Berounsky Medved Klepacek Dunkel (14°) 1,5-Liter-Flasche,
Familienbrauerei seit 1998 aus Beroun in Tschechien:
Dieses ungefilterte Bier aus einer Hausbrauerei in Beroun, auf dem Weg
nach Prag direkt an der Autobahn, produziert ihr Bier familiär
und ungefiltert. Ganz in der Tschechischen Tradition geben die Brauer
den Stärkegrad mit dem Stammwürzgehalt an, hier 14°, was
einem durchaus kräftigem Bier entspricht.
Überraschend klares, dunkles Haselnussbraun. Darüber eine
wirklich gelungene, sahnige Schaumkrone in zartem Beige. Der Geruch
ist süß, malzig, geradlinig, ein wenig röstmalzig, unverspielt,
intensiv. Eine leicht tannige Note des Hopfens ist erkennbar. Ein Wink
Mokka veredelt sich in einer schokoladigen Note, die Kakaobohnen in
sich führt. Versteckt noch ein Apfelmostartiger Hauch. Sehr vielschichtig
und kraftvoll.
Voller, schwerer, reichhaltiger Antrank. Fruchtige Aromen, das Apfelmostige
teilt sich die Vorstellung mit schwarzbeerenfruchtigen Elementen, wechseln
sich mit einer sehr interessanten und milden Mokkanote ab. Eine rauchige
Nuance harmoniert vortrefflich mit der öligen Röstmalznote.
Ein süßer, zuckriger Strang zieht sich vollmundig durchs
ganze Aroma, dabei sehr ausgewogen und mild. Die Vollmundigkeit ist
sehr hoch. Der Geschmack ist unheimlich tief und mastig, dabei aber
nicht völlend, sondern in seiner Schwere elegant. Die Kakaobohnen
und die Schokolade entfachen ein wahres Feuerwerk an kernigen Eindrücken.
Die Gerste ist ruhig und weit. Die Süße wird eingefangen
von der tannigen Feinbitterkeit des Hopfens. Ein unheimlich ruhiges,
rundes und süffiges Bier voller Bekömmlichkeit. Jeder Schluck
ist samtig und weich. Das Aroma hat trotz aller Opulenz etwas Elegantes,
wirkt schlank und raffiniert. Ausgewogen ziehen die kraftvollen Geschmackslinien
gleichmäßig ihre Bahn und streicheln bei jeder Woge sanft
den Gaumen. Das Wasser ist eine Wonne. Die Kohlensäure könnte
bei gelungener Rezenz nicht sanfter sein. Jeder Schluck vergeht im Nu.
Die Völle des Aromas ist eklatant. Das Geschmackspotential ist
enorm. Schokolade. Mokka. Röstmalz. Fruchtiges dazu. Ein Schimmer
kerniger Hefe rundet das Aroma ab. Das Rauchige gibt dem Ganzen die
spezielle Note. Fertig ist ein wahnsinnig gutes Bier ohne jede Starallüren.
Etwas Haferflockanartiges, Korniges kann man noch erkennen, in der Hefe
verborgen eine warme, leichte Säure. So mild wie bekömmlich
und kraftvoll zugleich. Ein Schmeichler, der seine brachiale Aromapotenz
in Watte packt. Man merkt zu Beginn gar nicht, in welche Falle man tappt.
Der Süffigkeitsfaktor ist rekordverdächtig. Jeder Schluck
gleitet wie geölt ab. Man versieht sich nicht schnell genug, und
das Glas ist leer, bittet um Widerbefüllung, man folgt, schenkt
nach, setzt an … und das Ganze wiederholt sich. Wenn aber der
erste Liter binnen kürzester Zeit abgelassen ist, dann spürt
man die Kraft plötzlich, die in diesem Gebräu steckt. Ups.
Also. Gut gemeinter Tipp: dieses Dunkle langsam genießen, auch
wenn es unbarmherzig gut schmeckt. Frei nach dem Motto: langsamer trinken,
länger freuen. Das Zuckrige, man, ist das gut, geht eine etwas
ungleiche Symbiose mit einer Nuance Bourbonvanille ein. Die kauert etwas
im Verborgenen, hat aber richtig viel Spannkraft. Einzig das etwas abschwächelnde
Finish, hier ist das Aroma nicht mehr ganz so dynamisch und potent,
verhindert die 6. Aber das auch nur um Haaresbreite, denn eigentlich
gehörte diesem Schwarzen die Höchstnote, so gut, so natürlich,
so rein und hausbrauereitypisch es schmeckt. Man merkt sofort, beim
aller ersten Schluck, dass hier eine familiäre, dörfliche
Produktionsstruktur mit Herz vorherrscht, und keine schnöden Weltmarkteroberungsgedanken.
Es lebe das für den kleinen Kreis gebraute Bier. Klasse, dass es
noch Braustätten gibt, in denen die gute, alte Böhmische Braukunst
noch bewahrt und gepflegt wird.
Aufruf: Auf der Autobahn nach Prag, ca. 20 KM davor, liegt Beroun. Es
sind nur wenige Hundert Meter zu fahren, man sieht es letztendlich von
der Strecke. Wer richtig gutes Böhmisches Bier trinken will, der
fahre ab und kehre ein. die Straße heißt „Tyrsova“.
Man fährt von der Autobahn ab, biegt rechts ab und folgt dann in
Richtung Bahnhof. Das Navi wird führen. Es ist wirklich ein Katzensprung.
Die Überraschung wird garantiert groß sein, denn was Hana
Mayerová hier einbraut, ist genial. Genial und diskussionsbedürftig
zugleich sind die Behältnisse, in denen das Bier verkauft wird:
in 1,5-Liter-Plastikflaschen. Das garantiert minimale Pfandbeträge,
wirkt aber nicht wirklich anmutig oder traditionell. Aber. Man kann
natürlich das Bier auch frisch vom Fass vor Ort genießen.
Und das ist dann noch mal eine ganz andere Geschichte …
Fazit: Großer Schmeichler
Wertung: + + + + + -*
[05/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot:
k.A.
Zutaten: k.A.
Im Internet unter:
www.berounskymedved.com