Berg Bräumeister Pils (4,8 %) seit 1466 aus Ehingen-Berg in Baden-Württemberg:

Vergleichstest mit dem Farny Premium Pils aus Kisslegg in Bayern.
Sehr hopfiger Geruch schon beim Einschank aus der Distanz. Die Schaumbildung sehr fein und voluminös. Eine Spur gelungener als beim Farny. Vorwärts drängender, impulsiver, wilder Geruch mit viel Lebendigkeit und Ausstrahlung. Der Hopfen wirkt grasiger, grüner, frischer, aussagekräftiger. Beide sind aber von sehr guter Qualität. Farblich hat das Berg einen Spur mehr Dunkelheit im Gelb.
Wo das Farny Milde und Bekömmlichkeit bietet, fährt das Berg Frische, Spritzigkeit und Facettenreichtum des Hopfens auf. Dieser wirkt wie schon im Geruch grasiger, grüner, vielleicht auch frischer, auf jeden Fall jünger und wilder, ungeordneter, ungestümer, vorwärts drängender. Sehr frisch. Sehr spritzig. Sehr lebendig und spielfreudig mit einer großen Ausstrahlung, die aber im Bereich Harmonie und Milde etwas zurücksteht. Das Wasser dürfte in etwas gleich weich (bei beiden enorm weich!) sein. Die Kohlensäure hier ist etwas aufdringlicher. Hinzu kommt im Abgang ein Ton, der recht trocken wirkt. Alles in allem bringt das Berg-Pils zwar mehr Leben in die Bude, hat zahlreichere Facetten bieten, baut mehr Spannung auf, wirkt kurzweiliger – dafür aber auch etwas unruhiger und nicht so sanft und in sich geschlossen. Das mag jetzt je nach Vorliebe im Vergleich besser oder schlechter ankommen. Für mich ist das Farny einen Hauch ausgereifter und glatter in der Anmutung. Die Linien sind fließender, die Form harmonischer. Dennoch kann man mit dem Farny nichts falsch machen. Keinesfalls. Das ist ein überraschend hopfiges Pils, das, obschon aus dem Süden stammend, eine ordentliche Portion Hopfen im Repertoire hat, viel Engagement an den Tag legt und geschmacklich intensiv ist, eine Spur weniger Malz im Sortiment führt, im Abgang trockener ist, ohne anzuecken. - - - Schwierig. Je länger ich an diesen beiden ausgesprochen guten Biere herumsuckel, um so unsicherer werde ich. Zu Beginn wäre das Farny mein Favorit gewesen. Das verliert aber mit der Zeit etwas an Attraktivität aufgrund des zurückhaltenderen, gedämpfteren Aromas. Das Berg wiederum hat am Anfang etwas zu viel Übermut im Spiel, hat dann aber den längeren Atem. Tja. Also. Geschmacklich ist das Berg reicher und vielfältiger. Das Farny ist das ausgewogenere, mildere, bekömmlichere, bietet aber nicht die gleiche Aromavielfalt. So. Wat nun? In der ersten Hälfte war Farny mein Favorit. Jetzt, zum Ende hin, gewinnt das Berg mein Herz. Eines ist klar. Ob Berg ob Farny, beides Pilsbiere sind eine Sünde wert.
„U.Z.B. Ulrich Zimmermann Berg – so kennzeichnete bereits mein Großvater, Braumeister Zimmermann, in den 20er Jahren. In unserer Familie sind wir Bierbrauer in der 9. Generation. Daraus ist ein reicher Erfahrungsschatz gewachsen. Die Komposition von 3 ausgesuchten Edelhopfen geben dem Bräumeister Pils einen unvergleichlichen Charakter. Eine der Hopfensorten kommt aus dem Tettnanger Hopfengarten. Wir komponieren daraus ein schmeckbar anderes Pils. Dafür stehe ich mit meinem Namen.“
Leider waren in der Flasche nur 0,33 Liter und bei einem Vergleichstest kommt man vor lauter Konzentration eigentlich (bei dieser Meng) gar nicht so richtig dazu, das Bier zu genießen … wie gesagt, am Ende wäre das Berg mein Favorit gewesen. Wobei das Farny sich auf jeden Fall nicht weit weg bewegt. Beides mehr als empfehlenswerte Biere.

Fazit: U.Z.B.
Wertung: + + + + +* [t 11/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz aus integriertem kontrolliertem Anbau, Hopfen
Im Internet: www.bergbier.de
PS: Vielen Dank an die Verantwortlichen der Berg-Brauerei Ulrich Zimmermann für die Zusendung des ganzen Produktportfolios