De Molen Hemel & Aarde (9,5 %) 0,18-Liter (!)-Flasche seit
? aus Bodegraven in Holland:
OK. Ich übersetze mal einige der Fakten, die auf dem Label (übrigens
stilistisch nach meinem Empfinden sehr gelungen) stehen: „Dieses
Bier bleibt 25 Jahre haltbar, wenn es kühl und dunkel gelagert
wird.“ Inhalt: 0,18 Liter (unglablich). „Hergestellt mit
dem am weltweit stärksten geräucherten/getorften Malz der
Bruichladaddich Distellerie (auf der schottischen Insel Jura). „Flasche
Nr. 474“ (von insgesamt 1683 eingebrauten). Gebraut am 14. Dezember
2009. Usw. Ein schräges Superlativ jagt das andere. Ich bin sehr
gespannt, was dieses kleine Fläschchen verborgen hält. Wie
in Zeitlupe läuft das Bier ins Glas. Und ist der Schaum erst mal
in Wallung gebracht, so wogt und wölbt er sich langsam immer weiter
und tiefer. Das Schwarz des Bieres ist vollkommen. Die Krone ist ein
dunkles Biege von enorm feinporiger Struktur, einem beachtlichen Volumen
und einem Bombenstand. Das ist schon mal ein Bild für Götter.
Der Geruch ist sagenhaft. Zum einen knochentrocken. Das Röstmalz
ist dermaßen schlank, scharf geschnitten und staubig, dass es
einem den Atem raubt. Dazu kommt eine rauchige und im Detail torfige
Nuance angeweht, die zwar gar nicht so mächtig ist, dafür
unheimlich hintergründig, fast mystisch gestaffelt und märchenhaft
intensiv auftritt. Mokka und Bitterschokoladenaromen runden in einer
Form ab … man möchte nicht glauben, dass es sich hier um
Bier handelt. Und das alles ist sehr frisch, sehr schlank und bei aller
Intensität jederzeit elegant, behutsam … ein Gentleman.
Ach. Du. Grüne. Neune.
Was ist das denn für ein Bier?! Unglaublich. Welch ein ultraintensiver,
verschachtelter, kraftvoller, milder, hintergründiger Geschmack.
Ölige Stoutanleihen treffen auf ein Röstmalz, das trockener
nicht sein könnte. Hochwertige Bitterschokolade steht so klar und
rein vor dem Trinker, dass man ins Bier beißen möchte. Zuckrige
Malznuancen lockern auf, um gleich darauf diesem brachialen, staubigen
Hopfen Raum zu machen. Dann wieder dieses Torfige, das Rauchige des
Malzes, das überwältigend ist, den Trinker packt und nicht
mehr los lässt. Nicht minder fesselnd diese Kaffeelikörimpression,
die aus reinstem, edelstem Mokka zu sein scheint. Schicht für Schicht
baut sich auf, um sich dann langsam, nach und nach zu entblättern.
Jungs. Mädels. Das ist kein Bier für Frischlinge. Das ist
höchste Braukunst mit allerhöchstem Anspruch. Hier trinkt
man nicht schnell oder oberflächlich, hier wird man getrunken.
In kleinen Schlucken, wie in Zeitlupe, dem Einschank gleich. So erdig.
So Likörhaft und ergreifend. Das Aroma (wie das Schwarz) an Dichte
nicht zu überbieten. Dabei jederzeit mild und bekömmlich.
Nie hat man das Gefühl, ein Gebräu solcher Stärke im
Hals zu haben. Das ist wirklich sanft und harmonisch. Um freilich zu
keinem Zeitpunkt zu verleugnen, welch Potential und Macht hinter dem
Zug steckt. Butttrige, keksige Formen nehmen im Hintergrund etwas unscharf
Gestalt an. Honigsüße Spuren ziehen sich durch das Aroma.
Der Hopfen strotzt nur so vor Entfaltungswillen, obwohl er im Vergleich
zum Malz behutsam auftritt. Selten solch ein intensives, verführerisches
und ungewöhnliches Bier getrunken. Ein Riesenkompliment in die
Niederlande, die mit „Hemel & Aarde“ eine Bierarie geschaffen
haben, auf die sie stolz sein können. Einziger Kritikpunkt: 0,18
Liter sind natürlich ein Witz, denn das ergibt gerade mal eine
kleines, ein sehr kleines Glas voll, und ich sage euch: von diesem Urgebräu
hätte ich auf jeden Fall noch einen weiteren halben Liter und mehr
getrunken, auch auf die Gefahr hin, dass dann der schöne Frühsommerabend
vorbei gewesen wäre. Wie wurscht wäre das, bei solch einem
Biertraum. Der Geschmack bohrt sich regelrecht ins Sinneszentrum. Unglaublich.
Fazit: Bottlenumber 474
Wertung: + + + + + + [t
05/11]
Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516:
k.A.
Inhaltsstoffe: k.A.
Im Internet unter:
www.brouwerijdemolen.nl