Brew Dog Rip Tide Twisted Merciless Stout (8,0 %) 0,33er-Flasche Brewed by Marting Dickie and James Watt in Aberrdeenshire seit 2007 aus Fraserburgh in Schottland:

“Merciless Stout” – nur für den Fall, dass jemand das nicht versteht: Merciless heißt: erbarmungslos. Das in Verbindung mit einem 8,0 starken Stout … das kann nichts Gutes heißen. Maschinenöl. Altes Maschinenöl würde so ins Glas laufen. Zäh, dickflüssig, zeitlupenartig. Pechschwarz wäre eine Beleidigung. Das Bier ist so dunkel, dass das abendliche Dämmerlicht rundum heller zu werden scheint. Der Schaum darüber ist so dunkel in seinem Braun, dass man zwei Mal hinschauen muss. Ich habe selten solch eine ultradunkle Haube gesehen. Nun. Das ist alles bis hierhin zwar extrem, aber noch im Rahmen das Normalüblichen. Was den Geruch angeht … spätestens hier wird es „merciless“. Ich muss noch mal schauen, sind es 8,0 oder 18,0 %? Nein, tatsächlich, auf der Flasche steht die 8 tatsächlich für sich. Dem Geruch nach hätte ich eher auf starken Wein getippt. - - Oh man. - - Was für eine Intensität. Was für eine Kraft. Das Ganze bohrt sich regelrecht in die Nase, ins Bewusstsein. Röstmalzdüfte in blockartiger, fester Form. Kaffeenoten, als würde man geröstete Bohnen vor meiner Nase zerreiben. Bitterschokolade … ich höre sie noch knacken. Stout in Paradeform. Trocken. Salzig. Bitterölig. Lakritzgefärbt und kautabakartig. Nichts helles, keine Lichtblicke. Alles dunkel, düster, feucht und kalt. Aber auch faszinierend und unheimlich anregend.
Kalter Kaffee. Das ist das erste, was mir einfällt. Flüssige Bitterschokolade mit höchstem Bitterkakaoanteil folgt. Salz. Viel Salz. Dazu Seetang. Schließt man die Augen, hört man Möwen vom Meer her schreien. Röstmalz. Knochentrocknes Röstmalz. Die Gerste muss tagelang gebrannt worden sein, um so trocken und kohleartig schmecken zu können. Streng. Asketisch. Messerscharf … fast messerscharf, denn eine ölige, teerartige Impression sorgt für etwas Dehnung und Entspannung. Weiter hinten noch eine medizinartige, phenolische Note und etwas grasiges, aber so grasig, als stünde das Gras unter LSD. Eie Spur Fichtennadelöl ist nicht fern. - - - Mein Gott, was ist das für ein Bier … es übt eine faszinierende Ausstrahlung auf mich aus. Es hat solch eine Dominanz und Stärke … verblüffend. Die einzelnen Geschmackslinien sind dermaßen intensiv und verbinden sich dann am Ende doch so selbstverständlich und klar. Das ist Kunst. Jeder Schluck ist wie eine Offenbarung, wiegt schwer, geht tief, wühlt auf, beruhigt. Dieses Bier ist mit normalen Maßstäben nicht zu messen. Das ist der eine unter Tausend. Völlig losgelöst von jeder Konvention geht dieses Stout unbeirrbar seinen Weg. Für Schwarzbierneueinsteiger muss das ein Schock sein. Selbst erfahrene Dunkelbiertrinker stoßen hier unter Umständen rasch an ihre Grenzen. Nur diejenigen, die offen und standhaft sind, erreichen das Innere. Belohnung in Form eines unerreichten Geschmacks wartet. Mokka. Schokolade. Lakritz. Teer. Seetang. Röstmalz in trockener Reinkultur. Salziges. Eichenholz. Schwarzbeerenfruchtiges in Zeitlupe. Süße Zuckerschimmer umschlungen von bittersten Hopfenfängen. Portwein. Whisky. Unglaublich brutal. Dann aber auch seltsam sanft und zugänglich. Oh man. Das ist definitive eines der abgefahrendsten Biere, das ich jemals getrunken habe. Anspruchsvoll. Anregend. Anders. Dickflüssig. Hopfenbetont. Malzschneidend. So trocken. So brennend. Holzkohleartig. Überwältigendes Bier. Und dazu noch das sympathische Outing der Brauerei:
“The BrewDog Promise: 1) To always make amazing beer and never to compromise on any level. 2) To put no preservatives, additives or any other junk in your beer. 3) To use only the finest fresh natural ingredients.”
Ich muss sagen, diese Braustätte erweckt mehr und mehr mein Interesse. Wer solch ein Bier braut, der muss entweder total bekloppt sein oder richtig was auf dem Kasten und Visionen haben. Ich weiß, dass von 10 Trinkern, die dieses Bier auf mein Anraten hin kaufen würden, 9 die Sache komplett in der Luft zerreißen würden. Ächz. Aber klar, das ist kein Massenbier. Das ist ein dunkler Juwel unter den ansonsten stinklangweiligen Stoutbieren. Ein Gebräu von aristokratischer, visionärer Machart. Geschmacklich so unglaublich tief und intensiv, dass einem bei jedem Schluck der Atem stockt. Ein Islay Scotch unter den Bieren. Die ultimative Havanna unter den Zigarren. Unglaublicher Genuss. Jeder Schluck eine nicht enden wollende Woge größten Genusses. Hier stecken so viele Aromen drin, dass ich noch eine ganze Stunde drüber rezitieren könnte. Aber da ich nur über eine kleine Flasche dieses Stouts verfüge, werde ich jetzt aufhören herumzuschwallen und den Rest dieses Bierdiamanten mit Muße und in Zeitlupe hineingenießen. Was für eine Dramatik. Was für ein Geschmack. Halleluja. Das möchte ich einmal trinken, wenn ich im Himmel bin.

Fazit: Zeitlupe
Wertung: + + + + + + [t 07/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen
Im Internet unter: www.brewdog.com
PS: Für die Englischgeübten noch ein Auszug des Labels:
„Brewdog: Man’s best Friend. Rip Tide.
Conceited, lurking. Tormenting, under the cursed shadows and flow
Creaking, twisting, haunting, wherever it may go
Conspiring, plaguing, besetting, deep under an eerie sea
Trapping, captivating, bewitching, they have no chance to flee
The undercurrent’s intensity rises, you can’t evade this nightmare
Be valiant, be steadfast be ready, try another sip if you dare
Serving Suggestion:
Pour into a glass and enjoy with an air of aristocratic nonchalance.”
Tja. Wer es wagt … der mag sich an dieses Bier herantrauen. Aber ich warne euch. Dieses Stout hat unkalkulierbare Nebenwirkungen …