Böheim Flinderer Spezialbier (5,5 %) 0,5-Liter-Flasche,
Brauereivereinigung Buchauerberg 4, seit 1923 aus Pegnitz in Bayern:
Fleißiges Gewusel im Glas. Der Einschank sorgt für Spektakel.
Das Gewimmel trennt sich langsam. Ober ein hellbeiger, sehr cremiger,
sahniger, üppig portionierter und äußerst straffer
Schaum, unten ein klares, reines, festes Bernstein. Fabelhaftes Bild.
Der Geruch ist schlank, prinzipiell malzbetont mit ein paar tabakartigen
und leicht scharfen Ausschlägen. Treberhaft-Orangen-Apfel-Fruchtiges
mit einer Spur Holunder taucht noch auf. Alles sehr frisch und natürlich,
nicht üppig oder besonders tief, dafür spritzig und lebendig
bei gutem Ausdruck.
Das ist handgemachtes Bier. Keine Frage. Sofort wird das klar. Knarzig-würzige
im Malz, treberhafte Wogen geben dem Bier eine individuelle Note.
Harzige Tabaknuancen sorgen für Exotik. Eine fruchtige Hintergrundmelodie
gibt dem Aroma Leichtigkeit und Frische. Sehr weich das Wasser. Die
Kohlensäure ist optimal eingestellt. Was für ein Süffigkeitsfaktor!
Das Bier fließt ab wie ein kühler Schluck Wasser nach einer
Saharadurchquerung. Der Geschmack ist anspruchsvoll und durchaus vollmundig,
ins Verhältnis gesetzt zur Stammwürze ist der Körper
aber erstaunlich schlank, gleichzeitig abwechslungsreich. Nussig-trockene
und dabei gleichzeitig ölige Nuancen wirken hintergründig.
Ein paar feuchte Tabakblätter werkeln im Hintergrund. Das Finish
wird durch ein bitteres bis feinbitteres Finale aromatisch gut befeuert.
Mittig kommt eine dezent süße Karamellnote durch. Anfangs
hat man die Impression von geriebenem Apfel abgerundet von einer Spur
Orangenschale. Die Bitterstoffe sind ausgeprägt und hängen
angenehm lange an. Die Zutaten verkörpern Einheitlichkeit, Natürlichkeit
und Individualität gleichermaßen. Stolz, individuelle Stärke
und Teamgeist ergänzen sich vorbildlich. Das Aroma ist kompakt
und leicht zugleich bei hoher Geschmacksintensität. Natürlichkeit
und eine sehr interessante, eigene Aromainterpretation zeichnen dieses
Spezialbier aus. Sehr interessant und bei Bedarf mit viel Konzentration,
Entdeckergeist und Hingabe erfüllend trinkbar. Man kann es aber
auch einfach nur flott laufen lassen. Jeder Schluck ist ein weiches
Labsal. Aber das würde dem Gebräu wohl nicht ganz gerecht
werden. Ein gewisser Respekt vor der Braukunst der Macher wäre
in jedem Falle angebracht. Eine Freude dieses Bier zu trinken. Es
schmeckt handgemacht, ländlich, fränkisch und gut. Jeder
Schluck zeigt dem Trinker, wie speziell, wie typisch, wie anders Bier
schmecken kann. Da ist nichts zu finden von Einheitsbrei. Das ist
ein strammes, individuell geprägtes, kurzweiliges Gebräu
von hoher Qualität und langem Nachhall.
Fazit: Langer Nachhall
Wertung: + + + + + -
[t 06/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen
PS: Herzlichen Dank ein weiteres Mal an Frank G.
für das Besorgen dieses bayerischen, fränkischen, guten,
seltenen Bieres.