Bieraria Tschlin, Biera Engiadinaisa, 5%, seit 2004 aus Tschlin in der Schweiz

Vor einiger Zeit hat uns ein gewisser Michael W. aus der Schweiz kontaktiert, er kenne ein Bier aus dem Engadin, und ob wir dieses testen möchten. Gesagt, getan. Beim Übergabe-Termin erfahre ich mehr über dieses Bier: Es wird in Tschlin (?) manuell hergestellt und, ich höre und staune, es trägt eine Bio-Zertifizierung. Der Bruder von Michael, Jürg, ist Demeter-Bio-Landwirt und Lieferant der biologischen Gerste für das BE. --- Kaum zurück muss ich SO-FORT Herr werden über meine Ignoranz. Also, die Gemeinde Tschlin liegt im Unterengadin an der Grenze zu Österreich und Italien und besteht aus drei Fraktionen: Tschlin mit 173 EinwohnerInnen, Strada mit 147 und Martina mit 114. Macht total 434 Menschen. Alles klar. Ich öffne die 0,33-l-Bügelverschlussflasche mit den markanten und direkt auf die Flasche gedruckten Großbuchstaben BE und verinnerliche sogleich die hinaustretenden, frischen fruchtig-blumigen Aromen, sowie Süßwaren. Der Schaum bildet sich prächtig, ein Klasse strukturierter Schaum, feinporig und zart. Die anfangs wahrgenommenen Düfte des bananengelben und naturtrüben Bieres haben sich im Glas um ein vielfaches verstärkt und multipliziert. Aromen von süßem Sherry. Ein würziger Auftakt. Im Mund vollmundig und mit einem gut ausstaffierten Körper. Auf den Lippen eine synchrone sanfte Süße. Charmante, intensive und stark ausgeprägte heuartige Aromen, ätherisch, im Rachen wieder diese mystischen und großzügigen Gerste- und Heuaromen. Das Spezialbier nach Pilsner Art wirkt verspielt, lebhaft und sehr frisch. Unendlich viele einprägsame Gerste- und allerfeinste Malzaromen haben sich inzwischen in meinem gesamten Mundraum ausgebreitet. Dieses Bier hat eine ganz eigene DNA; ich könnte es mit verdeckten Augen unter 1000 Bieren erraten. Das Kaleidoskop der Aromen ist unbeschreiblich – angefangen von den würzigen Alpkräutern, über das saftige Wiesengras, das Heu, bis hin zu den gemischten, farbenfrohen und duftigen Sommerblumen – die kurze Aufzählung bloß als Versuch, um einen kleinen Eindruck der vielfältigsten und komplexen Empfindungen zu vermitteln. Im ausgedehnt langen Abgang schlägt die volle Geschmackssymphonie wieder erbarmungslos zu. Sie ist gefolgt von einer nachhaltigen Hopfenbitterkeit, die sich dann sukzessiv in jedem kleinen Mund-, Gaumen- und Rachenwinkel fein niederlegt. In der Mundhöhle hallen nun die delikatesten Aromen nach. Meine Lippen fühlen sich so an, als seien sie mit einer feinen Schicht Wiesenblütenhonig belegt worden. Ich wünschte mir, dieses Bier wäre unendlich. --- Viva la biera fatta our dad üerdi chi crescha e madüra suot il sulai da l’Engiadina e chi’d es fatta cun aua püra da funtana e cun ingredienzas biologicas. Uschè gusta be üna biera engiadinaisa netta e s-chetta. Zu Deusch: Aus einheimischer Braugerste, auf über tausend Metern an der Bergsonne gereift, und mit kristallklarem Bergquellwasser und biologischen Zutaten gebraut. So schmeckt nur das echte Biera Engiadinaisa. --- Unglaublich, wie großartig Bier schmecken kann: Ungemein aromatisch-würzig, bemerkenswert intensiv, gehaltvoll, überraschend körperreich, geschmeidig, harmonisch trocken, überragend. Es will nicht aufhören: Jetzt betören mich Impressionen von exotischen Blumen und Babynarzissen. An dieser Stelle ein ganz dickes Lob nach Tschlin für dieses Bier, sowie ein besonders großes Dankeschön an Michael W., der uns auf dieses Schmankerl aufmerksam gemacht und drei Flaschen davon selbstlos spendiert hat. Per plaschair serrar la butiglia vöda. Grazcha! Bitte leere Flasche schließen. Danke!

Fazit: Bun Tschlin
Wertung: + + + + + + [i 04/07]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Bio-Malz „Gran Alpina“, Hefe, Bio-Hopfen und alpines Quellwasser aus Tschlin
Im Internet unter: www.bieraengiadinaisa.ch