Berg Schäfleshimmel (5,6 %) seit ? aus Ehingen-Berg in
Baden-Württemberg:
Immer wieder beeindruckend diese 0,33er Bügelverschlussflaschen.
Was für ein Aufwand. Der Schaum kommt ziemlich reingesprudelt und
aufgezischt ins Glas und braucht eine Weile, bis er seine Poren auf
Normalgröße zusammengeschrumpft hat. Danach sieht das gut
aus, wenn auch das Volumen deutlicher sein könnte. Der Geruch ist
zum einen Citrusfruchtig, zum anderen erinnert er an reife Lageräpfel.
Auch ein blumiger Geranienduft ist dabei. Interessant. Die Farbe ist
mittelgelb.
Interessanter Antrank. Viele Facetten und Gegensätze. Da wären:
eine holzige, straffe, laubartige Bittere. Eine hefige, leicht säuerliche
Anmutung. Etwas Fruchtiges, Zitruartiges, angereichert mit Orangenschale.
Dann noch eine zwar zurückhaltende aber dennoch spürbare satte
Malzigkeit. Der Geschmack ist geprägt durch ein hohes Maß
an Ursprünglichkeit und Naturnähe. Die Zutaten wirken zwar
nicht übermäßig harmonisch und mild, dafür haben
sie einen enorm frischen und spritzigen, unverfälschten Ausdruck
und versuchen mit aller Macht den anderen zu übertrumpfen. Hier
ist viel Engagement und Spielfreude vorhanden. Das Bier wird definitiv
niemals langweilig. Vielmehr könnte man durchaus den Eindruck bekommen,
hier handelt es sich um ein Bier aus einer Hausbrauerei, frisch hergestellt,
frisch gezapft, frisch auf den Tisch. Die naturtrübe Farbe unterstreicht
dieses Empfinden noch. Dazu dieses wilde, ungeordnete und lausbubenhaft-ungestüme
Auftreten. Richtig gut. Sicher. Ein wenig mehr Harmonie könnte
man sich vorstellen. Zumal auf dem Etikett von Schäfchen und Himmel
die Sprache ist. Andererseits würde genau das diesem Bier seinen
ursprünglichen Charakter nehmen. Ein erstaunlich unangepasstes
und individuelles Bier, das mit seiner anfänglichen Bitterkeit
vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber spätestens
nach dem zweiten Schluck eröffnet sich das breite Aromaspektrum,
das gegensätzlicher und abwechslungsreicher nicht sein könnte.
Hopfen, Malz und Hefe holen alles raus, was drin ist. Das geht zwar
ein bisschen auf Kosten der Milde. Das nimmt man aber gerne in Kauf,
erhält man mit diesem Bier einen außergewöhnlich urigen
und kernigen Trank.
„Das Gerstenmalz stammt von hier und ist wie der Hopfen aus
ökologischem Anbau. Naturbelassen, unfiltriert reift das Schäfleshimmel
als untergärige Flaschengärung in unseren Reifekammern. Die
Besonderheit der untergärigen Flaschengärung lassen eine Bierspezialität
reifen, die es so kein zweites Mal gibt. Genießen Sie es!“
Leicht welkes Laub. Reife Äpfel. Orangenaromen. Etwas fast obstlerartig
Scharfes, das für einen Moment aufkeimt. Leichte Zitrone. Satte,
reife Hefe. Säuerliche Frische. Hier wird was geboten. Vielleicht
etwas zu anspruchsvoll. Aber mit der nötigen Zeit und Hingabe wird
das zu einem Fest.
Fazit: Herbstbier
Wertung: + + + + +* [t
10/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Zutaten: Wasser, Gerste und Hopfen aus ökologischem
Anbau, Hefe
Im Internet:
www.bergbier.de
PS: Vielen Dank an die Verantwortlichen der Berg-Brauerei
Ulrich Zimmermann für die Zusendung des ganzen Produktportfolios.