Bayerischer Bahnhof Gose (4,5 %) seit 2000 aus Leipzig in Sachsen:
Die Geschichte der Gose:
Die Bierspezialität Gose stammt – wie der Name schon erahnen
lässt – ursprünglich aus Goslar. Es handelt sich dabei
um ein obergäriges Bier, das dem Zusatz von Kochsalz und Koriander
und einem hohen Anteil an biologischer Milchsäure seinen besonderen
Geschmack und das typische Prickeln verdankt. Es ist ein Bier, das somit
nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht, als Exot aber die Durchsetzung
dieses „Einheitsgebotes“ überlebt hat, während
viele andere Biere in Vergessenheit gerieten.
Gose gehört zu den ältesten Biersorten der Welt. Der Legende
nach soll bereits Kaiser Otto III. im Jahr 996 die Gose gelobt haben.
Die derzeit älteste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1332, genau
vom 27. März. Damals verpflichtete sich das Kloster Ilsenburg,
seinen Gönnern, den Grafen zu Wernigerode, u.a. Gose „oder
ein anderes gutes Bier“ zu liefern. Daraus lässt sich schließen,
dass die Gose bereits im 14. Jahrhundert vielen Menschen schmeckte und
ein Goslarer „Exportschlager“ war. So bezog die Stadt Hamburg
zwischen 1350 und 1400 regelmäßig Gose aus Goslar. An seinem
Ursprungsort selbst wurde das Bier jedoch erst im Jahr 1470 erwähnt.
Weil die Gose so gut schmeckte, fanden sich schnell Nachahmer, die die
Goslarer Spezialität ebenfalls brauten. Das Bier ging auf Wanderschaft
gen Osten. Die historischen Forschungen stehen hier erst am Anfang,
doch in einigen Städten konnte das Gosebrauen bereits zuverlässig
nachgewiesen werden, so in Blankenburg/Harz, in Quedlinburg, in Halberstadt.
Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war die ganze Harzregion vom „Gosefieber“
erfasst. Der Dreißigjährige Krieg machte dieser Blütezeit
jedoch ein Ende.
Die Gose verschwand deshalb noch lange nicht. Nach den Wirren des 17.
Jahrhunderts verlegte sich ihr Schwerpunkt nach Anhalt. Die anhaltischen
Fürstenhäuser in Dessau und Köthen erkannten, dass mit
dem Brauen von Gose gutes Geld zu verdienen ist. So entstanden in Glauzig,
Sandersleben und Wiendorf Gosebrauereien, die bald die ganze Gegend
mit dem begehrten Bier versorgten. Nach der Legende tat sich vor allem
der als „Alter Dessauer“ bekannte Fürst Leopold I.
von Anhalt-Dessau als Förderer der Gose hervor, er soll es auch
gewesen sein, der im Jahr 1738 die Gose nach Leipzig brachte. Ob es
wirklich so gewesen ist, kann nicht mehr ermittelt werden.
In Leipzig traf die Gose auf besondere Begeisterung. Daran konnte auch
die napoleonische Zeit nichts ändern, als hohe Zölle und die
Unwägbarkeiten des Transports die anhaltischen Gosebrauereien ruinierten.
Schon kurze Zeit später eröffnete in Döllnitz bei Halle
eine neue Gosebrauerei ihre Pforten, deren Gebräu reißenden
Absatz fand. Auch in Leipzig selbst stieg mancher Brauereibesitzer auf
das obergärige Bier um. Um 1900 war die Gose das meistgetrunkene
Bier der Messestadt und Gegenstand unzähliger Feste, Gedichte,
Lieder und Histörchen. Leipzig warb als „Gosestadt“
um Besucher, und das in einer Zeit, als andernorts – ob Dessau,
Nordhausen oder Bernburg – das Brauen von Gose wieder eingeschlafen
war. Selbst in der Geburtstadt Goslar geriet die Bierspezialität
in Vergessenheit.
