Celt Bleddyn 1075 Crafted Ale (5,6 %) 0,5-Liter-Flasche, gegründet
September 2007 in Caerphilly in Wales:
Dieses Bier ist nach einem der einflussreichsten Walisischen Könige:
Bleddyn ap Cynfyn, der 1075 starb, benannt. Traumhaft schön das
Label. Pechschwarz. Reduziert. Edel. Und dann diese Blutrot-glänzende
Schrift. Wahnsinn. Ich finde, das sollte man nicht trinken, das sollte
man SEHEN.
Anmutig geformt der Schaum. Sahnig. Cremig. Feine Struktur. Das Volumen
gefällt. Der Stand hat es in sich. Darunter ein kräftiges
Gelb, das mit einigen Braunschimmern klar im Glas ruht. - - Was für
ein Geruch. Was für eine Show. Welch Intensität. Das ist Citruspower
pur. Grapefruit. Limone. Ohne Ende. Ein Rosen-Kirsch-Hauch, mild und
wohlig, blumig-dumpf, sorgt für leichte Betäubung. Ein süßer
Ingwerton ist feinfühlig und kraftvoll zugleich. Weit hinten in
phänolischer Hauch, angenehm, schwach medizinisch, griffig. Ein
paar ätherische Öle finden sich noch ein. Und man möchte
eigentlich nur schnuppern, immer und immer wieder. Also halten wir fest:
erst wollten wir das Bier SEHEN. Jetzt RIECHEN. Bevor es wirklich auf
diese Art und Weise verschwindet, sollten wir es auch TRINKEN.
Ist das satt und ziehend. Was für ein IPA-Pfund. Citrus ohne Ende.
Grapefruit. Ingwernoten. Limone. Orangen. Dazu aber ein blumiger, rosenartiger,
parfümangehauchter und mit Kirscharoma verfeinerter Unterton, der
es in sich hat. Welch Intensität und Authentizität im Geschmack.
Welche Vielfalt. Welch Ehrlichkeit und vollendete Individualität.
Natürlichkeit. Zutaten, die vor Spielfreude und Dynamik überborden.
Ungestüm. Schwungvoll. Etwas Nussiges an der Basis. Ein leicht
harziger Hauch durchgängig als Untermalung. Das Ätherische
zwar mild und ausgewogen, dennoch prägend; ein wohlig-brennendes
Gefühl in der Speiseröhre ist das lang anhaltende Geschenk.
Klar, fein, rein und weich das Wasser. Die Kohlensäure sehr dezent,
dennoch rezent. Eine vorzügliche Basis. Der Geschmackskörper
ist selten facettenreich und spielfreudig. Die Rohstoffe wollen, sind
motiviert, wissen, um was es geht. Ein Walisisches Aromapfund, das man
erst einmal verdauen muss. Nichts für jene, die nach glatten Feierabendbieren
schielen. Das hier ist anspruchsvoll, eingreifend und so voller Würze
und Herzhaftigkeit, dass es nicht nur der Speiseröhre warm wird,
sondern auch ums Herz herum. Die kräuterartigen Impressionen, das
Blumenwiesenartige sollte nicht vergessen werden zu erwähnen. Der
Hopfen ist unglaublich gut in Form. Das Blumige im Verbund mit der famosen
Citrusfruchtigkeit ist kaum zu toppen. Das Malz verhält sich sehr
clever. Hält sich zurück. Erkennt die Einmaligkeit und Klasse
des Hopfens an. Ist aber selbstbewusst genug, die eigenen vorhanden
Stärken gewinnbringend hinzuzufügen. Eine dezente Süße
und feine Karamellnote sind das Ergebnis. Hinzu kommt noch die Vollmundigkeit,
die Dichte, die aufgrund der hohen Strammwürze nicht wundern, hier
aber sich enorm behutsam und doch nachhaltig entfalten. Nicht mit der
Dampfhammermethode, sondern immer und immer wieder. Gleichmäßig.
Tolles Bier. Enorm erfrischend und raffiniert aufgebaut. Die fruchtige
Bitterkeit ist fatal. Die unglaubliche Süffigkeit in Umarmung der
kaum zu zeichnenden Aromatiefe ist im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend.
Denn hätte ich nicht nur diese eine Flasche zur Verfügung,
sondern einen ganzen Kasten, ich würde den Testabend sofort abbrechen
und mich diesem Walisischen Aromapfund widmen. Ausschließlich.
Denn solch eine Besonderheit, solch eine leckere Raffinesse findet man
äußert senden, die so edel, schlank, voll, spannend und ergiebig
wirkt. Neben der Grapefruit und verwandten Citrusaromen gefällt
vollen die blumig-erdige Ingwernote ungemein sowie das Malz, das so
dezent, zurückhaltend und doch tiefgründig auftritt, dass
einem kaum Zeit bleibt, die Zunge in die richtige Richtung schnalzen
zu lassen. Das gönne ich den verantwortlichen Walisern enorm, die
sich auf natürliche Rohstoffe, sauberes Auftreten und ein Schonen
der Umwelt verbunden fühlen. Klasse Outfit. Begrüßenswerte
Philosophie. Geiles Bier.
Fazit: Walisisches Aromapfund
Wertung: + + + + + + [t
02/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter:
www.theceltexperience.co.uk