Brew Dog Trashy Blonde (4,1 %) 0,33-Flasche, seit ? aus Fraserburgh
in Schottland:
Die Schotten aus Fraserburgh überraschen immer wieder mit extrem
schrägen und unkonventionellen Bierkonzepten. Das Trashy Blonde
ist eine weitere Kreation, die mit bissigen, selbstironischen und
hintergründigen Kommentaren beschrieben wird. Die Essenz lautet:
„You know you shouldn’t“
Ein extrem fruchtiger Hopfenduft dringt in die Nase. Neben Citrusfrüchten
erscheint auch eine saure Aprikosenschicht untermalt von einer Spur
Passionsfrucht. Die sich aber kaum gegen die mächtige Grapefruitessenz
durchsetzen kann. Man. Wie kann ein Bier nur so riechen? Extrem schräg.
Der Schaum ist eine Wucht. Steht da, als gäbe es nichts Wichtigeres,
als die imposante Krone am Leben zu halten. Feinste Poren. Feste,
rasiercremeartige Struktur. Genialer Stand bei verblüffendem
Volumen. Das schmutzig-klare Blond des Bieres ist alleine eine Augenweide.
Das ist wirklich extrem. Unter einer mächtigen Citruslinie, die
vor lauter Limone und Grapefruit nur so strotzt und eine dermaßen
erfrischende säuerliche Note kreiert, dass einem die Backen nach
innen wandern, wird von einer hintergründigen Zuckernote geschmeidiger
gemacht. Ein Hauch Karamell. Etwas mehr harzige Nussigkeit. Extrem
abgefahren. Extrem anders. Keine Ahnung, wie die Schotten das machen,
aber eines ist klar, sie betonen, dass ausschließlich natürliche
Zutaten genutzt werden. Um diesen unglaublichen Geschmack zu erreichen.
Sicher ist hier die Vollmundigkeit nicht übermäßig
ausgeprägt. Dennoch ist das Aroma so dermaßen intensiv
und ausdrucksstark, dass einem die Luft weg bleibt. Supersauer. Extrem
citrusfruchtig. Überaus spritzig, lebendig und erfrischend. Für
konservative Bierpuristen vielleicht etwas zu weit weg vom Mainstream.
Aber das ist genau das, was die Jungs aus Fraserburgh anstrebern.
Anders sein. Und nicht nur anders, sondern auch besser. Und das gelingt
vortrefflich. Die Biere sind allesamt so intensiv, so eigen und stark,
dass man nur bewundert bemerken kann, dass hier etwas absolut Besonderes
und Richtungsweisendes am köcheln ist. Nicht umsonst haben die
schon drei 6er und mit diesem schon den dritten 5,5er eingesackt.
Ein Riesenkompliment in den hohen Norden. Da sind ein paar wirklich
begnadete Leute am Werk. Wie sonst kann es möglich sein, dass
ein Bier mit dieser relativ niedrigen Stammwürze solch ein Geschmackspotential
entwickeln kann? Limone. Grapefruit. Passionsfrucht. Aprikose. Dezente
Honigspuren. Schlank das Aroma. Weich und glatt das Wasser. Die Kohlensäure
dezent-rezent. Sehr hoch der Süffigkeitsfaktor, trotz einer ausgeprägten
Säure, die aber geschmeidig und harmonisch agiert. Aber seit
gewarnt konservative Geister. Dieses Bier ist nichts Weichgespültes.
Es zeigt Krallen, ist extrem anspruchsvoll und geht völlig andere
Wege. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als sich völlig
umzuorientieren. Allein diese Limonenschalenaromen … Wie spannend
Biertrinken doch sein kann. Brew Dog. The Alternative to the Alternative.
Fazit: Proud to be an alternative
Wertung: + + + + + -
[t 02/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter: www.brewdog.com