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| Brauhaus Bieberland Oktoberfestbier seit 2000 aus
Groß-Biberau in Hessen: Dieses Saisonbier gibt es nur zur Oktoberzeit. Wie schön, dass ich Mitte des Monats dort war und mir eine Flasche hab abfüllen lassen. Der Schaum ist ein Gedicht. Wolkig-weich. Feinporig. Meisterhafter Stand. Die Farbe ist schlammig hellbraun. Der Duft ist intensiv. Eine Mischung als malzig-blumig und etwas kloakenartig, was aber positiv gemeint ist. Auf jeden Fall sehr interessant. Süßer, kräftiger, intensiver Antrank. Mächtig viel Malz. Leicht röstartig, mit schwachem Karamel-Honig-Verschnitt. Das Bier ist durch das schmiegsame Wasser und die dezente Kohlensäure in seiner Süffigkeit und Milde vorbildlich. Man kann eine hohe Bekömmlichkeit konstatieren. Zwar könnte man sich etwas mehr Vollmundigkeit und Tiefe vorstellen. Vor allem im Mittelteil und Abgang. Dafür überzeugt dieses Bier aber durch seine Gutmütigkeit auf der einen und sein attraktives Geschmacksbild auf der anderen Seite. Süß-malzig, honigartig-röstig. Sehr süß, viel Spuren von Malz/Karamel. Aber auch ein schwacher Hauch Trockenheit ist mit im Spiel, vor allem im letzten Drittel. Wirklich mal etwas anderes. Ein gelungenes Saisonbier mit Charakter, Ausdruck und enorm viel Fahrt. Die Biberländer verstehen es ohnehin sehr gut, individuelles, unangepasste, struppiges, wildes, ungewöhnliches Bier zu Brauen. Jedes Bier hat eine starke Note und wirkt zu keinem Zeitpunkt langweilig. Es passiert enorm viel. Der Geschmackssektor im Hirn wird jedes Mal überdurchschnittlich stark aktiviert. Dazu hat man den unverrückbaren Eindruck, etwas naturnahes, unverfälschtes, echtes zu sich zu nehmen. Die Zutaten wirken nicht so harmonisch und glatt, als dass man sie nicht mehr unterscheiden oder für sich selbst wahrnehmen könnte. Jeder Teil trägt unmissverständlich seinen Part zum ganzen bei. Ein uriges, kerniges, frech-aromatisches Bier. Eine absolut gelungene Bereicherung der Braukultur. Wirklich schade, überlegt man, dass dieser Trank nur einen winzigen Bruchteil der Bierfreunde Deutschlands erreichen kann. Und das auch nur für kurze Zeit. Und spinnt man den Faden weiter und sieht, was für ein glattgebügeltes, eingeebnetes, austauschbares Bier wir immer mehr angepriesen bekommen, -und wie gut die sind!- dann stimmt einen diese Überlegung traurig. Traurig, dass viele reiche Mensche viel Geld in gigantische Industrieanlagen pumpen die BIER herstellen. Die nur noch in kurzfristigen Erfolgen denken um ihre Anteilseigner zu befrieden. Pausenlos werden diese Erzeugnisse beworben. Jedes Sportereignis wird zu Werbequal. Dabei brauen so viele kleine und feine Stätten dermaßen gutes Bier, dass jedem, der die Augen verbunden bekommt und diese Sorten im Vergleich zu den Massenbieren vorgesetzt bekäme, sofort Erleuchtung käme. - - Es bleibt zu hoffen, dass der Kommerzgeschmack bald die Richtung wechselt. Gleichzeitig bleibt zu hoffen, dass Individuallisten einen langen Atem haben werden. - - - So. Genug gelabert. Ich trink jetzt mein Siphon leer. Das mit der großen Öffnung. Passt viel rein. Fazit: Gelungenes Saisonbier Wertung: + + + + + - (t 10/04) Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen Internet unter: www.biberland.de |