Büchenbacher Vollbier (4,6 %) Brauerei Herold seit ? aus
Büchenbach in Bayern:
Das ist ein uriges Etikett. So bunt und grell und voll bepackt. Das
macht sich sehr sympathisch. Der Geruch ist von enormer Bandbreite.
Da wäre zuerst einmal etwas, das an Backpulver erinnert, auch Vanille
sowie Honig. Allerdings auch etwas knarzig-holziges, leicht angenehm
scharfes, röstmalziges. Dazu noch das obligatorische Malz sowie
ein leicht trockener Ton, der wohl dem Hopfen zuzuordnen ist. Der Schaum
ist sehr fein, cremig, das Volumen nicht perfekt, der Stand mehr als
ordentlich. Die Farbe ist ein Mix aus Bernstein und hellem Braun, sehr
heimelig.
Jawoll. Ist das süffig ... grandiose Malzperformance. Herrlich
weiches, mildes, würziges Bier, versehen mit lieblichstem Wasser
und einer Kohlensäure, die samtiger kaum sein könnte. Ein
leicht bitterer, harziger Ton gibt der Sache eine willkommen Würze.
Das Malz wirkt äußerst frisch und geradlinig, macht keine
großen Umwege sondern kommt gleich zur Sache. Alles arbeitet sehr
abgestimmt und harmonisch, dazu handwerklich familiär umgesetzt,
will sagen, es erinnert deutlich mehr an ein Bier aus einer kleinen
Brauerei als an eines aus einer Stätte, die sich nach dem Massengeschmack
richtet. Nein. Auf keinen Fall. Hier ist Individualismus und Tradition
angesagt. Lecker. Einzig die Vollmundigkeit ist nicht perfekt, ein bisschen
mehr Tiefe könnte man sich vorstellen. Dafür ist dieser Trank
sehr flüssig und schlank, läuft ab wie Hechtsuppe und wirkt
in seiner Leichtigkeit und Frische dermaßen anregend, dass man
gar nicht mehr aufhören kann zu nippen. Sehr schlüssige Sache.
Vom Antrank über den Mittelteil bis in den Abgang eine Einheit.
Im Finish kommt eine feinbittere, leicht harzige Note hinzu, die lange
anhält und die Zunge schnalzen lässt. Der Antrank ist süßer,
leicht honiggefärbt, eine Spur Vanille, ein Hauch Karamel, alles
sehr dezent und unaufdringlich, zurückhaltend. Man fühlt sich
nie überfordert und angestrengt und ich kann mir absolut vorstellen,
dass beim Gast selbst nach einigen Halben noch allergrößte
Trinkbereitschaft herrscht. Das lässt sich wirklich gut an. Unheimlich
mild und bekömmlich, ausgewogen und harmonisch. Ein Aroma, das
sehr differenziert wie elegant und zurückhaltend auftritt und sich
erst entfaltet, wenn man darauf achtet, was bei großem Durst vielleicht
gar nicht so einfach ist, denn dann ist man sicher geneigt, diesen vorzüglichen
Trunk erst einmal mit aller Vehemenz aus dem Glas zu lassen. Aber spätestens
beim zweiten wird man sicher der enormen Bandbreite des Aromas gewahr.
So muss Bier schmecken. Das ist Braukunst.
Fazit: Äußerst verführerisch
Wertung: + + + + + - [t
01/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
PS: Vielen Dank an Daniel M. aus Hof für die Spende
dieses herrlichen Bieres.