Breznak Spezial Doppel-Doppel-Bock (10,0 %) 0,5-Liter-Flasche
seit 1753 aus Velke Brezno in Tschechien:
10,0 %. Eine für Tschechien mehr als ungewöhnliche Stammwürzekategorie.
Zumindest noch vor ein paar Jahren haben die Böhmen eher auf
Qualität als auf Brachialität gesetzt. Sicher gab es auch
Ausnahmen, wozu möglicherweise auch dieses Gebräu zählen
könnte, aber erst durch die Übernahme ausländischer
Weltkonzerne änderte sich die Brauszene spürbar.
Der Schaum müht sich, wölbt sich auch in den ersten Augenblicken
erstaunlich auf. Mit der Zeit werden die Poren aber zu groß
und schwer und sacken kraftlos in sich zusammen. Kein Problem bei
dieser Malzdominanz. Schön übrigens die beige Farbe, die
edel und markant ist. Das Rotbraunorangene darunter ist klar und tief,
schön anzusehen. Der Geruch ist malzgeprägt, sehr intensiv,
bockbierartig, aber nicht zu kraftvoll. Eine versteckte Eleganz ist
zu entdecken. Likörartiges, Scharfes trifft auf nussige Impressionen.
Das wirkt überraschend schlank und flott.
Nussig-schwer der Antrank Hier ist die Gersten-Voll-Versammlung am
Werk. Ein Bockbier. Ein Doppel-Bockbier. Das wird sofort klar. Und
wenn man genau hinschmeckt, dann spürt man auch das Doppel-doppe-Bockbier
problemlos. Interessant dabei, dass die unglaubliche Stärke in
ein sanftes Kleid gepackt ist. Nicht schiere Gewalt, sondern eine
dezidierte, hintergründige Power kennzeichnet dieses Gebräu.
Würde man einem Unwissenden diesen Trank vorsetzen, die Wahrscheinlichkeit,
jemand würde auf 10,0 % tippen, wäre sehr gering. Das verblüfft.
Die Böhmischen Biere waren in den letzten Jahren keine Garanten
mehr für gute Tränke. Und gerade neue Sorten enttäuschten
oft auf ganzer Linie. Wo wir wieder am Anfang der Fragestellung wären
… hier ist die Sache erstaunlich klar, rein, kristallin, nachvollziehbar
aufgebaut, stimmig und fast mild ausgelegt. Wasser und Kohlensäure
überzeugen vom ersten Schluck an. Der Geschmackskörper ist
erstaunlich schlank, kompakt und elegant bei scharfem Umriss. Das
Malz gibt die Richtung vor. Angenehmerweise setzt aber auch der Hopfen
markante Bitterglanzpunkte. Nicht immer greift da ein Rad perfekt
ins andere. Aber im Großen und Ganzen ist dieser Doppel-Doppel-Bock
verblüffend gutmütig, süffig und sanft. Nussig-malzig-markante
Gerstennoten sind die Mitte. Drum herum drapiert bittere und im Wechsel
feinherbe Momente. Keine großen Experimente, nichts sich zu
sehr verzweigendes. Relativ klare Linien bei größtmöglicher
Transparenz. Vielleicht gehen die Leute der Breznak-Brauerei ja doch
ihren eigenen Weg und lassen sich nicht einfangen. Auch wenn man die
Sorten immer wieder in deutschen Super- und Getränkemärkten
für wenig Geld entdeckt. Auf jeden Fall überzeugt auch dieses
Starkbier. Wie auch schon die beiden anderen Typen. Und sieht man
sich mal den Knilch auf dem Etikett genauer an, so wird einem gleich
warm ums Herz, denn der hat großen Durst und es schmeckt ihm
richtig gut. Ähnlich geht es mir zum jetzigen Zeitpunkt. Zwar
ist mein Haar noch etwas voller und auch die Backen sind schlanker.
Ansonsten könnte man meinen Gesichtsausdruck eins zu eins kopieren.
Herrliches Bier voller Urgewalt und filigranen Spuren. Wundervoll
das Nussige, das sehr ausgeprägt und authentisch ist. Das Malz
gräbt sich tief ein in die Sensorik. Formidabel das Wasser, so
weich und samtig. Auch die Kohlensäure verdient größtes
Lob. Fein abgestimmt. Elegant verbunden. Die Zutaten gefestigt und
reif, sie übertreiben nicht, stellen ihr Licht aber auch nicht
unter den Scheffel, ein Aufmerksamkeit erzeugendes Selbstbewusstsein
ist bei jedem Schluck zu spüren.
Dachte ich zu Beginn: Dieses Bier trinke ich niemals leer –
weil zu stark – so bin ich mittlerweile beim letzten kleine
Glas. Und es schmeckt mir besser als je zuvor. Mit jedem Schluck wird
die Rasanz und Kompaktheit größer. Das Aroma schaufelt
sich frei. Der Geschmack zeigt Prägnanz, Exaktheit und Homogenität.
Gewinnend ovr allem diese Schlankheit und Offenheit, dieses Selbstverständliche
und Normale … bei solch hoher Stammwürzezahl. Kein Ziehen
in der Backe. Kein Verzerren der Gesichtsmuskeln. Alles fließt
glatt und sauber und schreit nach mehr. Vielleicht solle gewarnt sein
vor diesem Bier. Die Süffigkeit und der Abtrunk sind gefährlich
rasant. Ich tu es aber nicht. Viel zu lecker und klar schmeckt dieser
Böhmische Doppel-Doppel-Bock-Bierhammer. Mögen alle Nach-Mir-Kommenden
sich selbst ein Bild machen und dieses Bier aufsaugen. Und am Ende
entdeckt man dann noch, dass auf der Rückseite der Flasche eine
ganze Geschichte auf deutsch geschrieben steht:
„Breznak Doppel-Doppel-Bock Hell. Das ist ein Stöffchen,
meine Damen und Herren! Hell, mild und weich und trotzdem vollmundig.
Nach den ersten Schlucken möchten Sie immer weiter trinken. Aber
Vorsicht! Schon eine Flasche kann berauschen. Vielleicht ist dies
der erste Doppel-Doppel-Bock der Welt. Auf jeden Fall hat er 21°
Stammwürze und 10,0% Alkohol.“
Na denn. Bescheidene Worte. Enorme Wirkung. Man sollte beim Genuss
unbedingt darauf achten, im Umkreis von 10 Metern ein Bett bereit
stehen zu haben. Eine Flasche geht ja gerade noch. Aber aufgrund der
verführerischen Rezeptur ist die zweite definitiv nicht weit.
Und spätestens da wird es kritisch. Ein bewegendes Bier. Im wahrsten
Biersinne des Wortes. Man schwankt und wogt.
Fazit: Bewegendes Bier
Wertung: + + + + + - [t
04/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt,
Hopfen