sehr markant, fast überbordend, aber nie aufdringlich. Enormer Ausdruck. Enorme Vollmundigkeit. Sich nach unten dehnende Tiefe. Haferflocken. Gerste. Malz. Sehr kornige Momente spürt man. Vielfältig und weit. Dazu ein sehr weiches Wasser, klar, transparent, rein. Die Kohlensäure ist agil, könnte wohl einen Gang zurück schalten. Die Frage nach der Süffigkeit ist schwer zu beantworten. Im ersten Moment ist man geneigt zu sagen: sehr hoch! Aber man übersieht dabei die Intensität des Aromas, und bei entsprechender Konzentration sinkt die Süffigkeit sofort, was absolut kein Nachteil ist, denn das Sinken des Süffigkeitsfaktors bedeutet hier eindeutig Steigerung des Genusses, denn schnell kann man dieses tiefgründige und aromatisch-würzige Bier nicht trinken. Doch, kann man doch, aber man sollte es (eigentlich) nicht. Zimtartige, trockene, staubige Facetten kommen noch hinzu. Nelkenartiges ist nicht wegzudeuten. Die Eindrücke sind in der Tat mannigfaltig. Nicht ganz perfekt jedoch ist die Harmonie der Zutaten. So individuell die Sache wirkt. Die Übergänge sind nicht immer fließend sondern ruckeln an manchen Stellen etwas. Nur als Randerscheinung ist das wahrzunehmen, leicht, aber doch da. Im Vergleich im vorhin getesteten und aus dem urtraditionellen Weizenbierland Bayern kommenden Peschl muss ich dennoch sagen: das Barre ist einen Hauch besser. Was auf keinen Fall das Passauer schmälern sondern nur das Lübbecker ins reichte, gute Licht positionieren soll. Dieses enorm fruchtige. Dieser satte malzige Hauch, der regelrecht kleben bleibt am Gaumen und sich wohliger- bzw. glücklicherweise nicht abschütteln lässt, dazu die fast greifbare mehlige Hefe und der dezente aber jederzeit charmanten wie markante Hopfen. Dazu dieses erfrischend-spritzige und gelungene Säuerliche, die einem die Backen so herrlich strafft und Lust macht auf den nächsten Schluck. Leicht und schlank. Das ist und hat schon was. Vielleicht etwas affektiert an manchen Stellen, aber auf jeden Fall ein Erlebnis.
„Barre Weizen ist ein naturtrübes helles Weizenbier aus der Privatbrauerei Ernst Barre. Sein aromatischer Geschmack macht Barre Weizen zu einem einzigartigen Genuss.“

Fazit: Weizenspot
Wertung: + + + + + - [t 05/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter: www.barre.de