Budweiser, svetle Budejovicky Budvar, 4%, aus Budvar in der Tschechischen Republik
Dank meiner herzensguten Freundin aus Prag habe ich heute das seltene Glück, ein Original Budejovicky Budvar in den Händen halten zu dürfen, das gute alte Pivo aus Budvar, ein svetle Budejovicky Budvar – das wahre, das echte und dasjenige aus Tschechien. Mann, es ist weiß Gott nicht Weihnachten, aber genau so fühle ich mich jetzt. Lautes Herzklopfen – Baldrian muss her. Die Etikette sieht ja umwerfend aus: Alles mit diesen Akzenten und sonstigen Zeichen geschrieben. Räusper, ich gestehe: Außer Pivo verstehe ich kein einziges Wort tschechisch, aber nichtsdestotrotz wage ich mich an der Lektüre der Etikette. Vorderseite: hmmmhmmmmhmmmm, ok. Rückseite: Wow: Das internationale DOP-Zeichen, den Rest kann ich ja eh nicht entziffern. Ich lese weiter und unterdessen bin ich bei den Zutaten angelangt, bis hierher soweit alles in Ordnung ...Moment mal, was soll denn das? (...)Antioxidant E300(...). Ich traue meinen Augen nicht, nein, das kann nicht wahr sein,
in meinem tschechischen Kultbier ein E300? Ich schlage sofort die Fachliteratur auf: E300 = L-Ascorbinsäure = künstlich hergestelltes Vitamin C. Ich lese weiter: (...)Üblicherweise wird Ascorbinsäure / Vitamin C heute in einem mehrstufigen Prozess synthetisch hergestellt (Reichenstein-Prozess). Inzwischen ist es möglich, auch gentechnisch veränderte Mikroorganismen einzusetzen. Dadurch wird das Herstellungsverfahren erheblich vereinfacht.(...) Jetzt bin ich völlig baff, ein Alptraum. Ey, kann es sein, dass nach der ewigen Diskussion zwischen Budweiser und Budweiser die Kerle aus Budvar sich einfach einen Scherz der ganz üblen Art erlaubt haben? -- Gut, wie gesagt, ich verstehe wirklich nur ein einziges Wort tschechisch und es ist durchaus möglich, dass ich das Ganze ja falsch verstanden habe. Jetzt aber erst recht den Deckel ab. Voller Erwartung schnuppere ich an der geöffneten Flasche: Ein bisschen Gerste, Korn und Rohrzucker. Das svetle pivo – inzwischen weiß ich, das svetle süß bedeutet – ist im Glas und es wird von einem ordentlichen Schaum bedeckt. Mist!, warum muss gerade jetzt das blöde Telefon klingeln? ...Ich mach’s extrem kurz und nach ca. 15 langen Sekunden bin ich wieder bei meinem Hopfensaft aus Budvar. Unterdessen ist der Schaum vollkommen weg. Nix mehr ist da. Nur ein nacktes Bier oder besser: Ein Topless-Bier schaut mich frierend an. Die Budweiser-typischen Gerüche sind hier, wenn auch in einem stark reduzierten Maß. In Anbetracht dessen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben ein direkt in der Tschechischen Republik erstandenes Budweiser in meinem Glas habe, verlange ich nun das volle Programm – jawohl, ich will es wissen, und zwar ganz genau. Na ja, und was folgt? Ein auf international getrimmtes Bier. Anders kann ich diese Plörre beim besten Willen nicht nennen. Vom sprichwörtlichen, weltberühmten und ultraweichen Wasser ist absolut nichts zu spüren – im Gegenteil. Die Kohlensäure ist zu dominant und hauptverantwortlich für viele nicht stubenreine Geräusche. Das Budweiser fließt mehr oder weniger problematisch die Kehle runter. Hie und da wieder Gerste, Korn und Zucker, ab und zu ein lauter Knall, der aus dem Magen kommt und am Schluss nichts, weder im Mund noch im Gaumen noch im Rachen. Gähnende Leere – überall. Soll ich zu guter Letzt noch etwas zum Thema Globalisierung beifügen? Lieber nicht.
Fazit: Ausgeträumt
Wertung: + + [i 05/06]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Nicht mehr
Inhaltsstoffe: E300, den Rest kann ich nicht lesen
Budweiser Hell 4,0% Vol. aus Budweis/Böhmen in Tschechien:
Dieses äußerst leckere Budweiser Bier unterscheidet sich hauptsächlich insofern von seinem phantastisch guten Bruder, indem es bei der Zubereitung mit erheblich weniger Zucker versehen wird. Dies hat zur Folge, dass sich der Gährungsprozess etwas gedämpfter auswirkt und das Bier letztlich etwas milder wird. Dennoch hat es immerhin 4% Vol. und ist somit sicherlich nicht mit einem Light Bier - auch Offlinesurferbier genannt - zu vergleichen. Doch obwohl dieses Bier so außerordentlich mild ist besitzt es einen ungewöhnlich starken Charakter. Typisch süßlich-herb wie es nun mal ein gutes Tschechisches Bier verkörpert und der Geruch sehr fruchtig sowie gehaltvoll, aber angenehm das Ganze. Die Farbe erinnert an ein starkes Export - recht dunkel eben - und der Geschmack erinnert an das Volumen einer ausladend gedeckten Ritterfesttafel nach einem erfolgreichen Kreuzzug. Doch kann man nicht oft genug erwähnen, dass das Bier nur 4,0% Vol. hat und den Trinker somit in blankes Erstaunen versetzt. Wie ist das möglich? Ganz einfach. In dem man allerbeste Zutaten seit über 700 Jahren mit Liebe und Sorgfalt zu einem Gedicht der Braukunst verwandelt. Nicht überall sind die Zutaten so exzellent, dass solch ein Ergebnis zustande kommen kann. In Böhmen offensichtlich schon. Wie schön, denn ich habe hier noch ganze 5 Wochen Aufenthalt vor mir. Also ehrlich Freunde, dieses Bier ist der absolute Klotz. Falls also jemand nach Tschechien kommen sollte und Lust hat ein echtes Böhmisches Budweis zu trinken, gönnt Euch auch mal eines mit dem "blauen" Flaschenetikett. Es lohnt sich. Sehr sanft, aber immer noch ein riesen Geschmack dahinter.
Prädikat: Der sanfte Riese
Wertung: + + + + + +  (pat 06.01)
Budweis: Tschechisches (!) Geniesserbier vom Fass und aus der Flasche (+ aus der Dose von der Tanke). Wußten Sie, daß Budweiser Bier nicht aus Amerika kommt!? Yeah. Es kömmet nämlich aus Budweis, Böhmen, Tschechien. Ätsch. Listen Amerikans! Nettes altes Städtchen. Mit einem riesigen Marktplatz zwischem verwittertem Stein auf dem im Sommer viele Tische und Stühle und Kneipen zum Biertrinken einladen (und die Tschechen über die Yankees grinsen). Aber auch in kalten Jahreszeiten regen die emsigen böhmischen Bierhallen zum verweilen und Bierkonsumieren an. Wer die Chance hat halte und schaue sich diesen wunderbaren Sündenpfuhl an.
Prädikat: Besonders wertvoll.
Beruhigt, regt zum denken an, bolzt, weicher, perlender Abgang. Nötigt zum Trinken, läßt nicht los. Nazdravi.
Wertung: + + + + + +