Brauhaus Rothenburg Pilsner (4,8 %) 0,5er-Bügelverschluss-Flasche seit ? aus Rothenburg ob der Tauber, Schmidtsgäßchen 3-5, in Bayern:


Das schöne Rothenburg. Bekannt bis in den letzten Winkel Japans. Mit einer Bausubstanz gesegnet, die Mittelalter pur bietet. Die Bügelverschlussflasche aus dem Brauhaus Rothenburg greift das geschickt auf. Das Label reduziert auf das Wesentliche. Eine simple Brücke, scheinbar von hohem Alter, überspannt ein gemächlich dahin fließendes Gewässer. Das wirkt sehr archaisch und urig. Sehr ansprechend. Wie auch der Schaum, der sich wundervoll empor schraubt, mit feinsten Poren gesegnet ist und über einen Stand verfügt, der dem einer deutschen Eiche in nichts nachsteht. Der Geruch ist malzgeprägt, hat einen Hang zum Karamell, nicht zu süß, findet sich aber auch im grasigen Hopfen wider, der eine leicht ätherische Färbung aufweist. Insgesamt wirkt der Duft recht dezent, nicht aufdringlich, ausgewogen und rein. Die Farbe ist für ein Pils ungewöhnlich dunkel.
Ups. Deutlich wilder, als der Geruch angedeutet hat. Bitterwürziger Grundcharakter mit Spuren von Tabak und bittrem Treber. Holzige Einflüsse sind spürbar. Der Bitterfaktor ist überdurchschnittlich hoch. Das ist nichts für Neueinsteiger. Hier sind Steherqualitäten beim Genießer gefragt. Das Wasser ist außergewöhnlich weich. Die Kohlensäure streichelt sanft den Gaumen. Ganz im Kontrast zu dieser Milde das anspruchsvoll-würzige, extrem herzhafte Aroma. Der Hopfen ackert mit aller Macht und pflügt sich regelrecht durch die Geschmackspapillen. Steht hier einer auf extrem bittre Pilsbiere? Na dann bitte beim Brauhaus Rothenburg Pilsner zugreifen. Das ist Doldenhardcore. Hier greift der Hopfen erbarmungslos an, schaltet keinen Gang zurück, kennt nur eine Richtung: mit Vollgas nach vorne. Das wirkt natürlich auf empfindsame Gemüter unter Umständen etwas überfordernd. Das Bittre, Ledrige, Tabakartige, Herbe kennt keine Kompromisse. Der Hopfen verzichtet vollständig auf Liebliches, Warmes, Blumiges, Mildes. Hier wird konsequent der Bitterfaktor hochgehalten. Gut im Kontrast dazu steht das weiche, samtige Wasser in Verbindung mit der milden Kohlensäure. Auf jeden Fall ein Pils ganz eigener Machart, selbst gestrickt, individuell, eigen. Ein Bier für den kleinen Kreis, abgestimmt auf die lokalen Gewohnheiten und Präferenzen. Sicher ist der Geschmack nicht übermäßig schattiert und facettenreich. Das Aroma ist eigentlich recht schnell und einfach zu erkennen: es reduziert sich auf das Bittere im Hopfen. Das macht es aber sehr gut. Sehr würzig und herzhaft. Der Hopfen immer im Blick. Nur weit hinten im Finish keimt kurz eine ätherisch-grasige Nuance auf. Ansonsten bitter, herb, hopfig. Alles sehr natürlich und authentisch bei hoher Vollmundigkeit und kompaktem Auftreten. Einzig eine holzig-korkige Note im letzten Drittel passt nicht ganz so gut ins Bild und verhindert die 5.

Fazit: Bitteres Hopfenfest
Wertung: + + + + - [t 04/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
Im Internet unter: www.brauerei-rothenburg.de
PS: Vielen Dank an Thomas K. für die ausführliche Bierzusendung fränkisch-württembergischer Spezialitäten.