Berounsky Medved Tmavy Special Dunkel (13°) 1,5-Liter-Flasche,
Familienbrauerei seit 1998 aus Beroun in Tschechien:
Dieses ungefilterte Bier aus einer Hausbrauerei in Beroun, auf dem Weg
nach Prag direkt an der Autobahn, produziert ihr Bier familiär
und ungefiltert. Ganz in der Tschechischen Tradition geben die Brauer
den Stärkegrad mit dem Stammwürzgehalt an, hier 13°, was
einem mittelstarken Bier entspricht.
Diesmal ist der Berouner Bär ein Schwarzer. Der Schaum macht eine
bessere Figur, als der beim Hellen. Feinporiges, helles Beige. Darunter
relativ klares Dunkelbraun, Haselnuss-Mahagoni. Schwarzbeerenfruchtiger,
lakritzartiger, bitterschokoladiger Geruch mit Spuren von Haferflocken-Hefe,
mehr Röstmalz und etwas Kaffe. Variantenreich, dabei aber eher
schlank.
Mokkaaromen eröffnen den Antrank im Verbund mit leicht ölig-schinkigem
Röstmalz und Bitterschokoladenoten. Eine leicht salzige Nuance
scheint sich noch einzuschleichen. Sehr intensive Sache, vor allem der
Antrank birst regelrecht vor Aroma. Das Finish ist dann etwas dünner,
glatter, flüssiger, vielleicht in der Gesamtsicht etwas lau. Eine
in Ansätzen süße Hefenote baut sich mittig auf, verfliegt
aber recht rasch. Das Fruchtige baut auf Schwarze Johannisbeeren und
Brombeeren. Die Lakritznote ist spürbar, hat eine leicht öligen,
schwach saure Ausrichtung. Der Geschmack ist generell recht herb ausgelegt
und durchaus trocken, wenn auch geschmeidigere Momente in Form von öligen
Nuancen auftreten. Ein Bier mit einem eher strengen Charakter, nicht
so flüssig und süffig, wie das Helle, anspruchsvoller, mathematischer,
nichts so schlank und leichtläufig. Das hat Vor- und Nachteile.
Der Vorteil liegt in der größeren Intensität des Aromas
und der Komplexität der Geschmacksschichten. Da gibt es einiges
zu entdecken. Nachteilig wirkt sich das etwas unnahbarere Auftreten
aus. Hier ist man nicht sofort Freund mit dem Bier, es fordert mehr
Respekt. Zurecht. Denn der Geschmack ist anspruchsvoll, hintersinnig,
verwinkelt. Mokka. Bitterschokolade. Lakritz. Schwarzbeerfrüchte.
Eine Hefe, die süße, wie saure Momente hat. Trocken-Öliges
Röstmalz. Kornige Haferflockenintentionen. Eine feine, elegante
Säure. Herzhaft-würzige Spannungsbögen. Die zutaten natürlich
und gut aufeinander abgestimmt. Sie behalten ihre Eigenheiten, individuellen
Prägungen und versammeln sich am Ende doch in Einheit und Verbundenheit.
Das Wasser ist cremig, die Kohlensäure zart. Der Geschmackskörper
hat vor allem in den ersten beiden Dritteln unheimlich viel Potential.
Zum Schluss hin wird es glatter, gediegener. Ein edel anmutendes Bier
mit feinen, anspruchsvollen Schattierungen, einem sehr natürlichen,
hausbrauereitypischen Auftreten und einer beachtlichem Geschmackspotential.
Es erreicht nicht ganz die Leichtigkeit des Hellen. Hat dafür die
interessanteren inneren Werte. Spannendes Bier. Hervorragend ausgestattet
mit familiärem, ländlichem Charakter. Vor allem die Mokkaimpressionen
und der Bitterschokoladehauch. Alles sehr kompakt und scharf umrissen.
Stramme Sache. Da können die wirklich stolz drauf sein.
Aufruf: Auf der Autobahn nach Prag, ca. 20 KM davor, liegt Beroun. Es
sind nur wenige Hundert Meter zu fahren, man sieht es letztendlich von
der Strecke. Wer richtig gutes Böhmisches Bier trinken will, der
fahre ab und kehre ein. die Straße heißt „Tyrsova“.
Man fährt von der Autobahn ab, biegt rechts ab und folgt dann in
Richtung Bahnhof. Das Navi wird führen. Die Überraschung wird
garantiert groß sein, denn was Hana Mayerová hier einbraut,
ist genial. Genial und diskussionsbedürftig zugleich sind die Behältnisse,
in denen das Bier verkauft wird: in 1,5-Liter-Plastikflaschen. Das garantiert
minimale Pfandbeträge, wirkt aber nicht wirklich anmutig oder traditionell.
Aber. Man kann natürlich das Bier auch frisch vom Fass vor Ort
genießen. Und das ist dann noch mal eine ganz andere Geschichte
…
Fazit: Die inneren Werte
Wertung: + + + + + - [05/10]
Trubin
Gebraut nach dem Reinheitsgebot:
k.A.
Zutaten: k.A.
Im Internet unter:
www.berounskymedved.com