Börglum Kloster Bispens Trippel (10,5 %) 0,5-Liter-Flasche,
Gründungsjahr des Klosters 1220 gebraut von Sögaars in Aalborg
in Dänemark:
Einmal im Jahr findet im bedeutendsten Kloster Nordjütlands ein
mittelalterlicher Markt statt. Die alte Tradition aufgreifend, haben
einige Enthusiasten diesen Brauch wieder aufleben lassen. Heute wimmelt
es dort von altertümlich gekleideten Menschen, alten Zelten und
Produkten, wie man sie vor hunderten von Jahren üblicherweise erstehen
konnte. Eine schöne Gelegenheit, das uralte Kloster in allen Ecken
zu besichten. Speziell für Börglum wird dieses Bier in Aalborg
gebraut.
Herrgottzeiten. 10,5 Touren. Haltbarkeitsdatum: 2014. Das ist doch Körperverletzung.
Dass gerade die Dänen auf solche Rachenputzer stehen. Man hat fast
das Gefühl: je kleiner die Braustätte, umso kräftiger
die Biere. Siehe Laesö. Nun gut. Wir wussten, dass das kein Zuckerschlecken
wird … Überraschend hell gluckst das Bier ins Glas. Honiggolden
die Farbe, schön leuchtend, von innen heraus scheint es zu glimmen.
Der Schaum ist schneeweiß und beachtlich gut in Form. Die Statur
ist kräftig, sahnig, fest. Das Volumen ist für ein Bier dieser
Knochbrecherkategorie erstaunlich. Der Stand ist waghalsig gut. Der
Geruch verblüfft. Kräuterartig, fruchtig, hellbeerig. Fraglos
intensiv, aber in Anbetracht der Schwungmasse erstaunlich zugänglich
und human. Harzige Honigspuren tauchen noch auf. Das Malz verströmt
Zuckriges. Trockene hefige Nuancen schimmern durch, leicht holzig. Alles
sehr gut aufeinander abgestimmt und erstaunlich mild.
Also. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals ein schlankeres Bier mit
über 10 % getrunken zu haben. Schlank und fruchtig geht es zu Werke,
elegante Kräuternoten wirken ruhig, mild und anregend zugleich.
Sirupartige Citrusnoten vereinigen sich mit Stachelbeerfruchtigem. Säuerliche
Wellen wogen auf und ab. Das Malz deutet kurz eine kernige Malzbitterkeit
an, um dann in ein etwas ziehendes Zuckerstakkato überzugehen.
Das Kräuterartige ist herb, bitter, natürlich, ansatzweise
lässt sich ein ansisartig-ätherischer Schimmer erkennen. Medizin
könnte man sich geschmacklich in etwa so vorstellen, (verbotene
Medizin). Die Vollmundigkeit und Intensität des Geschmacks ist
überraschend niedrig. Wer gedacht hat, hier von einem Aromabrecher
hinweg gewischt zu werden, täuscht sich. Das Ganze ist überraschend
zurückhaltend und schlank. Fast ist man geneigt, ein wenig enttäuscht
zu sein, denn ein Bier dieser Kategorie müsste eigentlich erbarmungslos
durch den Rachen brennen. So ist es nicht. Der Geschmack hat etwas Mildes
und Sanftes, wenn auch im Sinne von über 10 %. Dächte man,
im Glas stünde ein normales Export, farblich käme das sicher
hin, und setzte unbedacht zum großen Schluck an … das Erwachen
wäre böse. Aber diejenigen, die wissen, was im Glas ist, werden
angenehm überrascht sein, wie schlank solch ein Donnerwetter schmecken
kann. Viel Herbfruchtiges, Bittercitrusartiges, Spuren harzigen Honigs
und malzbitteren Zuckers. Zitronen, Stachelbeeren, Limonenhaftes, Johannisbeeren.
Dann dieses Kräuterartige, das sicher am Eindrucksvollsten erscheint.
Trockene Spuren deuten auf den Hopfen hin und auf einen Hauch Hefe.
Man kann jetzt anfangen zu diskutieren: Muss ein Trippel nicht intensiver
schmecken? Müsste solch ein Bier nicht drohender, impulsiver, herrischer
auftreten? Ist bei dieser Stammwürze nicht mehr Kick, Schwung und
Erbarmungslosigkeit die Regel? Aber was ist mit dieser sanften Abstimmung,
der Gutmütigkeit, die in jedem Schluck steckt? Ist es nicht ein
Segen, dass dieser Bock darauf verzichten, dem Trinker gleich von Anfang
an den Rachen zu spalten, den Gaumen zu zerren und die Speiseröhre
zu entzünden? Die Mitte ist es wohl, wie so oft. Meines Erachtens
könnte ruhig etwas mehr die Axt durch das Aroma pflügen. Andererseits
tut einem diese Bekömmlichkeit wohl. Man duckt sich nicht ehrfurchtsvoll
weg, bevor man das Glas in die Hand nimm. Klar ist auf jeden Fall, dass
man besser nur eine Einheit dieses Bieres abtrinkt. Jedenfalls sollte
man sich Zeit lassen, denn schon nach einem halben Glas stellen sich
die ersten Behinderungen ein. Man hört nicht mehr so gut. Die Sehkraft
lässt nach. Die Finger huschen unkontrolliert über die Tastatur.
Aber das Bier steht im Glas. Rein. Klar. Stark. Geschmacklich kein Meilenstein.
Aber irgendwie sehr kumpelhaft und behutsam. Darum auch die 5.
Fazit: Das Schaf im Wolfspelz
Wertung: + + + + + [t
10/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
k.A.
Zutaten: k.A.
Im Internet unter:
www.soegaardsbryghus.dk
oder
www.boerglumkloster.dk