Brauhaus Rothenburg Anno 1631 (5,1 %) 0,5er-Bügelverschluss-Flasche
seit ? aus Rothenburg ob der Tauber, Schmidtsgäßchen 3-5,
in Bayern:
Famose Farbe: orange auf bernstein. Leuchtend, fast signalfarbenartig,
mehlig-milchig-trüb dazu. Augenschmaus im Zusammenspiel mit dem
Jubelschaum, der wie eine Krone über dem schwebt. Der Geruch ist
hefig und kraftvoll bananenfruchtig. Sehr voll und reich, dabei mild
abgestimmt bei hoher Natürlichkeit. Entfernte Spuren von Vanille.
Eine dezente, mit Honigspuren angereicherte Malzsüße. Weizencharakter.
Eine Prise Zimt verquirlt mit einem Schimmer Nelke.
Das ist lecker. Sehr intensives Bier von hoher Vollmundigkeit. Im Geschmack
deutlich herber, als im Duft. Der Hopfen tritt im Aroma deutlich vordergründiger
auf und gibt der Sache einen dezidiert bitter-herben Anstrich. Dennoch
finden sich die Einflüsse des Geruchs auch im Geschmack. Zum einen
entdeckt man die süßen Malzschimmer. Auch die Vanille lugt
um die Ecke. Das Weizentypische lässt sich in keiner Phase leugnen.
Feste Hefeimpressionen bahnen sich selbstbewusst den Weg. Die Banane
steht so eindeutig vor des Trinkers geistigem Auge … es kann keine
Täuschung sein. Tabaknoten harmonieren gut mit dem Bitterhopfen.
Vor allem das Finish ist sehr geprägt von diesem Eindruck. Das
Fruchtige lässt sich aber nicht unterkriegen und feiert im Abtrunk
eine feine Hochzeit. Das Wasser ist weich. Die Kohlensäure jedoch
übertreibt es etwas, die Intensität ist sehr hoch. Schade.
Das trimmt die Süffigkeit natürlich etwas nach unten. Glücklicherweise
hat das aber keinen großen Einfluss auf das Gesamtbild. Dem Aroma
gelingt es vortrefflich, sich zu entfalten. Die Vollmundigkeit ist beeindruckend.
Der Geschmackskörper imponiert mit Weitläufigkeit, Facettenreichtum
und einem natürlichen Auftreten. Eine sehr kornige, weizige Note
liegt über allem. Die Sache wirkt ungemein urig, urwüchsig,
traditionell, herzhaft und voll. Jeder tiefe Schluck ist im wahrsten
Sinne des Wortes ein Mundvoll. Der Roggen steuert sicher viel zu dem
kernigen Charakter bei. Die Abstimmung wirkt sehr gelungen. Oft enden
diese Experimente in einer Sackgasse. Hier nicht. Das Brauhaus Rothenburg
versteht es hervorragend, die Zutaten zu einem Ganzen zu formen und
dabei die Individualität nicht auf der Strecke zu lassen. Das Bananenfruchtige
harmoniert mit den kornigen Noten vorzüglich. Die Vollmundigkeit
ist atemberaubend, man kann das Bier beinahe kauen. Dabei wirkt es niemals
völlend oder schwer. Eine gewisse Leichtigkeit behält es sich
vor. Der Hopfen strahlt herzhafte Bitternoten aus. Die Hefe hat Rückgrad
und Dynamik. Die Weizen-Roggen-Fraktion sorgt für richtig viel
Alarm. Das Malz ist mild, leicht angesüßt, gefestigt. Tolles
Bier mit viel Ausdruck, Eigenheit und Charakter. Mutig eingebraut. Handwerklich
anspruchsvoll umgesetzt. Dennoch mit Muße und Leichtigkeit zu
trinken. Aber auch der konzentrierte Schluck, das Hineinhorchen, das
Entdecken wird hier gefördert.
Fazit: Fördernd
Wertung: + + + + + - [t
04/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
Im Internet unter:
www.brauerei-rothenburg.de
PS: Vielen Dank an Thomas K. für die ausführliche
Bierzusendung fränkisch-württembergischer Spezialitäten.