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| Darmstädter Zwickel (4,8 %), Darmstädter
Privatbrauerei Wilhelm Rummel GmbH und Co.KG, seit 1847 aus Darmstadt in
Hessen: Ein Zwickel aus der hessischen Kultur- und Jugendstilstadt Darmstadt. Ob das Tradition hat? Die Bügelflasche auf jeden Fall macht eine gute und urige Figur. Eine Mischung zwischen moderner Altertümlichkeit und dezentem und gelungenem Outfit. Lassen wir es ploppen. (Und das tut es richtig gut.) Malzig gefärbter, leicht wilder und doch gemäßigter Geruch. Der Schaum ist nicht die Wucht, macht aber keine schlechte Figur. Sehr helle, dünn, wenn auch leicht naturtrüb eingefärbt, wirkende, schmutzigbraune Farbe. Lebendigs, spritziges, erfrischendes Bier. Malzig-erdig (seltene und ungewöhnliche Mischung jedoch gelungen), trocken, leicht, im Abgang mit einer bitter-fruchtigen Note. Abwechslungsreich und kurzweilig. Dazu ein Wasser, das unbeschwert wirkt und eine Kohlensäure, die trotz aller Frische und Spritzigkeit nicht über das Ziel hinaus schießt. Hinzu kommt noch eine ungewöhnliche Einheitlichkeit und Harmonie für ein Zwickel, das ja normalerweise eher für eine raues, unfertiges, dafür spannend-sprödes Geschmacksbild bekannt ist. Beim Darmstädter wurden die Ecken und Kanten größtenteils aus dem Weg geräumt, ohne dabei ins flaue abzugleiten. An Vollmundigkeit und Tiefe lässt es zwar etwas missen, aber trotz allem hat man ein gutes Gefühl beim Trinken. Hätte man diesem Südhessischen Vertreter gar nicht zugetraut. „Jetzt neu in der Bügelverschlussflasche! Erleben Sie den edlen Plopp-Genuss (?!?) ! Darmstädter Zwickelbier! Bitte bei 8-12 C° kühl und dunkel lagern. Flasche vor dem Öffnen bitte einmal kippen!“ Viele Ausrufezeichen. Sicher nicht die Krönung der Dichtkunst. Dafür ist das Bier nicht übel. Etwas unterkühlt im Charakter, dafür relativ glatt und rund, süffig und ausgewogen. Für ein Zwickel sicher nicht alltäglich. Trotzdem gelingt es dem Darmstädter, den Zwickelgrundgedanken auf die Bühne zu bringen. Frisches, unverbrauchtes, raues, wildes Bier. Urig; kernig, nicht angepasst. Etwas dünn vielleicht. Aber unterm Strich kein schlechtes Bier. Gutmütig ungestüm. Anschmiegsam wild. Herb. Trocken. Erdig. Eher männlich. Überraschend rein und klar im Geschmack. Wohl zu dünn, vor allem der Abgang haucht zu schnell aus, aber im Ganzen nicht zu verachten. Fazit: Ein Zwickel aus Hessens Kulturstadt Wertung: + + + + (t 04/04) Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: Ja Inhaltsstoffe: Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt PS: Manuel J. aus Darmstadt hat uns folgende Erklärung für die Lok im Logo geliefert: Wilhelm Rummel gründete 1847 seine Brau- und Gaststätte nahe der ersten deutschen Eisenbahnstrecke und nannte sie "Zur Eisenbahn". Sein einzigartiges Bier avancierte bald zu einer angesehenen Marke. 1880 reichte die Kapazität der Betriebsanlagen nicht mehr aus, so dass die Privatbrauerei an ihren heutigen standort zog. Hier würde auch das Braustüb'l eröffnet. 1912 wurde der neue Darmstädter Hauptbahnhof zufällig direkt gegenüber gebaut und die Lok erhielt als Symbol für Dynamik, Energie und Bewegung - ihren Platz im logo der Brauerei. |