Coral Cerveja (5,2 %) seit ? aus Kap Verde:
Ich habe mich extra nochmals schlau gemacht, ob Kap Verde auch wirklich ein eigenständiges Land ist: „Kap Verde ist einer der kleinsten Staaten Afrikas. Die abgelegene Inselgruppe im Atlantik ist aufgrund fehlender Rohstoffe und ungünstigen Klimaverhältnissen sehr arm. – Der Name leitet sich von dem senegalesischen Kap Verde ab, de mwestlichsten Punkt des afrikanischen Festlandes. Die Kapverdischen Inseln sind dem „Grünen Kap“ (portugisisch: Cabo Verde) in einer Entfernung von rund 700 KM vorgelagert. Staatliche Souveränität seit 1975. Staatsform: Republik. Hauptstadt Priaia, 83.000 Einwohner“ Dachte immer, dies wäre noch einer der Portugiesischen Vorposten. Aber dieses Land steht tatsächlich unter eigener Verwaltung.
Dieses Bier das bisher vielleicht exotischste, da man es in Deutschland nicht bekommt. Dass auf dort überhaupt Bier gebraut wird, wußte zumindest von den Henkelrittern niemand. Um so größer ist die Spannung bei diesem Test.
Die Flasche hat nur 0,25 Ltr. zum Inhalt. Zum Glück sind zwei vorhanden. Das Etikett deutet auf den Ursprung des Bieres hin und ist nett gestaltet. Der Geruch ist recht stark. Man vermutet Mais. Das Malz ist dominant. Ein süßlicher Ton mengt sich bei. Der Schaum ist etwas schwach auf der Brust. Die Farbe geht mehr oder weniger ins hellere Gelb. Das Wasser ist sicher nicht sonderlich weich und geschmeidig. Die Kohlensäure prickelt etwas zu stark, übertreibt es aber nicht. Das Aroma ist klar malzig. Nicht zu sehr gezuckerst, wirkt aber doch recht süß. Gleichzeitig hat es etwas dumpfes, fast schweres an sich. Das Malz hat zwar eine ganz ordentliche Struktur. Doch schaffen es die Zutaten nicht, als Einheit aufzutreten sondern verzetteln sich etwas und wirken nicht sonderlich harmonisch. ABER! Genug der Kritik. Wir haben hier ein Bier aus den endlosen Weiten des Atlantiks vor uns. Eine Rarität, die man gar nicht hoch genug schätzen kann. Ganz ehrlich. Wer hat schon mal ein kapverdisches Bier getrunken?! Selbstredend, dass es mit klassischen mitteleuropäischen Getränken nicht mithalten kann. Aber muss es das? Immerhin gelingt es dem Coral, ein Biergefühl heraufzubeschwören. Nicht übermäßig voll im Geschmack oder filigran im Aroma. Aber doch Bier genug, um hier keine Mangelerscheinungen entstehen zu lassen. Vielmehr gibt es einige andere halbexotischen Typen, die sich vom Coral durchaus noch eine Scheibe abschneiden könnten. Denn hier wird ein relativ reines, einfaches, störungsfreies Geschmacksbild geboten. Etwas zu süß und kantig vielleicht, auch etwas wässrig, trotzdem süffig und erfrischend.
Wenig Info auf der Flasche. Schade. Und das vorhandene in Portugisisch, was ich fließend spreche. Drum komme ich mit den Inhaltsstoffen nicht ganz klar und kann nicht bestimmen, ob es nach dem Reinheitsgebot abgemischt ist oder nicht. Ist mir letztendlich auch egal. (Stop! Eben sehe ich, dass es nur drei Zutaten sind. Also. Reinheitsgebot eingehalten!) Ich mach mich jetzt locker, lehne mich zurück und genieße nur noch dieses Bier. Auch wenn es kein Überflieger ist, eines ist klar: An solch eine Rarität komme ich so schnell nicht mehr heran. Vielen Dank, Tausend Dank an dieser Stelle an Jürgen O. und Markus H., die mir dieses Bier besorgt haben. Land Nr. 83! Und liest man, welche Mühen es die Einwohnern kostet auf diesen wasserarmen Inseln überhaupt an Wasser zu kommen, ist denen mein doppelter Respekt gewiß. Andererseits; Bier braucht jeder.
Eines weiß ich. Sollte ich mal über den Kap Verde abstürzen oder dort Urlaub machen, ich werde mich erst gar nicht auf irgend ein Importbier einlassen. Ich werde mich locker unter eine schmucke Palme in den weichen weißen Sand kutschen, wie hypnotisiert den Wellen lauschen und bewegungslos übers Meer in den blauen Horizont blicken. Meine Linke läßt feinen Sand und Muschelsplitter durch die Finger rieseln, meine Rechte hält ein kühles Coral fest umschlossen. Wenn der Durst übermächtig wird, führe ich die Flasche an die Lippen und lasse das kühle Naß in mich hinein fließen. Herrliche Vision. Zumal dieses Bier sich wirklich nicht zu verstecken braucht. Geringfügige bis mäßige Mängeln in ein paar Sektoren. Aber unterm Strich ist es gut trinkbar und verzichtet vollständig auf Aromen, die stören oder nerven. Man sollte es vielleicht nicht unbedingt auf dem Oktoberfest als Starkbier ausschenken. Da würde man sicher einen Maßkrug zwischen die Augen bekommen. Aber als Urlaubsbier fast schon klassisch gut. Kompliment an die wasserarmen Kapverdischen Brauer. Eine drei kann man sicher geben.
Fazit: Land Nr. 83 ! !
Wertung: + + + (t 11/03)
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Nein
Zutaten: Agua, Malte, Cereais e Lupulos de Qualidade
PS: Vielen Dank an Jürgen O. und Marko H. aus Glattbach. Vor allem letzterem sei Tausend Mal gedankt. Wie zum Teufel soll man hier an dieses Bier kommen?