Das 20. Jahrhundert mit seinen Kriegen, Krisen und Diktaturen machte
der Leipziger Gose fast den Garaus. Erst kamen die Bombenschäden
des zweiten Weltkriegs, dann die schwere Nachkriegszeit, dann die Mangelwirtschaft
der DDR. Manchem schmeckte die alte Gose nicht mehr, der ständige
Mangel an Kapazitäten tat ein Übriges, auch fehlte es am Interesse
für den Bierexoten. Ende der 50er Jahre wurde die Gose zum letzten
Mal ausgeschänkt. Doch die Leipziger vergaßen ihr „Nationalgetränk“
nicht. Noch vor der Wende – im Jahre 1985 – ließ Lothar
Goldhahn die Gose wieder aufleben, und seit der Wende erlebt sie eine
Renaissance in der Messestadt. Nicht zuletzt durch die Eröffnung
der Gasthaus & Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof im Jahr 2000.
Die Geschichte der Gose ist eng mit der Geschichte der Region Mitteldeutschland
verknüpft, mit ihren Höhen und Tiefen. Sie schlägt eine
Brücke von West nach Ost und zwischen vier Bundesländern.
Bei der Erforschung stehen wir erst am Anfang. Alle Neuigkeiten sind
von Zeit zu Zeit auf dieser Seite zu erfahren.
In Leipzig wird das obergärige Bier pur serviert oder als „Regenschirm“
(mit Kümmel, „Sonnenschirm“ (mit Sirup) oder als „Frauenfreundlicher“
(mit Kirschlikör). Auf jeden Fall kann man heute wie früher
sagen: „Wer in Leipzig keine Gose getrunken hat, war nicht in
Leipzig.“
Das Bier sieht erst einmal aus, wie ein ganz normales Weizen. Sehr feinporiger
und voluminöser Schaum, herrlich anzusehen. Die Farbe ist naturtrüb,
kupfern, maisgelb. Der Geruch hat eine leichte süße Fruchtigkeit.
Auch eine Salzigkeit ist zu erkennen. Spuren von Hefe sind zu finden.
Ebenso eine Malzigkeit. Dazu noch eine herbfrische Würzigkeit,
die wohl vom Koriander stammt.
Holdrio. Was ist das? Hochinteressant. Hochungewöhnlich. Zuerst
erinnert es an ein Belgisches Bier. Diese spritzige Fruchtigkeit, dieses
exotisch Lebendige. Dafür sorgt der Koriander. Dazu gesellt sich
aber noch eine bittere uns salzige Note. Das verursacht im ersten Moment
in den ersten Augenblicken eine etwas ungläubige Haltung des Trinkers.
Vor allem das Salzige ist extrem ungewöhnlich. Schwer zu beschreiben
die Sache. Ein sehr erfrischender Geschmack, spritzig und fruchtig.
Es findet sich viel Zitrone Das Wasser ist enorm weich. Die Kohlensäure
perlt dezent übers Mundgemächt. Und im Hintergrund werkelt
ein Hauch, der an Minze erinnert, ätherisch wirkt, wie Japanöl.
Das erhöht den Frischefaktor natürlich nochmals. Trotz aller
Exotik bleibt ein ordentlicher Teil des Geschmacks in klassischer Form
dem Bier verhaftet. Das Malz und auch der Weizen operieren im hinteren
Bereich mehr als ordentlich. Trotzdem bleibt natürlich ein zwiespältiger
Eindruck. Und ich bin mir sicher, dass Biertrinker, die keine Erfahrung
mit ähnlichen Typen haben, hier evtl. erst einmal ihre Probleme
haben werden. Die Sache ist schon extrem gewöhnungsbedürftig.
Mit der Zeit spielt sich die Sache aber ein. Dennoch. Man muss schon
recht abgebrüht sein, um hier nicht das Gesicht zu verziehen. Aber!
Bei jedem Schluck hat man das eindeutige Gefühl, etwas sehr frisches
und natürliches zu trinken. Die Zutaten wirken sehr hochwertig.
Gleichwohl. Salz im Bier … das ist schon der Hammer. Eine vernünftige
Wertung abzugeben, traue ich mir in diesem Fall nicht zu. Wer aber mal
in der alten Handelsstadt Leipzig ist, der soll auf jeden Fall den Weg
in den Bayerischen Bahnhof nicht scheuen, übrigens der älteste
erhaltene und aktive Kopfbahnhof der Welt (erbaut 1842), denn es gibt
auch noch andere, „normale“ Sorten. Auf jeden Fall schön,
dass jemand den Mut und Enthusiasmus hatte, solch eine Legende wieder
aufzulegen.
Fazit: Das standesgemäße Getränk zum
Amusement
Wertung: n.m. [t 11/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: NEIN
Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe,
Koriander, Salz
Im Internet: www.gose.de
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