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| Bergbräu Doppelbock (6,5%) seit 1868 aus Uslar
in Niedersachsen: Kapitaler Schaum. Der ist schon einmal ein großes
Kompliment wert. Die Farbe ist heller als beim Maibock, was verblüfft.
Der Geruch ist stark, fast aggressiv. Der Geschmack ist dafür weit
milder, hat einen grandiosen Malzton als Grundlage, der enorm wuchtig ist.
Man hat das Gefühl einen steilen Berg aus Karamel zu erklimmen. Das
Wasser ist sehr weich, die Kohlensäure ein sanftes Bett. Das Aroma
ist ausgeglichen und entspannt, überzieht nicht, trotz hoher Schlagzahl
sondern hält den Ball flach und zieht sein Kraft eher aus der Ruhe
und der Tiefe. Es hat etwas gemütliches und uriges und man kann sich
beim Trinken gut vorstellen, in einer alten Dorfschänke bei einem Krug
Doppelbock zu sitzen und den Geschichten der alten Bergleute zuzuhören,
die einst die Hügel ringsum durchgraben haben. Sehr malzig, rund und
glatt. Nur im Nachgeschmack entsteht eine Note, die etwas beißend
und scharf ist. Kein Wunde bei 6,5 Volt. Andererseits gibt es andere Beispiele,
die auf diesem Niveau noch mit Samtpfoten agieren. Trotzdem ist dieser Bock
einer der akzeptablen, bietet er mit seinem satten, ausgewogenen Geschmack
guten Genuß. Und den Partner aus gleichem Stall läßt er
klar hinter sich. Man wünscht sich zwar dieses Beißende weg und
vielleicht auch etwas mehr Abwechslung oder auch mehr Harmonie. Aber daran
ist nichts zu ändern. Drum geben wir uns mit dem zufrieden, was uns
der Braumeister gab. „Die letzten Herbstsonnenstrahlen nimmt er
noch mit, vor seiner langen und eiskalten Reifung im Lagerkeller, um in
der frostigen Jahreszeit den Bierliebhaber mit seiner Krft zu erwärmen.
Die wohlausgewogene Malzmischung quelfrisches Sollingwasser und die Ruhe
machen unseren Doppelbock zu einem Erlebnis, nicht nur an einem langen,
dunklen Winterabend.“ Das einzige Problem ist, dass dieses Bier
doch etwas völlt und man bereits nach dem zweiten Glas den Eindruck
hat, eine halbe fette Ganz mit zwölf Knödeln verdrückt zu
haben. Fazit: Völlt Wertung: + + + + (t 03/03) |