Braugasthaus Mühlengrund Hell (? %) 2-Liter-Bügelverschluss-Flasche, Gründungsjahr 1893 aus Wienhausen in Niedersachsen:


Das ehemalige Zisterzienserkloster Wienhausen ist eines der bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerke im Norden Deutschlands. Vor allem die Wand- und Gewölbemalereien genießen einen einmaligen Ruf. Aber auch das Äußere des Bauwerks besticht durch seine Harmonie und wundervoll ruhige Lage. In nächster Nachbarschaft befindet sich das Braugasthaus Mühlengrund in einem alten, weitläufigen Fachwerkbau. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an den Inhaber, der sich trotz der Schließzeit bereit fand, mit das hausgebraute Bier abzufüllen.
Das Helle verfügt über einen überdurchschnittlich gut ausgeprägten Schaum. Feinste, cremige Poren schieben sich langsam empor und bilden eine traumhafte Haube. Das Volumen ist enorm, der Stand mehr als beeindruckend. Drunter schimmert und glimmt das Gebräu rot-golden, eine feine Hefetrübung sorgt für einen samtigen Glanz. Der Geruch ist schlank und nussig-bitter. Feine Honignuancen, die sich samtig und leicht pudrig einreihen, fügen ein paar Süße Tupfer hinzu. Das Malz ist herb-bitter in seiner Würze, der Hopfen untermalt das Ganze mit einer bitter-öligen Impression. Ein Schimmer Vanille scheint im Hintergrund noch zu wabern. Der Geruch ist natürlich, vielleicht ein wenige streng, in seiner disziplinierten Art aber aufrecht, unverbogen und geschliffen.
Nussig auch der Antrank. Trocken und leicht ölig zugleich. Haselnussspuren tauchen auf. Mittig zeigt sich etwas mehr Malzsüße, eine Spure Waldhonig und ein Schimmer Vanille. Zum Finish hin wird der Geschmack feinherber, bitterer, der Hopfen, versehen mit einer leicht ätherischen Note und etwas Fichtennadelaroma, tritt stärker auf die Bühne. Ein Bier mit klarer Ansage, das Aroma vorzüglich strukturiert, scharf umrissen, eindeutig erkenn- und nachvollziehbar. Der nussige Charakter harmoniert sehr gut mit den herb-ätherischen Nuancen des Hopfens. Ein Hauch Leder ist zum Abtrunk hin noch zu erkennen. Eine bittere Malzfruchtnote, die ein wenig an Orangenschale erinnert, schimmert weit hinten noch durch. Was diesem Bier ein wenig fehlt, das ist das unruhige, latschige, dieser typische Hausbrauereiausdruck; nicht ganz perfekt, etwas verschroben, wild und ungestüm. Das Mühlengrund Hell ist sehr kontrolliert und klar gegliedert, die Zutaten harmonieren sehr gut zusammen, fügen sich fugenlos zusammen. Das ist absolut kein Nachteil, fällt nur auf, denn andere Hausbrauereibiere neigen oft dazu, ein wenig „schlampig“ im Aroma zu sein, das vorliegende ist dagegen sehr geradlinig und klar umrissen. Man könnte auch sagen: diszipliniert und ein bisschen preußisch. Wasser und Kohlensäure bewegen sich auf sehr hohem Niveau, geben diesem Hellen einen hohen Süffigkeitsgrad und eine weiche Grundstruktur. Der Geschmackskörper ist generell aufgebaut, verfügt aber über ein sehr anregendes und vor allem anspruchsvolles Geschmacksbild. Bitternoten dominieren, werden eingerahmt von honigvanilleangehauchten Zuckernuancen. Dazwischen das Nussig-Ätherische … sehr elegant im Verbund mit der versteckten Ledernote. Kein Umherschweifen, kein wildes Trommeln, nachhaltiger, ruhiger, reifer Geschmack ohne das Verlangen, dick auftragen zu wollen. Der Kontrast zwischen mit hoher Anzahl Bitterstoffen versehenem Antrank, hier schwingt noch eine leichte, frische Säure mit, dem Schwenk hin zu süßeren Noten und dem schlussendlichen wieder herberen Finish funktioniert prima. Ein rundum empfehlenswertes Bier mit Anspruch und Charakter. Ganz knapp an der 5,5 vorbei.

Fazit: Ein bisschen Preußisch
Wertung: + + + + +* [t 09/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter: www.braugasthaus-muehlengrund.de
PS: Vielen Dank an den Besitzer und Braumeister Herr Kollmann für das Abfüllen der Biere trotz Schließzeit des Gasthauses.