Calanda Lager hell, 4,8%, seit 1780 aus Chur in der Schweiz

Seit längerer Zeit befassen wir uns mit der Frage, was die Schweiz in Sachen helle Lagerbiere so alles trinkt. Um genauer zu sein; wir wollten wissen, wie all die Biere mit den jeweiligen klangvollen Markennamen schmecken, die in Schaffhausen, Basel oder in Lugano erhältlich sind. Kurz: Was lassen unsere helvetischen Nachbarn so alles durch ihre Kehlen fließen? --- Nun das Bier aus dem Kanton Graubünden – der Kanton mit den imposanten Bergen und Tälern, den Menschen mit dem kernigen Dialekt, den köstlichen Rebensäften und den knorrigen Steinböcken. Folglich prägt ein stilisierter Steinbock die Etikette. Also. Calanda. Eine weitere Marke im Heineken-Portfolio. ---Schreiten wir zum Flaschenöffner hinüber. Die nun offene Halbliterflasche offenbart ausgeprägte, frische und typische Gerste- und Hefenoten. Im Glas duftet das hellgelbe und glasklare Bier frisch und anregend nach Süßwaren und aromatischer Gerste mit flüchtigen Hefenoten. Eine schöne Pérlage unter dem ultra-weißen Schaum. Im Antrunk wirkt das Bier potent und vollmundig. Geschmacklich ist es eher neutral und trocken. Das Bier hat einladende, flüchtige und delikate Gerste-, Hefe- sowie trockene Hopfennoten. Das Wasser und die Kohlensäure sind auf der stärkeren Seite. Irgendwo kommt eine Spur von Bitterorangen auf. Eine dezente Bitterkeit umhüllt den Mundraum. Alles in allem wirkt das Calanda weit gehend neutral und behäbig. Es hinterlässt keine negativen Eindrücke, aber auch keine bleibenden Erlebnismomente. Trotz dem kräftigen Körper wirkt das Bier etwas wässerig und dünn geraten – irgendwie fehlt hier eine tragende, essentielle Komponente. Gewiss, das Bier ist technisch einwandfrei gemacht. Unbestritten, den Jungs von Heineken muss in Sachen Brauen wohl nichts gesagt werden. Aber warum bloß brauen diese Spitzenprofis solche Biere? Ich sehe schon, die Marketing-Strategen haben hier das Sagen. Leider. Das ist offensichtlich das Resultat. Ein Bier für alle. Meine bessere Hälfte motzt bereits, warum ich so oft am Rülpsen bin. So betrachtet erinnert mich das Calanda an das italienische Drehen aus Süditalien (siehe Test http://www.bier1.de/DreherLager.htm). Ist denn unsere Bierwelt bereits so globalisiert? --- Der Abgang ist kurzlebig. Die verschiedenen Aromen kommen wieder gebündelt daher und die finale Bitterkeit verhüllt das Ganze. Dann ist wieder gähnende Leere.

Fazit: Früchte des Marketings
Wertung: + + + - [i 05/08]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja
Inhaltsstoffe: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter: www.calanda.ch

Die getesteten Biere im Überblick:
Feldschlösschen, Original Lager hell, Rheinfelden/KantonAargau + -
Falken, Lagerbier hell, Schaffhausen/Kanton Schaffhausen + + + + +
Müller, Lager Hell, Baden/Kanton Aargau + + + + +
Eichhof, Lager Hell, Luzern/Kanton Luzern + + + -
Rugenbräu, Lager hell, Interlaken/Kanton Bern + + + + +
Calanda, Lager hell, Chur/Kanton Graubünden + + + -
Adler, Lager hell, Schwanden/Kanton Glarus + + + + -
Denner, Lager hell, Hochdorf/Kanton Luzern -folgt-
Appenzellerbier, Lager hell, Appenzell/Kanton Appenzell -folgt-
Sonnenbräu, Lager hell, Rebstein/Kanton St. Gallen -folgt-
Egger, Lager hell, Worb/Kanton Bern -folgt-
Schützengarten, Lager hell, St. Gallen/Kanton St. Gallen + + + + + -

PS: Wir bedanken uns nochmals bestens bei Herrn Hofmann, Geschäftsführer des Rio-Getränkemarktes in Wetzikon, der uns für diese Testserie mit seinem Wissen, mit seinen Ratschlägen und last but not least mit seiner beeindruckenden Biervielfalt im Angebot tatkräftig unterstützt und inspiriert hat.


Calanda Lager, 4,8%. Die Brauerei Calanda in Chur im Kanton Graubünden in der Schweiz:

Die Brauerei hat seit 1780 den elften Namen, Heineken hat sie übernommen. An diesem Bier ist alles dran, jedoch findet man nichts ungewöhnliches, etwas Malz und etwas Hopfen, kein Bier von ausergewöhnlicher Qualität, einfach ein Bier welches man immer trinken kann. Der Schaum, hält sich auch nicht gerade lang, fällt rasch zusammen, bei langsamen Geniessern ist er weg bevor das Glas leer ist. Es gibt Leute die sagen, es sei ein Furzbier, dem kann ich zustimmen, es kann Winde geben, wenn man ein paar Glas getrunken hat.
Aber trotzdem, in den Bergen, beim Wandern, Skifahren oder Schlitteln darf ein Calanda nicht fehlen. Nichts schöneres als von der Berghütte den Blick zu den Bergen schweifen lassen und ein Calanda trinken. Der Hintergrund ist das Weisshorn, nicht der Calanda, aber auch ein schöner Berg.

Fazit: Ein Bier ohne Berge
Note + + + + (u 03/05)