Brauhaus Bieberland Pils seit 2000 aus Groß-Biberau in Hessen:
Auch bei diesem Biertyp der hessischen Hausbrauerei aus der Nähe von Darmstadt findet sich dieser enorm kernige fruchtig-malzige Ton. War man die ganze Zeit noch der Meinung, das rühre vom Malz her, so bin ich nun fast der Überzeugung, dass der Hopfen dafür verantwortlich ist. Zumindest teilweise. Das wäre zwar eine wahrlich ungewöhnliche Hopfennote. Aber irgendwoher muss es ja herkommen. Auf jeden Fall hat man mit dem Pils ein enorm frisches und fruchtiges Bier vor sich. Man hat das Gefühl, jedes Gerstenkorn zu schmecken, im Nachhinein am Brauprozess teilzunehmen. Die Schaumbildung ist brutal. Der Geruch bekannt spritzig, frisch, fruchtig und malzig. Dazu findet sich eine Spur Treber wieder.
Das Aroma ist für ein Pils sicher gewöhnungsbedürftig, fehlt ihm doch weitestgehend die Herbe und Bittere dieser Sorte. Es geht klar in die Malzige Richtung, erinnert beinahe mehr an ein Helles. Das ist sicher ein Kritikpunkt. Auch der Abgang könnte etwas standhafter sein. Der Part davor ist aber vollmundig und ereignisreich. Allerdings ist weder der Antrank noch der Mittelteil und auch nicht der Abgang sonderlich hopfig. Wüsste man es nicht besser, man würde auf Export plädieren. Zum Glück habe ich vor Ort ein Pils probiert, so kann ich sicher sein, da der Geschmack der Gleiche ist, auch hier am Tisch zu Hause eines vor mir zu haben. Gut. Jetzt mögen diejenigen, die das klassisch herbe Pils nicht unbedingt zum Gott haben sagen: „Na ist doch super. Endlich mal ein Pils, dass richtig süffig und stramm trinkbar ist und bei dem man nicht das Gesicht verziehen muss.“ OK. Besonders Frauen könnten hier einhaken. Aber für den Ottonormalpilstrinker ist das doch etwas unpilshaft, obschon man nicht wirklich sagen kann, das Bier wäre süß. Fruchtig und malzig ja. Aber nicht wirklich karamelartig oder süß. Und das ist wohl auch der Beweis, dass es ein Pils ist, denn denke ich an das Weizen, so sind da doch noch Honigwelten dazwischen.
Tja. Und wie bewertet man dann ein Pils, das eigentlich gar kein richtiges ist, aber prima schmeckt und sehr süffig ist, dazu natürlich, frisch, spritzig und handwerklich gekonnt umgesetzt? Es hat zwar nicht so viel Schwung und Druck wie z.B. das eben schon erwähnte Weizen, ist aber trotzdem von hoher Güte. Vor allem schmeckt man (auch hier), dass es ein handgemachtes Bier aus einer Hausbrauerei ist. Ferner fehlt ihm der oft vorhandene leicht quälende Anhang, der oft die Hausbrauereibiere begleitet. Es hebt sich auf jeden Fall stark ab vom glatten, fernsehbeworbenen Pils aus dem Getränkehandeln. Sehr stark sogar. Und das ist gut. Sehr gut sogar. Eigentlich sollte man in jedem Ort, in dem Bier gebraut wird, ein Gesetz erlassen, dass alle Bürger und Bürgerinnen verpflichtet, monatlich mindestens die Hälfte ihres Bierkonsums mit der örtlichen Marke zu decken. Eine Art Bierquote zur Stärkung des regionalen Brauwesens. In jeder Stadt, in der eine Hausbrauerei ihrer hehren Aufgabe nachgeht, sollten die Einwohner dazu verdonnert werden, sich ihre Kehle mit den Sorten, die vor der Haustür gebraut werden, die Kehle zu weiten. Doch. Das müsste man durchsetzen. Schade für die Großen. Schön für die Kleinen. Und die Bierkultur würde ordentlich befeuert werden.
OK. Brauhaus Biberland Pils. Individuell. Ideenreich. Etwas streng im Aroma und nicht pilstypisch. Dafür süffig, breit und tief. Fruchtig. In Ansätzen blumig. Auch malzig. Abgang nicht perfekt, die ersten zwei Drittel nach kurzer Gewöhnungsphase sehr ereignisreich. Ein Bier gebraut in kleiner Menge mit großem Einsatz. Schade, dass in meinem Ort nicht auch eine Hausbrauerei ansässig ist. Jedes Mal ein Erlebnis, ein Bier aus solch einer Stätte zu trinken. Man merkt sofort, dass es sich um etwas handgemachtes und sehr frisches handelt. Der erste Schluck schon verrät ist. Alleine deshalb schon gebührt diesen Leuten größter Respekt.
Fazit: Her mit der Quotenregelung
Wertung: + + + + - (t 10/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen
Internet unter: www.biberland.de