Brauhaus Höchstadt Kellerberg, Brauhaus Höchstadt / Aisch e.G., Bayern, D, 0,5l Mehrwegflasche, 5,0%vol

Das outfit OK - traditionell und mit Liebe zum Detail gemacht. Das Bier selbst präsentiert sich klar in einer guten mittelhellen braunen Farbe. Die Blume geht sehr fein auf, der Schaum kommt in dieser Konsistenz ganz gut zur Geltung. Nicht übertrieben, aber recht standfest. Ein Biergeruch stellt sich ein, herb Hopfen und Malz, plus leicht süßlich wie reife Banane oder Pfirsich.
Der Antrank ist kerniges angeröstetes Malz, leicht trocken aber gut. Dieses leicht rauchig trockene Malz scheint der Höchstädter Braumeister zu lieben. Spuren davon kommen sogar im "LIGHT" dieser Brauerei vor. Ein super Wasser macht das Bier weicher als es Hopfen und Malz allein könnten. Alles in Allem wirkt dieses
Bier handwerklich gekonnt und es hat einen sehr individuellen Charakter, es ist alles
andere als mainstream. Ein Bier für Individualisten, ein Bier für die Bierfreunde, die nicht jeden Tag Radeberger oder KöPi trinken wollen. Und für Biertrinker, die noch handwerklich gebrautes Bier kennen und schätzen. Hier merkt man, dass der Brauer noch Spaß an seinem Beruf hat.
Im Abgang dominiert der Hopfen, läßt aber einer leichten holzigen Fassnote noch Spielraum, sich zu präsentieren. Eine Spur zu bitter im Abgang, eine Spur zu trocken um die Gier auf den nächsten Schluck hervorzubringen. Das Bier nimmt sich Zeit, Zeit zum Genießen, der Bierfreund sollte sich bei diesem Bier auch Zeit lassen. Nur so kann es seinen ganzen Charakter zeigen. Nur weiß ich nicht ganz genau, wo einordnen. Es ist kein Lager, es ist kein Pils, es ist kein Bock und kein...
Es ist ein gutes fränkisches Bier.

Gebraut nach dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516
Fazit: Charakter, wenn auch eigenwillig
Bewertung: + + + + + [d 12/09]
P.S. Danke an Thomas A. aus Höchstadt für die freundliche Zusendung der Proben

Brauhaus Höchstadt Kellerberg Vollbier (5,0 %) seit ? aus Höchstadt in Bayern:


Das geschieht nicht oft. Die Brauerei hat uns kürzlich kontaktiert mit der Bitte, die Tests noch einmal zu wiederholen. Zum Zeitpunkt der ersten Unterdielupenahme hätte es Probleme mit dem Gärkeller gegeben. Die jetzige Qualität wäre höher. Schaun’ mer mal.
Der Schaum ist schon mal äußerst gelungen bis perfekt. Eine sehr feinporige und cremige Haube spannt sich straff über ein edles, helles, klares, leuchtendes Braun. Der Geruch ist sehr süß und vereint Karamell, Vanille, Honig und eine Spur Banane zu einem dichten und sehr interessanten wie intensiven Duftbrei. Sehr natürlich und frei von Störfaktoren.
Rauchiger und röstmalziger Antrank mit entfernten Spuren von Schinken und einem sehr trockenen Auftreten. Das hat Klasse. Holzige Spuren und grappaähnliche Einflüsse kommen hinzu. Das Wasser ist enorm weich und klar, die Kohlensäure nähert sich auf Samtpfoten. Die Vollmundigkeit ist nicht perfekt ausgebildet, der Abgang könnte tiefer sein. Dafür ist der Süffigkeitsfaktor enorm hoch. Der Geschmack präsentiert sich anspruchsvoll und individuell geprägt, nichts von der Stange, hat viel Eigenständigkeit, wirkt aber weder zu anstrengend noch völlend, im Gegensatz zum Geruch, und bietet einen wirklich flotten Trinkgenuss. Ich habe bewusst nicht geschaut, wie der erste Test ausgefallen ist und bin nun mächtig gespannt, diesen mit dem heutigen zu vergleichen. Zum Status Quo kann ich nur sagen: supergelungenes, sehr interessantes Bier mit viel Anspruch und großen Überraschungen, das höchstens in Sachen Vollmundigkeit und Abgang ein wenig schwächelt, ansonsten aber überdurchschnittlichen Biergenuss liefert. Fruchtig-honigartige Elemente verfeinert mit Vanille treffen auf edlen und trockenen Hopfen. Dazu gesellt sich noch eine sherryfassartige sowie holzige Note. Auch rauchige und schinkige Töne treten auf. Gute Mischung. Bis auf die Vollmundigkeit und Tiefe vor allem im letzten Drittel und eine etwas heftig eintretende Bitterkeit mehr als trinkenswert. Knapp an der 5 vorbei.

Fazit: Besser als beim ersten Mal
Wertung: + + + + -* [t 09/06}
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen
PS: Vielen Dank an Thomas A. für die neuerlichen Proben.

Brauhaus Höchstadt Kellerberg (5,0 %) seit ? aus Höchstadt in Bayern:


Tatsächlich. Auf das, auf was man gewartet hat, tritt ein. Kellerartiger, modriger, muffiger, uriger Geruch. Dazu eine mächtige Schippe Malz und genug Karamel, um Caramac-Fans Vorfreude ins Hirn zu programmieren. Die Farbe ist sehr edel und gelungen. Bernstein-orange-rot. Leuchtet herrliche im Sonnenlicht. Der Schaum allerdings ist nicht wirklich ein Schwergewicht.
Der Bitterfaktor setzt recht spät ein, dann aber kräftig und nicht unbedingt ausgewogen und harmonisch. Vor allem das letzte Drittel ist von einer bitter-hopfigen Note geprägt, neben einer schwach apfelfruchtigen Note. Recht trocken. Davor spielt sich die Geschichte im Malzbereich ab, ohne dabei Bäume auszureißen. Vor allem der Antrank ist eher von der dezenteren Sorte. Wenig kraftvoll und nur beschränkt begeisternd. Das Wasser macht sehr recht gut, die Kohlensäure ist fein dosiert und verhilft dem Kellerberg zu einer guten Süffigkeit. Nur der Geschmack enttäuscht ein wenig. Nicht sonderlich vollmundig und ausdrucksstark. Eher lau und luftig wirkt es. So kann man die Sache dann auch etwas zwiespältig sehen. Aromagierige werden mit diesem Höchstädter sicher eine Enttäuschung erleben. Freunde von leichtgewichtigen und gut trinkbaren Bieren, bei denen man sich gar nicht erst viel mit dem Geschmacksspektrum des Trunkes auseinandersetzen muss, die werden mit dem Kellerberg durchaus klar kommen. Immerhin bietet es, abgesehen von kleinen Ungereimtheiten im Abgang, keinen nennenswerten Störfaktoren.
Mir ist die Sache aber etwas zu eintönig. Nett und fast brav. Für ein Kellerbier, und da setzt es ja wohl an, zu wenig Schmiss und Rauheit. So was muss intensiver und räudiger schmecken. Nicht so sanftmütig und glatt. Für mich etwas zwischen einer 3,5 und einer 4, mit Hang nach unten.

Fazit: Zu glattes Kellerbier
Wertung: + + + -* (t 07/04)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen