Becher Bräu Dunkel Bier (4,7 %) seit 1781 aus Bayreuth
in Bayern:
Die älteste Brauereigaststätte Bayreuths füllt in ihre
Flaschen ein dunkelbraunes, mahagonifarbenes und doch klares Gebräu.
Der Schaum ist vorzüglich ausstaffiert. Cremig, sahing, feinste
Poren. Hehrer Stand. Opulentes Volumen. Man möchte sich hineinlegen.
Der Geruch ist malzig, karamellartig, die Bühne steht vorne, etwas
Gemüseartiges ist zu entdecken, das Röstige versteckt sich
nicht. Weiter hinten noch ein erdiger Eindruck. Etwas Mokka, leicht
trocken, pulverig, ist ebenfalls mit von der Partie.
Interessant. Der Duft findet sich in seinen Eigenschaften und Eindrücken
identisch im Geschmack wider. Das Gemüseartige findet sich, eine
Kombination aus Bohnen und Möhren, auch das Röstmalzige ist
erkennbar, was wenig wundert, die Spur Mokka kommt gut zur Entfaltung,
die Süße des Karamells ist nicht fern. Aber auch eine etwas
säuerliche, treberartige, leicht dumpfe, mit einer Spur Apfel untermalte
Note, die nicht ganz harmonisch, ausgereift bzw. ausgewogen erscheint.
Aber interessant. Das Aroma ist überhaupt sehr typisch und man
erkennt den Ursprung in einer Hausbrauerei fraglos. Interessant, dass
keinerlei Infos über die Inhaltsstoffe auf dem Label vorhanden
sind. Vielleicht ist ja die Rückenetikette verloren gegangen. Jedenfalls
lässt sich so nicht klären, ob die vermutete Hefe mit im Spiel
ist, oder nicht. Auf jeden Fall schmeckt dieses Bier für seine
4,7 Umdrehungen sehr würzig und enorm vollmundig. Der Geschmack
wirkt naturbelassen und hausbrauereitypisch. Zwar ist die Umsetzung
sicher nicht makellos, die Ordnung der Zutaten, die Zusammenhänge
… sicher nicht perfekt. Aber das hat auch seinen Charme. Ein Bier
mit Charakter und Esprit, das vor allem durch seine kräftige Animation
in Form von süßen, schweren Malzaromen sowie trockeneren,
erdigeren Eindrücken in Form vom Mokka, Kaffee, Bitterschokolade
und der fruchtigen Einsprenkelung in Form von geriebenem Apfel gefällt.
Trotz der anfangs zu bewundernden Wuchtigkeit, ist die Vollmundigkeit
über die volle Distanz nicht perfekt, vor allem zum Abgang hin
könnte etwas mehr Substanz vorhanden sein. Dafür ist das Wasser
sehr weich, die Süffigkeit hoch und die Kohlensäure sanft.
DER Geschmack ist nichts für Fernsehbiergewohnte, sondern eher
etwas für rustikale Bierseelen. Herrlich urig, würzig, typisch
und eigen. Ein feiner Hauch Tabak gibt dem Ganzen Exotik. Man spürt,
dass hier keine seelenlosen Gewinnmaximierer am Werk waren sondern Menschen,
denen Historie und Braukunst noch etwas bedeuten. Straff. Phantasievoll.
Ungebremst. Einzig diese für mich etwas zu akzentuierte Gemüsenote
nagt am Gesamtbild. Aber das mag sicher GESCHMACK sein. Und über
den lässt sich bekanntlich ja streiten. Aber nicht über die
Tatsache, dass mit dem Becher Bräu Dunkel ein sehr gehaltvolles,
gutes, schmackhaftes und vor allem bodenständiges Dunkles vorliegt.
Das möchte man gerne mal frisch vom Fass vor Ort im Krug haben,
und man beneidet ein bisschen die Gesellen und Gesellinnen, die bereits
in den Genuss dieses Ereignisses gekommen sind.
Fazit: Unstreitbar
Wertung: + + + + * [t
11/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot: sicher JA
Inhaltsstoffe: k.A.
PS: Ungezählte Male erreichte unser Dank Daniel
M. aus Hof für seine treue Bierbeschaffung. So auch heute eine
herzliche Anerkennung für seine Unterstützung und Dienste.