De Halve Maan Straffe Hendrik Brugs Tripel Bier (9,0 %) 0,33-Liter-Flasche seit 1856 aus Brügge in Belgien:

Jemand schon mal in Brügge gewesen? Das ist eine absolut sehenswerte Stadt, eine der schönsten Europas. Das Bier gefällt schon, bevor es geöffnet wurde. Das Outfit samt Kronkorken ist außergewöhnlich gestaltet. Honiggoldenes Nass ergießt sich ins Glas. Der Schaum drängt vehement nach oben, ist außen etwas gröber als im sahnigen Innern. Der stand ist famos. Darunter wuselt die Kohlensäure angestrengt. Der Duft ist traubenartig. Stachelbeeren und weiße Weintrauben kommen vor. Etwas Hefe rundet ab. Im Malzsektor flackert kurz eine zuckrige Süße fest auf. Saure Nuancen schließen sich an. Der Hopfen hält sich vornehm zurück, entlässt nur wenig Bitterkeit. Der Geruch wirkt überraschend unaufdringlich und schlank. Von 9,0 Umdrehungen ahnt der Riecher nichts. Aber das wird sich sicher gleich wenden, denn wieder steht ein strammer Belgier vor mir auf dem Tisch. Und das heißt in der Regel: Drehmoment ohne Ende. Manchmal frage ich mich, was die Belgier eigentlich machen, wenn die eben mal schnell ein kühles Bier trinken wollen ... immer nur diese Hämmer.
Uhps. Aromatisch wird die Geschichte in der Tat sofort eindringlicher. Fruchtige Sauerimpressionen treffen auf eine ausgeprägte Zuckerfraktion. Weißweinartige Flügel umschließen sirupähnliche Limonennuancen. Sektähnliches entkorkt sich mittig. Das Ganze wirkt recht streng. Es wird bald klar, dass man es mit einem stammwürzetechnisch extrem potenten Bier zu tun an. Allerdingt fußt das Kraftvolle nicht in erster Linie auf dem Malz, ansonsten in mitteleurpäischen Regionen durchaus der Fall, sondern gibt den Hefe- und Hopfenaromen, genauer gesagt den weinartigen und fruchtigen Anteilen einen enormen Schwung. Die Brauerei rühmt sich noch heute nach altem Rezept im Herzen der Altstadt zu brauen. Der Straffe Hendrik widerlegt das nicht. Zwar hat man kein wirkliche frischens Hausbrauereibier im Glas. Dennoch wirkt der Trank natürlich und frisch, eher handgemacht als von der Stange. Der Geschmackskörper ist enrom intensiv. (Überraschenderweise ist die Vollmundigkeit eher schlank ausgeprägt; keinesfalls völlt oder rammt dieses Gebräu.) Kleine Schlücke sind angesagt. Ansonsten fahren sich die Geschmackspapillen Karussell. Vielschichtig und facettenreich entblättern sich die Aromen nacheinander. Allerdings fehlt diesem Tripel ein wenig das Überraschende. Etwas vorhersehbar bahnt sich jeder Schluck geschmacklich seinen Weg nicht unattraktiv, aber eben auch nicht wirklich innovativ. Säuerlich-fruchtig-weinartig in der Grundausstattung. Ein schwacher Korkton im Hefesektor. Sektnuancen. Viel Süße, viel Zucker entströmt dem Malz. Der Hopfen spielt eher eine Nebenrolle. Wasser und Kohlensäure sind gut in Form, allerdings gibt es weichere Fundamente unter dieser Sonne. Vorteilhaft die leichte Trinkbarkeit. Man hat nie, zumindest nachdem man den Antrank, den ersten Punsh weg gesteckt hat, den Eindruck, es mit solch einem Kaliber zu tun zu haben. Da wirkt der Straffe Hendrik eher gutmütig als angriffslustig. Intensivster Part: der Abtrunk, wo das Aroma nochmals mächtig Gas gibt und sich fast überschlägt. Weißwein. Trauben. Sekt. Mächtige Hefefahnen. Fruchtnoten. Etwas Holziges am Rande. Likörhaftes Citruasartiges. Aber. Nochmals. Alles sehr distinguiert und vorsichtig. Kein Aromapflug, sondern für diese Drehzahl fast sanft. Fast.

Fazit: Aus dem Herzen Brügges
Wertung: + + + + [t 07/10]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516: JA
Zutaten: Wasser, Malz, Hopfen, Hefe
Im Internet unter: www.straffehendrik.be