Bier Paul, 06, 7,2%, seit 2003 aus Villmergen im Kanton Aargau, Schweiz

Schon wie das Bier ins Glas hineinrollt, ist ein großes Vergnügen, es zuzuschauen. Ich weiß ja gar nicht wo anfangen mit diesem Test, die Düfte haben mich bereits eingeholt bzw. überrollt. Der Schaum ist hell-haselnussfarben, kräftig und feinporig. Das Spektrum der Farben des naturtrüben Bockbiers beinhaltet warme Nuancen, die von Mahagoni-Amber bis hin zu Rostrot-Gelb-Orange reichen. Messerscharf kommen die verschiedenen Aromanoten unbarmherzig zum Ausdruck. Wärmende und ätherische Impressionen von Dörrfrüchten in ihrer allumfassenden Vielfalt prägen das unfiltrierte Bockbier – mit Aromen von Hopfen, Äpfeln und Mango über Vollrohrzucker bis hin zu süßem Sherry überzeugt das 06. Der Antrunk ist ein Knaller. Benebelt von diesem Reichtum der Geschmacksimpressionen versuche ich adäquate Worte zu finden, um diesen Schmaus würdig zu beschreiben. Ja, das ist ein ganz schweres Geschütz. Das Bier ist so weich und sinnlich. Es ist malz-, frucht- und alkoholaromatisch, kräftig, süßlich, ungemein süffig, perfekt abgerundet, sortentypisch, vollmundig, würzeartig und trocken. Trotz den 7,2 Umdrehungen hat das Aargauer Bockbier eine unerhörte Grazie und Harmonie. Es ist unglaublich lang im Abgang, extrem ausgiebig und opulent in der Aromenwiedergabe, nachhaltig und konkret, ausgewogen und differenziert ausklingend, rund, kräftig betont und feinbitter. --- Leider ist das Genussvergnügen schon wieder Vergangenheit. Das ist eben die Krux mit diesen 33-cl-Flaschen – vor allem, wenn es die einzige ist.

Fazit: Die Zahl auf der Etikette spricht für sich
Wertung: + + + + + + [i 08/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, mit Hefe vergoren
Im Internet unter: www.erusbacher.ch, www.biervielfalt.ch
PS: Dem guten Herrn Toni Hutter, der umtriebige Vizepräsident der schweizerischen Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt (GFB), nochmals vielen herzlichen Dank für die Flasche 06!!

Bier Paul, 06, 7,2%, seit 2003 aus Villmergen in der Schweiz


Neulich war ich in der Nähe von Ralf Pauls Bierladen an der Idastraße in Zürich, und so habe ich gleich die Chance genutzt, um hier spontan reinzugucken. Er war nicht da, dafür seine charmante Lebenspartnerin Christine – die Modedesignerin, welche die Ladenräumlichkeiten mit ihm teilt. Notabene: Und darin ihre selbst entworfenen Kollektionen selber näht (!) und anschließend verkauft. Unter anderen habe ich mir das 06 gekauft. --- Der soeben geöffneten Longneck-Flasche entnehme ich fein-fruchtige Aromen. Das Bockbier fließt ins Glas und eine homogene, wohl strukturierte und feinporige Schaumkonstruktion bildet sich auf das umwerfend gelb-braun-rotes Bockbier. Beim Betrachten dieser Farbe empfinde ich eine vertraute mediterrane Wärme. Der beige Schaum knistert lebhaft. Super-leckere, intensive, süß-fruchtige Aromen, sowie einen Hauch feinste Brauhefe entzücken meine Nase. Der Antrank ist in jedem Sinne generös. Im Mund entfaltet das 06 eine unerhörte Geschmacksfülle. Beim Schlucken offenbaren sich frische Gerstearomen auf dem Gaumen, gefolgt von einer sehr harmonischen Hopfenbitterkeit im Finish. Das Bock aus dem Freiamt ist trocken und nach dem langen Abgang hinterlässt es ein unglaubliches Frische-Gefühl sowie eine unendliche Aromenintensität. Das 06 hat 7,2% Vol. Alk.? Wenn ich das nicht schon wüsste, ich hätte es nicht gemerkt. Dieses Bier ist gebündelte Kraft mit einem perfekt abgestimmten Geschmacksbild. Die Dramaturgie der Empfindungen scheint auf den Genießer wie vorprogrammiert zu sein – exakt nach dem Schema: uhmmm, jaaaahh, booahh, mmmhhh... Das Bier wirkt sehr engagiert und ambitioniert. Es ist wunderbar, wenn man sehen kann, wie manche Dinge sich mit der Zeit entwickeln.

Fazit: Das Aargauer Bockbier für die Stadt Zürich
Wertung: + + + + + - [i 04/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, mit Hefe vergoren
Im Internet unter: www.erusbacher.ch

Bier Paul 06, 7,2%, seit 2003 aus Villmergen im Kanton Aargau, Schweiz

Jetzt wird es aber sehr spannend. Mit Betonung auf sehr. Zwei neue 33-cl-Fläschchen aus Villmergen stehen vor mir: 06 = Bockbier. Ich halte meine Nase am offenen Flaschenhals und entnehme die frischen Düfte von Hefe und getrockneten Früchten. Das Bockbier fließt mit dem typischen Bier-Paul-Sound in die Tulpe hinein: Glogg, glogg, glogg, glogg... Der Schaum brutzelt munter, er ist dicht strukturiert und hat eine flaumige Anmutung. Die Malzaromen breiten sich blitzschnell aus, ebenfalls die Impressionen von Kaffee am Morgen und von ganz frischem Brot. Im Glas funkelt es bernsteinfarbig; wie Kirschholz, mit einem mysteriösen Rotstich. Im Mund offenbart das Bockbier aus dem Kanton Aargau subtile Geschmäcker von Frühlingsveilchen, von Holz, Torf und Karamell. Die Aromen führen mich geistig in eine unberührte Landschaft, wo ich nun friedlich am spazieren bin – hmmmm, der sanfte Duft des Moores. --- Weiter registriere ich die verführerischen Düfte von getrockneten Datteln. Und diese Nuancen von Bitterschokolade erst... Eine „traubige“ Note ist ebenfalls präsent. Das 06 wirkt alkoholisch, ätherisch, dicht und komplex. Es erinnert an Gebäck im Backofen. An ganz dicke Erde. Die Röstaromen kommen schön daher. Auch die Ledernoten. Und vor allem aber das unwiderstehliche Parfum eines betörenden Dresdner Christstollens. Die Kohlensäure ist prächtig. Der Abgang ist lang anhaltend und nachhaltig. Ist das Bier geschluckt, realisiere ich, wie trocken es ist. Ja, sie ist schön, diese süße Note, die das 06 liebevoll auf meinen Lippen liegen gelassen hat.

Fazit: Eau pour la vie
Wertung: + + + + + [i 10/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen