Brauhaus Linsengericht Dunkel (? %) 1-Liter-Bügelverschluss-Flasche, seit 2004 aus Linsengericht-Altenhaßlau in Hessen:


„… die kleine Brauerei an der Ecke“. Hier fühlt man sich in alte Zeiten versetzt. Samstags zwischen 12:00 Uhr und 14:00 Uhr ist Bierverkauf. In einem nostalgisch anmutenden, gekachelten Raum, in dem die Kessel stehen, mit uriger Theke steht der Chef und verkauft das Bier direkt an die Laufkundschaft. Man bekommt verschiedene Gebinde, die Fässer muss man bis spätestens Dienstag anmelden, dann werden sie bis Samstag frisch abgefüllt. Das hat Charme und setzt sich herrlich ab von seelenlosen Supermarktgetränkeketten, in denen in steriler Atmosphäre Massenbiere verkauft werden.
Die Farbe ist überraschend Hell. Haselnussbraun nicht allzu dunkel. Der Schaum macht eine gute Figur, gefällt durch feine Poren und dichte Substanz. Der Geruch ist dezent, eher zurückhaltend, leicht röstig mit Spuren von Hafer.
Korniger, treberhafter, leicht knatschiger, haferflockenähnlicher Antrank mit Nuancen von Röstmalz und trockenen Einflüssen. Recht geordnetes, mit Rotem Faden durchzogenes Geschmacksbild. Aufgeräumt und ausgewogen. Dennoch interessant und spannend. Schwache Säure trifft auf mehlig-herzhafte Hefe. Das Röstige ist nicht sonderlich ausgeprägt, dennoch spürbar. Eine ausgewogene Note, süß und lang gestreckt, gibt dem Aroma Ruhe. Ferne Schwarzfruchtaromen lockern auf. Rosinen machen sich kurz bemerkbar. Das Dunkle hat von den dreien bisher getesteten die größte Reife und Ausgewogenheit. Das Aroma wirkt ruhig und gediegen, gespannt, voll, bekömmlich. Wo die anderen mit Unruhe und Wildheit zu punkten versuchen, setzt das Dunkle Aus Linsengericht Entspanntheit und sorgfältige Kompaktheit entgegen. Jeder Schluck ist dicht und tief. Der Geschmackskörper besticht durch Ausgewogenheit und famosen Geradeauslauf. Eine schwache Whisky-Note ist noch erkennbar. Das Haferflockenartige ist kernig und hat einen angenehmen Biss. Die Vollmundigkeit ist zwar nicht übermäßig hoch, dafür macht die Kohlensäure hier einen wirklich hervorragenden Eindruck. Das Wasser ist bekanntermaßen weich. Der Abgang hat nicht wirklich Zugkraft, überzeugt aber durch die sehr gutmütige Art. Das Röstmalzige mit dieser hefigen Hafernote ist klasse. Auch die aus dem Hintergrund herankriechende Süße macht Eindruck. Etwas Trocken-Nussiges tut sich noch auf. Das alles hat Schmiss und Format. Dezent und schwungvoll in einem. Die Inhaltsstoffe extrem natürlich und kernig. Der Schluck sanft und rasch. Das Aroma mild, ausgewogen, fast sanft. Inhaltlich überzeugt es dennoch. Das beste Pferd im Stall.
Ich weiß jetzt, weshalb der Kunde vor mir gleich 4 Flaschen Dunkles gekauft hat.

Fazit: Das beste Pferd im Stall
Wertung: + + + + + - [t 05/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter: www.brauhaus-linsengericht.de