Celler Weißbier (5,2 %) 0,5er-Bügelverschluss-Flasche,
Brauerei Carl Betz, Gründungsjahr 1893 aus Celle in Niedersachsen:
„In der alten Herzogsstadt Celle brauen wir streng nach dem Deutschen
Reinheitsgebot von 1516 mit den Zutaten Brauwasser, Gerstenmalz und
Hopfen. Die Celler Biere zeichnen sich durch unverfälschtes, frisches
Aroma aus. Sie sind unbehandelte Naturprodukte (z.B. keine Kurzzeiterhitzung,
Pasteurisation). Dafür nehmen wir eine etwas kürzere Mindesthaltbarkeit
in Kauf. Wir sichern frische Qualität und schonen die Umwelt durch
kurze Wege.“
Die wunderschöne Residenzstadt mit einem fast vollständige
erhaltenen Fachwerkstadtkern und dem Residenzschloss ist eine Reise
wert. Schnucklige Gasse, schiefe Fachwerkhäuser, uraltes Kopfsteinpflaster,
zahllose historische Bauten, das stolze Renaissance-Rathaus …
fantastische Atmosphäre, man fühlt sich um Jahrhunderte zurückversetzt.
Etwas abgelegen, aber unheimlich sehenswert. Auffallend aber, dass das
Celler-Bier auf so gut wie keinem Ausschankschild der zahlreichen Kneipen
erscheint …
Opulenter Einfluss. Schaum en masse. Der weicht selbst nach dem Intro
von „The Pot“ keinen Millimeter. Wie soll ich das alles
ins Glas bekommen? Farblich ist das Ganze recht dunkel aufgebaut. Der
Geruch ist säuerlich-hefig mit einer Karamellspur, die nicht ganz
frei ist. Insgesamt recht schlank im Duft. Nichts, was einen vom Hocker
reißt, es bereitet aber bis hierher auch keine Enttäuschung.
Mal schauen (!), wie es schmeckt.
Überraschend süße, fast klebrige und sirupartige Nuancen.
Der Antrank ist voll davon. Zwar steuert eine strohige Weizennote und
eine leicht säuerliche Hefe dagegen, jedoch mit wenig Erfolg. Ein
Weizen, dem die Kompaktheit, Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit
des eben im Vorfeld getesteten Ottenbräu fast komplett fehlt. Die
Abstimmung ist lange nicht so gelungen. Die Zutaten wirken nicht so
vertraut und natürlich. Der Geschmack ist zäher, gebundener.
Dabei ist das Wasser angenehm, die Kohlensäure zwar agil, dennoch
kontrolliert-rezent. Ein etwas belegter, trockner Hauch dimmt das Finish
unnötig. Vereinzelte Zimtspuren sorgen da schon für bessere
Stimmung. Der Weizen bleibt dafür etwas zu stark im Hintergrund.
Die Hefe wirkt diszipliniert, gut formiert, aber auch etwas steif, nicht
steril, aber doch etwas unterkühlt. Der Hopfen steuert ein paar
nicht ungelungene Bittermomente hinzu. Nun. Sicher ist es nicht fair,
ein Weizen nach solch einem Kracher wie dem Ottenbräu zu testen,
da hätte es jedes Bier schwer, und in der Tat bessert sich der
Eindruck des Celler mit der Zeit. Das vorliegende Hefe ist sicher kein
schlechtes Weizen, keinesfalls, die Süffigkeit ist ordentlich,
die Vollmundigkeit weizentypisch intensiv, der Geschmackskörper
durchaus anregend. Die Harmonie der Zutaten ist guter Durchschnitt,
die Süße mit persönlich etwas überbetont.
Es wäre ein leichtes, diesem Bier in diesem Moment mit der kurzen
Vorgeschichte eine 3,5 zu geben, aber das wäre wohl nicht ganz
wirklichkeitsnah, drum ist die 4 schwerer.
Fazit: Schwerer
Wertung: + + + + [t 09/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Inhaltsstoffe: Wasser, Gersten- und Weizenmalz, Hopfen,
Bierhefe
Im Internet unter:
www.celler-bier.de